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ZUR BONNER KULTURPOLITIK

12. März 2016
wurden mir von dem Journalisten Guido Krawinkel für die Zeitschrift "Oper & Tanz" sechs Fragen gestellt, die  ich auch in meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Bürger für Beethoven gestellt, dem mit fast 1.500 Mitgliedern grössten Bonner Kulturverein beantwortet habe.
ZUR BONNER KULTURPOLITIK

 

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Sechs Fragen zur Bonner Kulturpolitik

im Frühjahr 2016

Im März 2016 wurden verschiedene kulturell engagierte Bonner Bürger aufgefordert, einige Fragen zur aktuellen kulturpolitischen Situation in der Stadt zu beantworten. Mir wurden die Fragen auch in meiner Eigenschaft als Vorsitzender der Bürger für Beethoven gestellt, dem mit fast 1.500 Mitgliedern grössten Bonner Kulturverein.

Wie kann man die aktuelle Lage der Bonner Kulturpolitik kurz und prägnant zusammenfassen? 

Stephan Eisel: Viel Flickwerk, keine klare Strategie und Kultur als Sündenbock: In Rat und Verwaltung wird der Eindruck erweckt, mit einer Streichung der Kulturausgaben könne der städtische Haushalt saniert werden – obwohl Kulturausgaben nur 6 Prozent des 1-Milliarden-Haushalts ausmachen. Leichtfertig wird deshalb wichtigen Einrichtungen wie dem Deutschen Museum, dem Eurotheater Central und dem Frauenmuseum die Existenzgrundlage entzogen. Natürlich muss auch die Kultur einen Beitrag zur Konsolidierung der städtischen Finanzen leisten – aber in Bonn wird von zu vielen  in billigem Populismus einem Sonderopfer Kultur das Wort geredet, ohne dass alle Politikbereiche gleichermaßen auf den Prüfstand gestellt werden. 

Welches kulturpolitische Vermächtnis hat der frühere OB Nimptsch hinterlassen? 

Stephan Eisel: Herr Nimptsch ist einer der Hauptverantwortlichen für das Scheitern des im Bau privat finanzierten und im Betrieb wesentlich vom Bund getragenen Beethoven-Festspielhauses und bleibt mit dem Satz in Erinnerung, er habe ein schlechtes Gewissen, wenn er in die Oper gehe. Man kann die Kulturaffinität politischer Mandatsträger gut daran erkennen, ob sie auch  dann in Konzerten oder Ausstellungen zu sehen sind, wenn es nicht die Amtspflichten verlangen oder Ehrenkarten erleichtern. 

Wie präsentiert sich der Neue OB und was ist von ihm - voraussichtlich - zu erwarten? 

Stephan Eisel: Ashok Sridharan merkt man an, dass er schon vor seiner Wahl  beispielsweise als Vater um die Wichtigkeit von Kultur für junge Leute bei der Bildung der Persönlichkeit wusste und die Bedeutung kultureller Angebote für eine Stadtgesellschaft kennt. Seine ersten Entscheidungen für Eigenständigkeit des Beethoven Orchesters und die Aufwertung von „Beethoven 2020“ zur Chefsache zeigen die Richtung an – aber der Weg, der vor ihm liegt, ist auch steinig. Norbert Blüm hat einmal gesagt, sein Hauptproblem als Minister sei die status-quo-Verliebtheit des eigenen Ministeriums. Da unterscheidet sich eine Kommunalverwaltung nicht von der Ministerialverwaltung. Ein Oberbürgermeister muss gegen solchen Widerstand auch neue Dinge auf den Weg bringen. 

Welche Fehler sind in der Vergangenheit in Bonn im Hinblick auf die gescheiterte erste Runde der GMD-Suche und das Festspielhaus gemacht worden? 

Stephan Eisel: Die GMD-Suche 2015 war in vielerlei Hinsicht verkorkst:  der Kulturdezernent hat das Orchester um ein Votum gebeten und dann wollte man eine 98-Prozent Mehrheit der Musiker übergehen; es gab Mitglieder der Findungskommission, die bei keinem einzigen Probedirigat der von ihnen eingeladenen Bewerber anwesend waren, man hat dann einen Bewerber abgelehnt, den man zuvor zur engeren Wahl zählte und zudem haben die Betroffenen das alles aus der Zeitung erfahren. Dahinter stand die Absicht, einen GMD zu finden, der die Unterordnung des Orchesters in den Theaterbetrieb mitmacht. Der neue Oberbürgermeister hat solchen Spielchen mit seinem klaren Bekenntnis zur Eigenständigkeit des Orchesters ein Ende gesetzt. Es liegt ja auch auf der Hand: Wenn Bonn Beethovenstadt sein will, braucht es ein eigenständiges Sinfonieorchester.

Beim Festspielhaus erkennen selbst einstige Skeptiker, wie dumm es war, dass in Rat und Verwaltung diese einmalige Chance für Bonn schlecht geredet wurde. Die Deutsche Post DHL,  der Bund und verschiedene Bürgerinitiativen  haben das Projekt mit großem Nachdruck, viel Geduld und auch erheblichen finanziellen Mitteln vorangetrieben. Aber es fehlte eben der kommunalpolitische Schulterschluss. Die  Beethovenstadt hat damit nicht nur einen hochwertigen Konzertsaal und über 100 Mio Euro verloren, sondern muss jetzt das der Stadtkasse auch noch weit über 60 Mio für provisorische Ersatzlösungen ausgeben. 

Wie kann man Kultur und Sport in Bonn wieder versöhnen? 

Stephan Eisel: Für die meisten Bürger ist das kein Gegensatz, denn sie nehmen kulturelle Angebote vom Konzert und Oper über Rock und Pop bis hin zum gerade als Weltkulturerbe anerkannten Karneval ebenso wahr wie sie sich für Sport interessieren. Beides sind durch viel ehrenamtliches Engagement nicht zuletzt in der Jugendarbeit verbunden und in beiden Bereichen weiß man, dass ohne Spitzenleistung die Breitenförderung nicht funktioniert. Deshalb gibt es in Bonn einen Olympiastützpunkt und ein Orchester – beides aus Steuergeldern finanziert. Man sollte hier keine künstlichen Gegensätze aufbauen, sondern die Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt stellen. 

Wie sieht Ihre Vision für Beethoven 2020 aus?

Stephan Eisel: Der weltweit gefeierte 250. Geburtstag von Beethoven ist für Bonn die einmalige Chance, sich als Beethovenstadt zu profilieren. Deshalb muss sich „Beethoven 2020“ in Bonn von den Jubiläumsfeiern in Mannheim oder Hannover unterscheiden. Das lässt sich nicht durch eine Aneinanderreihung von Konzerten erreichen, zumal dafür auch der angemessene Konzertsaal fehlt. Wichtiger als solche schnell verglühenden Feuerwerke sind nachhaltige Strukturen. Es geht um die Leitfrag­e: „Was kann man zu Beetho­ven nur in Bonn erleben?“ Im­merhin hat Beethoven mit 22 Jahren genauso lange in Bonn gelebt wie Mozart in Salzburg. Dort hat man eine sehr beeindruckende Mischung zwischen authentischen Orten und damit verbundenen inhaltlichen Angeboten entwickelt. Dass hier in Bonn noch sehr viel zu tun ist, sieht man schon daran, dass es noch nicht einmal einen wahrnehmbaren Beethoven-Rundgang gibt.

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