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FÜR BONN GEHEN 140 MIO EURO VERLOREN,

07. September 2011
wenn der Eiertanz um das Beethoven-Festspielhaus nicht bald beendet wird. Wegen der Unentschlossenheit der Bonner Kommunalpolitik wenden sich jetzt die ersten Sponsoren ab. Das Jahrhundert-Projekt steht auf Messers Schneide und die Beethovenstadt ist dabei, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. 
FÜR BONN GEHEN 140 MIO EURO VERLOREN,

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Zwei vor Zwölf:
Das Beethoven-Festspielhaus auf Messers Schneide

Wegen einer unentschlossenen und unprofessionellen Bonner Kommunalpolitik droht das geplan­te Beethoven-Festspielhaus als größte Chance für Bonn seit dem Berlin-Bonn-Beschluss zu schei­tern. Bund, Land, Dax-Unternehmen, Rhein-Sieg-Kreis und Sparkasse KölnBonn, die auf Initiative von Bonner Bürgern 140 Millionen Euro (!) für Beethoven in Bonn investieren wol­len, sehen sich seit zwei Jahren aus Stadtverwaltung und Rat immer wieder mit demonstrativem Desinteresse konfrontiert. Jetzt sind manche mit ihrer Geduld am Ende: Wenn die Bonner unser Geld nicht wollen, ziehen wir eben unser Angebot zurück ! Das Projekt steht aus Messers Schnei­de !

Dabei war die Ausgangslage für Bonn traumhaft: Der Bundestag hat im Herbst 2007 – also vor vier Jahren (!) - beschlossen, die För­derung Beethovens in seiner Geburtsstadt in Liste nationaler Kulturprojekte aufzunehmen und da­für 39 Millionen Euro bereit zu stellen, wenn sich private Investitoren, das Land und die betroffe­nen Kommunen daran beteiligen. Daraufhin haben sich Post, Post­bank und Telekom bereit erklärt, ein spielfertiges Beethoven-Festspielhaus zu bauen und vollstän­dig zu finanzieren. NRW und der Rhein-Sieg-Kreis haben ihre Beiträge angeboten. Zwei herausragende Architektur-Entwürfe liegen durchgerechnet und baufertig auf dem Tisch.

Nur die Signale aus Bonn stiften Verwirrung. Zwar beschloss der Rat, für den Bau ein städtisches Grundstück zur Verfügung zu stellen – das Areal der Beethovenhalle -, aber dieser Standort wird immer wieder in Frage gestellt. Zwar bekannten sich vor der Kommunalwahl alle Parteien und die OB-Kandidaten (ausgenommen die Grünen), ausdrück­lich zum Festspielhaus, aber wenige Monate später legte OB Nimptsch das Projekt (ohne Ratsbe­schluss!) einfach auf Eis.

Zugleich werden den Bonnern konsequent die wichtigsten Fakten zum Festspielhaus vorenthalten:

  • Der Bau ist ohne Risiko für die Stadt: Die Dax-Unternehmen haben angeboten, den Bau eines spielfertigen Festspielhauses incl. möglicher Baukostensteigerungen vollständig (!) zu finanzieren. Auch Rücklagen für den Bauerhalt sind eingerechnet. Die Stadt hat sich nur verpflichtet ein Grundstück bereit zu stellen und entscheidet damit über den Standort.

  • Der Betrieb wird von einer Stiftung finanziert. Weder Bau noch Betrieb sind eine städti­sche Angelegenheit. Wie bei der Bundeskunsthalle geht es um ein nationales Projekt. Des­halb wird für den Betrieb eine Stiftung gegründet, an der sich bisher der Bund (39 Mio €), das Land (1 Mio € jährlich), der Rhein-Sieg-Kreis (3 Mio €) und die Sparkasse KölnBonn (5 Mio €) beteiligen. Nur die Stadt Bonn hat über ihren Beitrag noch nicht ent­schieden.

     

  • Die Betriebskonzepte liegen vor. Das „Kerngeschäft" leisten die Beethovenfeste. Dazu kommen die Konzerte des Beethovenorchesters und Vermietungen. Man geht von 100-120 Konzerten mit ca. 160.000 Besuchen pro Jahr aus. Die Be­triebskosten von ca. 8,8 Mio Euro werden durch Kartenverkauf (3 Mio), Erträge des Stif­tungskapitals (2,8 Mio) und den NRW-Zuschuss (1 Mio €) gedeckt. Weitere zwei Millionen an Einnahmen kommen aus Sponsoring, privaten Zustiftungen und dem Beitrag der Stadt. Selbst wenn die Stadt diese zwei Millionen alleine aufbringen würde, kann man wie beim Beethovenfest damit rechnen, dass das Vierfache von Besuchern in Bonn ausgegeben wird.

  • Die Alternative des Nichtstuns ist teurer: Einmal abgesehen von der Blamage für die Beethovenstadt - Ohne das Festspielhaus bliebe in Bonn alles beim Alten: Die Beethoven­halle kostet an Unterhaltskosten ca. 1,5 Mio € jährlich. Die anstehende bauliche Sanierung wird mindestens 20 Mio € verschlingen. Nach Presseberichten geht die Stadtverwaltung jetzt sogar von 30-35 Millionen aus. Allein in den nächsten beiden Jahren will die Stadt da­für 2,8 Mio € ausgeben. Zugleich ist die alte Beethovenhalle als Mehrzweckhalle kaum be­legt. Deshalb ist ein Festspielhaus ist im Vergleich zur Beethovenhalle in jedem Fall billiger.

Dass OB Nimptsch zur Eröffnung des Beethovenfestes seine „Eiszeit“ für das Festspielhaus beenden will, ist gut. Aber zugleich stiftet er mit der unsinnigen Alternative „Fest­spielhaus statt Oper“ neue Verwirrung in der Standortfrage. Dabei könnte die Stadt mit einem neuen Festspielhaus sogar Geld sparen, wenn es die alte Beethovenhalle mit ihren enormen Kosten ersetzt. Der ebenfalls mögliche Standort in der Rheinaue hätte diesen Vorteil der Kostenersparnis nicht. Ebenso unentschlossen wie der Oberbürgermeister ist der Rat und drückt sich vor einer Abstimmung, die jedes Ratsmitglied zwingt, Farbe zu bekennen.

Es ist kein Wunder, dass sich bei dieser Sachlage die ersten Sponsoren abwenden. Die Telekom hat mitgeteilt, sie wolle den Bau nicht mehr mitfinanzieren, aber die Beteili­gung an den Be­triebskosten prüfen. Die Postbank signalisiert ihren Rückzug, weil das Projekt nicht vorankommt.

Die Post bleibt trotzdem ausdrücklich bei ihrem Engagement. Auch aus der Bonner Bürger­schaft kommt vom IHK-Präsidenten über den Hotel- und Gaststätten-Verband bis hin zu den großen Kulturverbänden immer wieder Druck für eine positive Entscheidung. Im Internet haben für das Festspielhaus schon mehr Bürger mit vollem Namen unterschrieben als sich anonym für den populärsten Vorschlag bei der städtischen Internet-Aktion „Bonn packts an“ ausgesprochen haben.

Noch sind auch Bund, Land, Rhein-Sieg-Kreis bei der Stange, aber das Ende von deren Geduld ist absehbar. Wenn der Eiertanz der Bonner Kommunalpolitik weiter­geht, werden sich alle von der Beethovenstadt Bonn abwenden, die sich hier engagieren wollen. Dabei weiß jeder: Wenn das Projekt scheitert, will hinterher keiner der Totengräber gewesen sein. Wenn es gelingt, sitzen die heutigen Gegner mit Ehrenkarten im Eröffnungskonzert und waren schon immer dafür.

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DIE GRÜNEN LEGEN BONN LAHM

wie die Beispiele Cityring, Viktoriakarree und Beethovenhalle zeigen. Wie widersinnig grüne Politik dabei ist, zeigen beispielsweise die Beschlüsse dem Cityring, durch die der Autoverkehr zum Bahnhof zu langen umweltschädlichen Umwegen durch Wohngebiete gezwungen wird.

22 JAHRE WAR BEETHOVEN IN BONN -

länger als Mozart in Salzburg. Hier reifte er  im Geiste der Aufklärung zur musikalischen wie auch charakterlichen und politischen Persönlichkeit, sammelte wichtige und prägende Erfahrungen als Organist und Orchestermusiker, entwickelte sich zum außergewöhnlichen Pianisten und profilierte sich als Komponist.

AM 2. 2. FINDET DAS KLAVIERKABARETT

LUDWIG ALAAF von Stephan Eisel um 10:30 Uhr im Kulturzentrum Hardtberg statt (Rochusstraße 276, 53123 Bonn)22 Jahre hat Beethoven in Bonn gelebt und gearbeitet. Er war dabei nicht der grimmige, vom Schicksal beladene Komponist als der er oft dargestellt wird, sondern hatte eine sehr heitere Seite. Es erwarten Sie überraschende Einsichten zu Ludwig und Fingerübungen zwischen Pop, Jazz und Klassik. Dabei geht sowhl um die von Beethoven in seinen Werken umgesetzte "rheinische Täuschung" als auch den Nachweis, dass er die wichtigsten rheinischen Karnevalslieder komponiert hat. Das Bonner Prinzenpaar hat sich zu einem Besuch angesagt.

DIE BEETHOVENS WAREN IN BONN

über 60 Jahre mit vier Generationen eine feste Größe in der Bonner Stadtgesellschaft. Mit der Familie des größten Sohns der Stadt am Rhein befasste sich die erste Folge einer mehrteiligen Serie von Stephan Eisel zum Bonner Beethoven im General-Anzeiger.

BEETHOVEN UND DIE 22 BONNER JAHRE

ist der Titel eines Buches von Stephan Eisel, das im Januar 2020 im Verlag Beethoven-Haus erscheint. Auf 500 reich bebilderten Seiten geht es um das, was Beethoven in persönlich und musikalisch geprägt hat, bevor er das Rheinland verlassen hat. Geschildert werden die Bonner Wurzeln der Ode "An die Freude" ebenso wie Bonn mit seinem größten Sohn umgegangen ist. Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis, weitere Informationen und können das Buch bis zum 31. Dezember 2019 zum Vorzugspreis subskribieren.

UNSER LUDWIG LÄCHELT

ist Thema meines Klavierkabaretts am 1. November um 16.00 Uhr (ausverkauft) und 18 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf in Bonn Poppelsdorf. Es geht dabei um die unbekannte Seiten von Beethoven aus seiner Bonner Zeit, die mit Fingerübungen am Klavier vorgestellt werden.

FÜR DAS SCHEITERN DES FESTSPIELHAUSES

für Beethoven in Bonn trägt der damalige OB Nimptsch (SPD) ein erhebliches Maß an Verantwortung. Dass er dafür jetzt Post und Telekom verantwortlich machen will, stellt die Wahrheit auf den Kopf. 

AM 3. OKTOBER FEIERN WIR DEN TAG

der Deutschen Einheit. Wie am 23. August 1990 die freigewählten Volkskammer der DDR den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes beschlossen hat, habe ich als Mitarbeiter von Helmut Kohl im Bonner Kanzleramt miterlebt.

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für das dritte Quartal 2019.

KUNST UND PUBLIKUM

brauchen einander und sind zugleich in einem Spannungsverhältnis verbunden. Aber Musik, die keiner hört, ein Buch, das niemand liest, oder ein Bild, das keiner sieht, laufen ins Leere. Nur im Respekt voreinander kommen Kunst und Publikum voran.