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Pressestimmen

General-Anzeiger 12. Oktober 2020

Stephan Eisel las nicht aus seinem Buch – er erzählte und ließ das Klavier „sprechen“. Der Bonner Historiker hat Licht in Ludwig van Beethovens Bonner Jahre gebracht. „22 Jahre lebte Beethoven in Bonn, länger als Mozart in Salzburg. Bei Salzburg denkt jeder an Mozart, aber noch nicht alle bringen Bonn mit Beethoven in Verbindung.“ Damit sich das ändert, hat er die Jugendjahre Beethovens ausgiebig recherchiert.
Der Königswinterer Verlag Edition Lempertz hat das Buch herausgebracht. „Das Klischee, Beethoven habe immer nur düster dreingeblickt, wird seinem Leben nicht gerecht. Er war ein Charmeur, ein Frauenheld.“ Mit weiteren Irrtümern räumte er auf. Und am Klavier stellte Eisel dem begeisterten Publikum das „Prinzip der rheinischen Täuschung“ vor. Das alles machte neugierig auf den „unbekannten Beethoven“.

General-Anzeiger Bonn 30. März 2020

Beethovens Bonner Jahre
Stephan Eisels Buch bietet spannende Einblicke 

„Beethoven als Heros der Musikgeschichtsschreibung wird in Wien geboren und kommt faktisch aus dem Nichts. Keine Rede von Herkunft, Ausbildung oder Erfahrung“, kritisierte die in Wien wirkende Musikwissenschaftlerin Birgit Lodes kürzlich in einem Interview der „Zeit“ die traditionelle Musikgeschichtsschreibung.

Der vorzügliche Musikkenner und Vorsitzende der Bürger für Beethoven, Stephan Eisel, setzte zum Auftakt des Beethovenjahres 2020 in einer Serie des General-Anzeigers genau an diesem Punkt an und hat faktenreich dargelegt, wie entscheidend die 22 Bonner Jahre für die Entwicklung des Komponisten Ludwig van Beethoven gewesen sind.

Auf Grundlage der Serie sowie weiterer intensiver Recherchen, die Eisel für seinen 550 Seiten starken Band „Beethoven – Die 22 Bonner Jahre“ gesammelt hat, ist nun in der Edition Lempertz das Taschenbuch „Beethoven in Bonn“ erschienen, das einen vorbildlichen Überblick über diese für den Komponisten so prägende Zeit gibt. Nach der Lektüre des reich mit Archivalien aus dem Beethoven-Haus bebilderten Bandes wird man viele Aspekte von Beethovens Kunst neu beurteilen. ⇥ht 

Aus: fachbuchjournal-Ausgabe 5/2020 zum "kleinen" Beethoven-Buch

Stephan Eisel, Beethoven in Bonn, Edition Lempertz 2020 (Deutsch/Englisch), Klappenbroschur, 126 S., durchgehend farbig bebildert, ISBN 978-3-96058-342-4. € 8,99.

Der Bonner Musikwissenschaftler und Historiker Stephan Eisel gibt in seinem Buch einen exzellenten Überblick über die 22 Jahre, die Beethoven seit seiner Geburt 1770 in Bonn bis zu seiner Abfahrt nach Wien 1792 verbrachte. Während der Zeit der napoleonischen Kriege in Europa und deren Folgen lebte er dort bis zu seinem Tod. Eisels Buch basiert auf seiner ausführlichen 550 Seiten umfassenden Untersuchung „Beethoven – Die 22 Bonner Jahre“, welche demnächst veröffentlicht wird. Mit seinen vielen Illustrationen gibt das Buch einen kompakten Abriss über das Leben der Beethoven Familie und deren Freundeskreis in Bonn. Während Beethovens Großvater, Ludwig d. Ä. und sein Vater Johann beide als Sänger bei der Hofkapelle der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn engagiert waren, begann der junge Ludwig van Beethoven bereits im Alter von elf Jahren als Stellvertreter für seinen Lehrer Gottlieb Neefe zu arbeiten. Mit 13 Jahren erhielt er eine feste Anstellung als Bratschist an der Hofkapelle. Das Buch enthält eine Einleitung und 13 knapp gefasste Kapitel, die mit viel Bild-und Dokumentenmaterial versehen sind. Dank der Unterstützung durch das Beethovenhaus stellt das anschaulich gestaltete Taschenbuch u.a. Die Musikstadt Bonn in der damaligen Zeit, Beethovens Weg zum Berufsmusiker oder Beethoven Am Klavier, an der Orgel und im Orchester übersichtlich dar, also diese ersten 22 Jahre der Entwicklung zur eigenständigen Künstlerpersönlichkeit, die unstrittig nicht erst in Wien begann. Neben der Familie Beethoven wurde die Bonner Musikszene, wie Eisel aufzeigt, von anderen einflussreichen Musikerfamilien bestimmt. Viele von ihnen waren wie Großvater und Vater Beethovens Mitglieder der Hofkapelle. Dazu gehörte die Familie Ries; Franz Anton Ries erteilte Beethoven zeitweise Geigenunterricht. Außerdem die Familie Salomon, die viele Spuren in der Bonner Musikszene hinterließ. Philipp A. Salomon arbeitete ab 1765 als Oboist und Violinist in der Hofkapelle.

In dem Haus in der Bonngasse Nr. 20, heute das Beethovenhaus, Museum und Gedächtnisstätte, einem der ersten Wohnsitze der Familie Beethoven, wohnten früher die Familie Salomon und auch die Familie des Nikolaus Simrock. Er war Hornist in der kurfürstlichen Hofkapelle, später Leiter einer Musikalienhandlung und führte ab 1790 einen Verlag.

Ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr besuchte Ludwig van Beethoven die Münsterschule, die sich damals im Kapitelhaus des Bonner Münsters befand. Der Unterricht währte nur vier bis fünf Jahre, denn schon bald konzentrierte sich Ludwig auf die Musik, wie für Musikerfamilien üblich. Den ersten Klavierunterricht erhielt er mit vier Jahren von seinem Vater Johann, der sehr viel Wert auf Disziplin legte und 1778 den ersten öffentlichen Auftritt seines Sohnes in Köln im musikalischen Akademiesaal in der Sternengass organisierte. Das Klavierspiel vor Zuhörern gehörte von da an zur Routine des heranwachsenden Beethoven. Ebenso unternahm er Reisen in der Region zu Musikfreunden. Eine wichtige Rolle spielte für Beethoven sein Lehrer Christian Gottlob Neefe, der 1779 als Musikdirektor ans Bonner Theater kam. Er war ein erfolgreicher Instrumentalist. Ausgebildet bei Adam Hiller in Leipzig, brachte er die Bachsche Musiktradition nach Bonn. Er war Mitbegründer der Bonner Lesegesellschaft (1787) und vehementer Verfechter der Aufklärung.

Die musikalischen Kenntnisse des elfjährigen Beethoven waren vor diesem Hintergrund schon so solide, das ihn seine Lehrer Neefe kurzerhand 1781 zum Stellvertreter ernannte, eine Voraussetzung dafür, dass der neue Kurfürst Max Franz ihn 1784 offiziell zum stellvertretenden Hoforganisten ernannte. Als Hofmusiker war der 13-jährige nun Berufsmusiker. Eine der ersten gedruckten Kompositionen Beethovens waren die 1782 im Verlag Michael Götz in Mannheim erschienenen Neun Variationen für Klavier über einen Marsch von Ernst Christoph Dressler WoO 32. Die Variationen stellen höhere technische Ansprüche als die meiste Klaviermusik der Zeit und geben Einblick in Beethovens außergewöhnliche Fähigkeiten am Klavier. Zu dem persönlichen Freundeskreis, der Beethoven zeitlebens begleitet, gehörte auch der fünf Jahre ältere Arzt Franz Gerhard Wegeler, der schon um 1785 Beethoven in die Familie Breuning als Klavierlehrer eingeführt hat. Die damals 26-jährige Witwe Helene von Breuning (deren Mann war 1777 beim Schlossbrand ums Leben gekommen) hatte vier Kinder Eleonore (1771), Christoph (1773), Stephan (1774) und Lorenz (1776), die als Altersgenossen für Beethoven wie Geschwister waren. Die Breunings wurden für ihn angesichts der schwierigen eigenen Familienverhältnisse zur Ersatzfamilie und im Kreise der Breuning-Familie erhielt Beethoven viele geistige Anregungen. Im Schlusskapitel Beethoven Bonnensis zeigt Eisel eindrücklich, wie nahe Beethoven Bonn und seine dortigen Freunde in seinem Leben geblieben sind, u.a. zeichnete er verschiedene Briefe, so auch 1823, als Beethoven Bonnensis. ­