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BEETHOVEN IN BONN - MOZART IN SALZBURG

21. Februar 2011
war das Thema eines Vortrags der Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler bei den Bonner Festspielhaus-Freunden. In ihrer engagierten Rede beschwor sie die Bonner, die Chance eines Beethoven-Festspielhauses zu ergreifen, um die uns viele in der Welt beneiden.

 

 

Die Vorsitzende der Fest.Spiel.Haus.Freunde, Monika Wulf-Mathis (links), mit der Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler

 

Salzburgs Festspielchefin zu Gast bei den Festspielhausfreunden    

auf http://www.rhein-musikalisch.de/
(von Matthias Nofze)

 BONN. Auf Parteitagen werden solche Reden gerne mit „Jetzt geht's los"-Ovationen quittiert. Soweit ließ sich das Publikum im Uniclub nicht hinreißen. Doch ein bisschen „Yes, we can"-Stimmung lag schon in der Luft. Grund für die Euphorie: die Rede, die Helga Rabl-Stadler  auf Einladung des Vereins „Fest.Spiel.Haus.Freunde" gehalten hatte. Darin ermunterte sie die  Anhänger des Projekts „Festspielhaus" nachdrücklich, an ihren Plänen festzuhalten, denn: „Ich sehe nicht ein einziges Argument dagegen." Mit der eloquenten Österreicherin hatten die Gastgeber ein Schwergewicht aus dem illustren Kreis der internationalen Festivalmacher nach Bonn geholt. Seit siebzehn Jahren managt Helga Rabl-Stadler („ich bin also schon ein altes Möbel") das 1920 von Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt aus der Taufe gehobene Musik- und Theaterspektakel an der Salzach, dem in seiner weltweiten Strahlkraft eigentlich nur die Wagner-Festspiele in Bayreuth gleichkommen.    

 Und was in Salzburg möglich war, ist ihrer Ansicht nach auch in Bonn möglich. „Sie haben mit Beethoven eine ähnliche Chance wie wir sie mit Mozart hatten - Beethoven ist eine unverwechselbare Marke." Allerdings verkannte sie auch einige Unterschiede nicht. In Bonn müssten die Verfechter des Festspielhauses ausgerechnet in Zeiten von Wirtschaftskrise und WCCB-Debakel Überzeugungsarbeit für ihre Vision leisten. Da wundere es sie nicht, dass es derzeit „nicht gerade favorabel" stehe für ein neues Festspielhaus. Durchhalten sei gefragt, riet die Festspiel-Präsidentin: „Auch die Salzburger Festspiele wurden wenige Jahre nach ihrer Entstehung bereits tot gesagt - und nun sehen sie, was daraus geworden ist." Ein paar Zahlen mögen das andeuten: die Salzburger Festspiele verkaufen mittlerweile in nur fünf Wochen Karten für 24 Millionen Euro, 75 Prozent der Gäste sind Stammgäste. Die Eigenwirtschaftlichkeit, so Rabl-Stadler, liege bei rund 75 Prozent, die Salzburger Festspiele zahlten mehr Steuern als sie Zuschüsse erhielten. „Denken sie mal an die Berliner Opern. Deren Eigenwirtschaftlichkeit liegt bei etwa 20 Prozent." 2010 lag die Gesamtbesucherzahl bei 250.817, die Platzauslastung bei 94,6 Prozent, das Gesamtbudget betrug 49,5 Millionen Euro. Die öffentliche Hand steuerte davon 27 Prozent bei. Darauf ausruhen könne sie sich allerdings nicht. 

„Sie werden es nicht glauben", so Rabl-Stadler, „ich muss noch immer Überzeugungsarbeit leisten." Bei Politikern wie bei Sponsoren. Doch aus ihrem früheren Leben als Politikerin ist Rabl-Stadler das Bohren dicker Bretter gewohnt. Ihr ist eine sympathische Mischung aus Pragmatismus und charmantem Auftreten eigen. Damit setzte sie zum Beispiel in Salzburg das „Haus für Mozart" durch, den aufwändigen Umbau des alten Kleinen Festspielhauses zu einer modernen Spielstätte (durch den Architekten Francois Valentiny, dessen Entwurf für das Bonner Festspielhaus zusammen mit dem von Zaha Hadid noch im Rennen ist). Das Vorhaben galt bei ihrem Amtsantritt 1995 als „mission impossible". Doch Rabl-Stadler ließ sich nicht entmutigen und brachte schließlich von den rund 33 Millionen Euro Baukosten 13 Millionen durch Sponsoring auf: „da konnte die öffentliche Hand nicht mehr Nein sagen." Dass in Bonn nun drei große Unternehmen bereit sind, ein Festspielhaus komplett zu finanzieren, sei ein beneidenswerter Zustand. Hier müsse man einfach die Chance ergreifen, sagte Rabl-Stadler fast schon flehentlich: „In Bonn liegt das doch förmlich auf der Straße". Das neue Festspielhaus müsse „natürlich" zum Rhein hin sich öffnen und „natürlich" den Namen Beethoven tragen. Wenn der Abriss der Beethovenhalle nicht möglich sei - "da will ich mich nicht einmischen" -, müsse eben ein anderer Standort gefunden werden.    

Obschon sie vor der Konkurrenz mit anderen Konzertsälen und Festspielen nicht die Augen verschloss: „Festspiele schießen ja aus dem Boden wie Schwammerl." Bestehen könne man da nur durch Qualität. Wie sie das geschafft habe, fragte in der anschließenden Diskussion der Musikredakteur des Bonner Generalanzeigers, Bernhard Hartmann. Programm, Umgebung, gesellschaftliches Flair und nicht zuletzt die Gastronomie müssten stimmen, so die Festspiel-Chefin. Eine Kleinstadt habe da so manchen Vorteil: „Die Berliner oder Wiener Festwochen gehen doch unter." Auch Rabl-Stadler führte, wie viele andere in der Diskussion um das Festspielhaus, die Hochkultur als „soft value" an, die Firmen und Manager anlocken würde. Sie ließ aber auch Skrupel erkennen, Kunst immer nur durch „Umwegrentabilität zu rechtfertigen."  Schließlich warf sie noch einen Blick auf Bonns ganz spezielle Geschichte und gelangte zu einem interessanten Argument. Nach dem Verlust der Hauptstadtfunktion sieht sie die Stadt in einer Identitätskrise, die durch ein Festspielhaus samt Beethovenfest überwunden werden könne.      

Dass Rabl-Stadler auch Sinn für Selbstironie besitzt, zeigte folgender Gedankengang. Während der Festspiele sei Salzburg eine „internationale Stadt". außerhalb jedoch ein „mal ekelhaftes, mal liebenswertes Dorf - vielleicht verbindet uns das mit Bonn." Herzhaftes Gelächter im Saal. mnz

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DAS ERGEBNIS DER OB-STICHWAHL

mit dem Verlust des Rathauses an die GRÜNEN ist ebenso wie die Niederlage bei der Ratswahl ein schwerer Schlag für die Bonner CDU. Das Wählervotum ist für die Christdemokraten ein klarer Oppositionsauftrag. Dort gilt es, die Chance zur Erneuerung zu nutzen.

DIE BRIEFWAHLUNTERLAGEN ZUR

OB-Sichwahl in Bonn wurden teilweise zu spät verschickt. Manche Wahlberechtigte erhielten ihre Unterlagen erst ein oder zwei Tage vor dem Wahltag. Der Vorgang muss aufgeklärt werden. Verantwortlich war als Wahlleiter Stadtdirektor Fuchs.

IM PODCAST DES BEETHOVEN-ORCHESTER

sprach der leitende Dramaturg des Orchesters Tilmann Böttcher mit Stephan Eisel, dem Vorsitzenden der Bürger für Beethoven. Es ging um Beethoven und Bonn, das Beethoven-Orchester und Musik überhaupt.

ZUM BEETHOVEN-JUBILÄUM ERSCHIENEN IST

das "kleine" Beethoven-Buch von Stephan Eisel unter dem Titel BEETHOVEN IN BONN. Es fasst zum Preis von 8,99 Euro auf 128 Seiten inklusive einer englischen Übersetzung zusammen, was das "große" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" auf über 550 detailliert darlegt (erscheint nach Ostern im Verlag Beethoven-Haus zum Preis von 34,80 Euro). Das "kleine" Beethoven-Buch können Sie sofort hier bestellen und haben es in wenigen Tagen in Ihrem Briefkasten.

LICHT IN NRW - SCHATTEN IN BONN

- so lässt sich das Ergebnis der NRW-Kommunalwahlen vom 13. September 2020 zusammenzufassen. Während die NRW-CDU ihre Position als stärkste Partei im Land festigte, wurde die Bonner CDU erstmals nicht stärkste Ratsfraktion. Sie steht jetzt vor der Frage, ob sie nicht in der Opposition ihr Profil schärfen will statt im Windschatten der GRÜNEN zu verschwinden. 

AM 21. SEPTEMBER 1945 UM 18 UHR

wurde in der Gastwirtschaft Jacobs in der Friedrichstraße die Bonner CDU gegründet. Gründungsvorsitzender war der Bonner Rechtsanwalt Johannes Henry, ein Freund Konrad Adenauers. An der Gründungsversammlung nahm 38 Gründungsmitglieder teil.

DIE GRÜNEN SIND HAUPTVERANTWORTLICH

für das Desaster bei der Luxussanierung der maroden Beethovenhalle, denn sie bestanden auf dem Erhalt der Halle und deren "denkmalgerechter" Sanierung. Die Gesamtkosten sind inzwischen auf über 160 Mio Euro explodiert, die Fertigstellung frühestens für 2024 vorgesehen.

BEI DER BONNER WAHL AM 13. SEPTEMBER

geht es um eine klare Alternative: CDU oder GRÜNE - wer soll die bestimmende Kraft für Bonns Zukunftsgestaltung sein. Die GRÜNEN betrachten die Welt dabei nur monothematisch, die CDU will unterschiedliche Interessen im Sinne des Gemeinwohls zusammenführen.

DAS BONNER BEETHOVEN-DENKMAL

wurde vor 175 Jahren am 12. August 1845 enthüllt. Es wurde bald das überall auf der Welt bekannte Wahrzeichen Bonns. Die Vorgeschichte war freilich kompliziert. Ohne nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement und den Einsatz von Robert Schumann und Franz Liszt wäre das Vorhaben nicht verwirklicht worden.

BEETHOVEN UND DIE 22 BONNER JAHRE

ist der Titel eines Buches von Stephan Eisel, das im Herbst 2020 im Verlag Beethoven-Haus erscheint. Auf 500 reich bebilderten Seiten geht es um das, was Beethoven in persönlich und musikalisch geprägt hat, bevor er das Rheinland verlassen hat. Geschildert werden die Bonner Wurzeln der Ode "An die Freude" ebenso wie Bonn mit seinem größten Sohn umgegangen ist. Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis, weitere Informationen und können das Buch bis zum  zum Vorzugspreis subskribieren.