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MIT EINEM KLAREN BEKENNTNIS ZUM

zum Beethoven-Festspielhaus hat IHK-Präsident Wolfgang Grießl das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Er betonte für die IHK-Bonn/Rhein-Sieg in einem Interview mit dem General-Anzeiger die wirtschaftlichen Chancen für die Region und forderte von Rat und Verwaltung in Bonn eine positive Grundentscheidung. 
MIT EINEM KLAREN BEKENNTNIS ZUM

Das vollständige Interview können Sie hier ausdrucken. 

 Das Interview im General-Anzeiger vom 12. August 2011 im Wortlaut:

 Wolfgang Grießl: "Das Risiko der Stadt geht gegen null"

Wolfgang Grießl, seit März neuer Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und bekennender Bildungs- und Kulturbürger, führt derzeit viele Gespräche.

Bei denen geht es nicht nur um Wirtschaftsthemen, auch das auf Eis liegende Festspielhaus-Projekt kommt zur Sprache. Grießl hört fast nur Positives aus Politik und Wirtschaft. Grund genug für ihn, das Thema wieder auf die Agenda zu setzen. Mit Grießl sprach Thomas Kliemann.

General-Anzeiger: Wie würden Sie den derzeitigen Stand der Dinge, was das Festspielhaus Bonn angeht, beschreiben?

Wolfgang Grießl: Bis zum März 2010 wurde eine sehr detaillierte Planung erarbeitet, die bis zur Art der Bestuhlung reichte. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch teilte den Dax-Unternehmen mit, dass er dieses Projekt vor dem Hintergrund der WCCB-Probleme und angesichts der Haushaltssituation in Bonn vorerst ruhen lassen wolle.

Das hat zu Irritationen geführt. Man muss sich vorstellen, dass Dax-Unternehmen mit einer großen Geburtstagstorte vor der Tür stehen - und nicht eingelassen werden. Das war weder gut für das Image der Stadt, noch kann man erwarten, dass dies bei den Unternehmen zu Freudentänzen führt. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Der Nothaushalt ist, so sieht es jedenfalls aus, zunächst einmal abgewendet. In das WCCB-Projekt scheint Bewegung zu kommen. Das ist für mich der richtige Zeitpunkt, das Thema Festspielhaus wieder aufzugreifen. Es ist der geeignete und vielleicht letzte mögliche Zeitpunkt.

GA: Welche Schritte leiten Sie daraus ab, was muss geschehen?

Grießl: Der Oberbürgermeister und der Stadtrat müssen spätestens in diesem Herbst klar sagen: "Wir wollen das Festspielhaus jetzt!" Ich bin überzeugt davon, dass alle wesentlichen gesellschaftlichen Gruppen der Stadt und der Region mitmachen werden.

Mit wem ich in der Politik vertraulich spreche - alle sind dafür. Das Marketing für das Festspielhaus hat doch noch gar nicht begonnen, zurzeit machen wir doch eher Antimarketing.

GA: Welche Risiken stecken im Projekt Festspielhaus?

Grießl: Wenn die Dax-Unternehmen abspringen, ist das Projekt nach meiner Einschätzung gestorben. Irgendwann werden die Unternehmen sagen: "Wir haben euch ein schlüsselfertiges Festspielhaus angeboten, ihr habt es nicht gewollt - jetzt ist Schluss". Der Bund hat Geld für die Betreiberstiftung zugesagt.

Das Geld liegt aber nicht hier in Bonn, sondern in Berlin. Ich glaube nicht, dass es von Haushaltsberatung zu Haushaltsberatung automatisch weitergeschoben wird. Wenn dieses Geld nicht mehr zur Verfügung stünde, hätten wir ein großes Problem bezüglich des Festspielhausbetriebes.

Davon abgesehen: Es fehlen uns, so die aktuellen Berechnungen, rund drei Millionen Euro jährlich für den Betrieb des Festspielhauses. Das kann doch nicht den Ausschlag geben. Ich bin überzeugt, dass, sollte das Projekt wieder zum Laufen kommen, diese drei Millionen kein Thema mehr wären.

Zusätzliche Unternehmen werden sich engagieren. Bürger der Stadt werden sich engagieren. Ich darf daran erinnern, dass es die Bürger dieser Stadt waren, die verhindert haben, dass die Beethovenfestspiele ad acta gelegt werden.

GA: Als IHK-Präsident dürften Sie in erster Linie die wirtschaftlichen Vorteile eines Festspielhauses für die Region interessieren. Was gibt es da zu sagen?

Grießl: Wir tragen in einer Arbeitsgruppe der IHK zurzeit alle Daten, alle Gutachten zum Thema Festspielhaus zusammen, wir beschäftigen uns mit dem Business-Plan. Ende August wird alles auf dem Tisch liegen. Zurzeit kann man sagen, dass Bonn für 95 Millionen Euro - für die die Bauträgergesellschaft der Dax-Unternehmen geradestehen wollte - einen schlüsselfertigen Festspielhausbau bekäme.

Alles ist für beide Varianten - die Welle und den Diamanten - durchgerechnet. Das Risiko für die Stadt geht gegen null. Was konkrete Zahlen angeht, kann ich im Moment nur auf Salzburg verweisen: Die dortige Region erwirtschaftet durch "Mozart" 250 Millionen Umsatz pro Jahr.

Wenn es uns gelänge, nach ein bis drei Jahren Anlaufzeit durch das Festspielhaus 50 Millionen Umsatz mit Hotel, Einzelhandel, Gastronomie und allen anderen davon profitierenden Wirtschaftzweigen zu erreichen, könnte man die jährlich fehlenden drei Millionen für den Betrieb des Festspielhauses auffangen.

GA: Sind bei der Werbung für das Festspielhaus Fehler gemacht worden? Warum gibt es keine breite Bürgerinitiative für das Projekt?

Grießl: Ich hätte den Abriss Beethovenhalle nicht in die Diskussion gebracht, das hat viele gegen das Projekt aufgebracht. Im Nachhinein hätte ich es besser gefunden, wenn man auch Architektenentwürfe diskutiert hätte, die die Beethovenhalle integrieren. Aber wenn sich alle Kräfte der Stadt zusammenraufen, dazu gehört auch die Wirtschaft, kann es in Bonn eine breite Begeisterung für das Festspielhaus geben.

Wichtig ist auch klarzustellen, dass eine Entscheidung pro Festspielhaus keine Entscheidung gegen alle anderen Kulturbereiche wäre, wir bekommen eine zusätzliche kulturelle Attraktion, die die gesamte kulturelle Szene in der Region befruchten könnte.

GA: Immer wieder flackert die Standortdebatte auf, zumal ein Abriss der Beethovenhalle politisch kaum durchsetzbar ist. Wie stehen Sie dazu?

Grießl: Ich persönlich wäre dafür gewesen, die Beethovenhalle, wenn man sie schon nicht integrieren kann, abzureißen. Politisch ist das offenbar nicht mehr durchzusetzen. Also gibt es zwei Alternativen: Den Standort auf dem Areal der Oper halte ich für attraktiv, aber sehr schwierig. Es bleibt die Rheinaue. Da könnte ich mir beide Entwürfe gut vorstellen.

GA: Glauben Sie an die Marke Beethoven?

Grießl: Bonn ohne Beethoven - das kommt in meiner Welt nicht vor. Kein Unternehmen der Welt würde eine Marke so behandeln, wie das mit Beethoven in Bonn passiert. Wir haben eine einmalige Chance: Beethoven muss weltweit mit Bonn verbunden werden, das müssen wir schaffen. Dafür reichen keine Imageannoncen in internationalen Medien.

Da sind größere Anstrengungen nötig. Schauen Sie sich Bilbao an: eine ehemals düstere Industriestadt, die durch ein neues modernes Museum, das Guggenheim, zur kulturellen Attraktion wurde. Der Bilbao-Effekt: Das ist für mich ein klassisches Beispiel dafür, was mit erstklassiger Architektur möglich ist.

GA: Welle oder Diamant - haben Sie einen Favoriten?

Grießl: Ich selbst finde den Diamanten etwas schöner, aber das ist wirklich Geschmackssache.

GA: Im Jahr 2020 ist Beethovens 250. Geburtstag. Wie und wo wird Bonn ihn feiern?

Grießl: Ich bin dann vermutlich nicht mehr im Amt, aber ich würde gerne das Eröffnungskonzert im Festspielhaus mit meiner Frau und Freunden genießen, das würde mir große Freude machen. Am liebsten ein Konzert mit Anne-Sophie Mutter. Aber spielt sie dann noch?

Zur PersonWolfgang Grießl wurde am 18. Dezember 1948 in Euskirchen geboren, besuchte das Altsprachliche Gymnasium Euskirchen. Grießl hat Informatik und Mathematik an der Universität Bonn studiert, war Assistent am Institut für Informatik der Universität Bonn. 

Seit 1980 ist er Geschäftsführender Gesellschafter der Phoenix Software GmbH, seit 2010 Geschäftsführer der Phoenix Technologie. Seit 2002 ist Greißl auch in verschiedenen Gremien der IHK Bonn/Rhein-Sieg tätig. Im März 2011 wurde er zum IHK-Präsidenten gewählt.

 

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