Volltextsuche:

Das Beethoven-Festspielhaus ist

23. Mai 2008
eine Riesenchance für Bonn, die wir mit größerem Engagement wahrnehmen sollten. Mit verschränkten Asrmen bewegt man nichts. In einem Interview des Generalanzeiger habe ich dazu ausführlich Stellung genommen.
Das Beethoven-Festspielhaus ist

Stephan Eisel über das geplante Festspielhaus

Der Bonner Bundestagsabgeordnete spricht über politisches und privates Engagement, über Fragen der Finanzierung und der Qualität

(Generalanzeiger vom 22. März 2008)

Die Diskussion über das Beethoven Festspielhaus in Bonn hält an. Umbau der alten Beethovenhalle, kompletter Neubau, Finanzierung der Betriebskosten - vieles ist noch nicht geklärt.

Der Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel ist für seine Fraktion der Berichterstatter für Bonner Kulturthemen im Kulturausschuss des Bundestages. Mit Eisel sprachen Ulrich Bumann und Bernd Leyendecker.

General-Anzeiger: Das Festspielhaus Beethoven wird auf dem Areal der Beethovenhalle stehen. Zumindest darüber sind sich alle Beteiligten einig. Diskutiert wird jetzt, ob die alte Halle umgebaut wird oder ob es einen komplett neuen Bau in Vorzeige-Architektur gibt. Was bevorzugen Sie?

Stephan Eisel: Es geht um eine angemessene Heimat für Ludwig van Beethoven, und das kann nur ein Konzertsaal mit Weltmaßstab sein. Das gilt für Akustik, Ausstattung, Umfeld und für die Architektur. Ob dieses Ziel durch Umbau oder Neubau erreicht wird, sollte man den Experten überlassen. Vorabfestlegungen wären falsch.

GA: Wie sieht der Zeitplan für den Bau des Festspielhauses aus?

Eisel: Zur Zeit wird die Bausubstanz der Beethovenhalle unter die Lupe genommen. Bevor es dann mit dem Bau konkret werden kann, muss die Stiftung gegründet werden, aus deren Kapitalerträgen später die Betriebskosten bestritten werden. Je schneller die Stiftung steht, umso eher trägt das Kapital Zinsen - schon bevor die ersten Betriebskosten anfallen. Vor 200 Jahren, im November 1808, wurde die "Schicksalssinfonie" von Beethoven uraufgeführt. Das Jubiläum ist ein guter Ansporn, das "Schicksal" des Projektes jetzt entschlossen in die Hand zu nehmen

GA: Man hat den Eindruck, dass in Teilen der Bevölkerung, aber auch in Teilen der Kommunalpolitik die richtige Begeisterung für dieses Unternehmen fehlt.

Eisel: Das liegt daran, dass die Informationen über dieses Projekt nicht offen und offensiv genug in die Öffentlichkeit getragen werden. Ich wünsche mir auch mehr politische Führung der Oberbürgermeisterin.

GA: Was wurde bisher versäumt?

Eisel:Es muss deutlicher werden, dass Bonn durch die Dax-Unternehmen und den Bund eine Riesenchance erhält, die wir aus eigener Kraft nie realisieren könnten. Warum rufen wir nicht einen "Runden Beethoven-Tisch" ins Leben, der die vielfältige Kompetenz, die es in unserer Stadt gibt, einbindet und für den Erfolg des Projektes nutzt? Mit verschränkten Armen setzt man nichts in Bewegung: Wir sollten uns vom Feuer der Musik Beethovens anstecken lassen.

GA: Aber zumindest in Karin Hempel-Soos, der Sprecherin des Kulturrats, hat man doch eine leidenschaftliche Vorkämpferin für das Festspielhaus, die auch in der Öffentlichkeit alles für dieses Projekt tut.

Eisel:Karin Hempel-Soos hat diese Leidenschaft, ohne die das Projekt überhaupt nicht in Gang gekommen wäre. Jetzt ist das eine Sache, die wir uns alle zu eigen machen müssen. Stadtspitze, Kulturpolitiker, Abgeordnete, aber natürlich auch die Bürger. Ich setze auf die gleiche Begeisterung, mit der die Bürger das von der Stadt vor ein paar Jahren abgeschaffte Beethovenfest wieder ins Leben gerufen haben.

GA: Die Begeisterung wird vielleicht dadurch gedämpft, dass manche befürchten, auf die Stadt, die sich ja an der Betreibergesellschaft des Festspielhauses beteiligen wird, kämen neue Kosten zu.

Eisel: Wir sprechen hier nicht über ein städtisches Projekt, sondern über einen klassischen Fall von Public Private Partnership: Privates Geld der Unternehmen kommt mit staatlichen Geldern zusammen. Ohne Stadt und Land sind jetzt 48 Millionen Euro an Stiftungskapital zugesagt, davon 39 Millionen vom Bund. Das reicht noch nicht aus. Auch die Stadt wird etwas zum Stiftungskapital dazutun müssen. Das geht, ohne den städtischen Haushalt zusätzlich zu belasten, weil die Stadt bei Realisierung des Projektes auch Geld einspart.

GA: Das hört man gern. Aber wie?

Eisel: Die Stadt gibt im Moment jährlich ca. eine Million Euro für den Unterhalt der Beethovenhalle aus. Wenn dort ein Konzertsaal steht, den die Stiftung trägt, entfallen diese Zahlungen. Außerdem: In den nächsten Jahren müsste man rund 20 bis 22 Millionen Euro für die unumgängliche Sanierung der alten Halle ausgeben. Auch dieses Geld wird gespart, wenn das Festspielhaus realisiert wird. Ein größerer Teil des gesparten Geldes sollte in die Stiftung fließen, anderes könnte man für die Haushaltssanierung oder für den Kulturetat nutzen.

GA: Können Sie sich vorstellen, dass man private Gelder für die Stiftung akquiriert?

Eisel: Wenn für die Dresdner Frauenkirche 120 Millionen Euro privates Geld gesammelt wurden, dann wird man auch für Beethoven einiges Geld zusammenbringen, bei uns in Bonn, in Deutschland und weltweit. Es gibt viele Möglichkeiten, von der Sonderbriefmarke bis zur Sponsorenplakette.

GA: Und wie sieht es mit der Bonner Wirtschaft aus, jenseits der drei Dax-Unternehmen, die die Halle bauen?

Eisel: Wir haben einen sehr soliden Mittelstand sowie viele nationale Verbände, die ihren Sitz in Bonn haben. Ich habe zahlreiche Gespräche geführt und bin überall auf positive Resonanz gestoßen. Viele sind bereit, etwas zu tun, wenn denn endlich der Startschuss gegeben wird.

GA: Wenn alles geregelt ist und die Halle steht: Woher bekommt dieses Haus sein Publikum? Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Dortmund - die Konkurrenz an Konzerthäusern ist groß.

Eisel: Man fährt dorthin, wo Qualität geboten wird. Wir haben als Beethovenstadt die Chance und die Verpflichtung, hier an der Spitze zu stehen. Warum soll Bonn mit Beethoven nicht das schaffen, was Salzburg mit Mozart oder Bayreuth mit Wagner gelungen ist.

Zur Person:

Stephan Eisel, 1955 in Landau/Pfalz geboren, studierte Politische Wissenschaften, neuere Geschichte und Musikwissenschaft in Marburg und Bonn. Nach der Promotion (1985 in Bonn) war er unter anderem Redenschreiber im Bundeskanzleramt und stellvertretender Büroleiter von Helmut Kohl. Seit 1992 arbeitete er in der Konrad-Adenauer-Stiftung, zuletzt als Leiter der Hauptabteilung Politische Bildung. Seit September 2007 ist Eisel Mitglied des Deutschen Bundestages.

Zur im Interview nicht behandelten und entschiedenen Standortfrage möchte ich ergänzen:

Der Standort für das Festspielhaus muss drei Voraussetzungen erfüllen. Das entsprechende Grundstück

  • muss der Stadt gehören, da Geld für einen Erwerb anderer Grundstücke durch die Stadt nicht zur Verfügung steht und Voraussetzung für das Projekt ist, daß die Stadt das Grundstück zur Verfügung stellt.
  • muss groß genug sein, um das Vorhaben zu realisieren.
  • muss an prominenter Stelle und nicht in einer Randlage liegen, da dies eine Voraussetzung für das Engagement der Investoren ist.

Diese Voraussetzungen werden nur auf dem Areal Beethovenhalle erfüllt. Dieses Areal hat zudem den Vorteil, dass seine Umfeld städtebaulich gestaltet werden kann, weil es sich teilweise in städtischen Zugriff befindet (z. B. Stadtwerke).

RSS

BESTELLUNG MIT KLICK AUF BILD.
Der kurze Überblick zu "Beethoven in Bonn": 128 Seiten (90 Seiten plus engl. Übersetzung), 12,5 x 19 cm, Klappenbroschur, durchgehend farbig bebildert, ISBN: 978-3-96058-342-4, Edition Lempertz, Königswinter 2020 (8,99 €)

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

Frühere Artikel

02. Okt 2019

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für das dritte Quartal 2019. Lesen Sie mehr…
01. Okt 2019

KUNST UND PUBLIKUM

brauchen einander und sind zugleich in einem Spannungsverhältnis verbunden. Aber Musik, die keiner hört, ein Buch, das niemand liest, oder ein Bild, das keiner sieht, laufen ins Leere. Nur im Respekt voreinander kommen Kunst und Publikum voran. Lesen Sie mehr…
27. Aug 2019

BEI DER KOMMUNALWAHL 2020

zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, seit sich die grüne Bundestagsabgeordnete Katja Dörner entschlossen hat, den CDU-Oberbürgermeister Ashok Sridharan herauszufordern. Die CDU muss erkennen, dass auch in Bonn die Grünen ihr Hauptkonkurrent sind. Lesen Sie mehr…
25. Aug 2019

EINE HELMUT-KOHL-ALLEE GIBT ES JETZT

in Bonn. Das angesichts der Verdienste des Kanzlers der Einheit und Ehrenbürger Europas um die erste Bundeshauptstadt ebenso folgerichtig wie es beispielhaft sein sollte für viele andere Städte. Die Enthüllung des Straßenschilds an der Museumsmeile nahmen die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und OB Ashok Sridharan vor. Mit dabei waren viele Weggefährten von Helmut Kohl. Der langjährige Kohl-Mitarbeiter Johannes Ludewig hielt eine eindrucksvolle Rede zu seinen Erfahrungen mit Helmut Kohl, die hier dokumentiert wird. Lesen Sie mehr…
14. Aug 2019

AM 14. August 1949 WÄHLTEN DIE BONNER

Konrad Adenauer zu ihrem ersten MdB. Er blieb bis zu seinem Tod 1967 direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Bonn. In meinem Aufsatz "Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter" habe ich mich intensiver mit diesem oft vernachlässigten Teil des Wirkens Adenauers befasst. Lesen Sie mehr…
05. Jul 2019

EINE KURSUMKEHR BEI DER BEETHOVENHALLE

ist längst überfällig. Die jüngste Kostenprognose von mehr als 166 Mio Euro für die Sanierung einer maroden Mehrzweckhalle sollte Rat und Verwaltung in Bonn endlich zur Abkehr von ihrer Augen-zu-und-durch-Politik zwingen. Gefragt ist Zukunftsmut statt dem Beharren auf längst Überholtem. Lesen Sie mehr…
04. Jul 2019

DIE NATIONALEN REGIERUNGSCHEFS

in der EU haben Europa einen Bärendienst erwiesen, als sie das Ergebnis der Europawahl bei ihren Personalvorschlägen ignorierten. Wenn Wahlen keine Konsequenzen haben, hat die Demokratie ein Problem. Wenn Wahlen zum Europaparlament folgenlos bleiben, hat Europa ein Problem. Lesen Sie mehr…
01. Jul 2019

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für das zweite Quartal 2019.
Lesen Sie mehr…
15. Jun 2019

UNSER LUDWIG In BONN IST THEMA

meines Klavier-Kabaretts am 23. Juni um 16 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf (Poppelsdorfe Allee 108, Bonn). Der Eintritt ist frei. Platzreservierung dringend empfohlen unter webmaster@buerger-fuer-beethoven.de Lesen Sie mehr…
27. Mai 2019

GESTÄRKT WURDE EUROPA BEI DER WAHL

des Europaparlaments am 26. Mai 2019. Zwei Drittel der Bürger stimmten für pro-europäische Parteien, die Gegner Europas bleiben deutlich in der Minderheit. Wer die Wahl bewerten will, darf dabei nicht die nationale Brille aufsetzen, sondern muss das europäische Gesamtbild betrachten. Lesen Sie mehr…
26. Mai 2019

EIN GROSSER ERFOLG FÜR BEETHOVEN

die große Kunstinstallation „Ludwig van Beethoven – Ode an Freude“ auf dem Bonner Münsterplatz statt.  Veranstalter ist die Bürgeraktion UNSER LUDWIG, die die BÜRGER FÜR BEETHOVEN und und city-marketing-bonn tragen. Noch bis zum 1. Juni ist die Installation zu sehen, die großes Aufsehen erregt.
Lesen Sie mehr…
14. Mai 2019

FÜR DAS EURO THEATER CENTRAL

in Bonn setzen sich die BÜRGER FÜR BEETHOVEN mit einem Benefizkonzert ein. Stephan Eisel hat sein Klavierkabarett unter das Motto UNSER LUDWIG MACHT THEATER gestellt. Die Veranstaltung findet am 20. Mai 2019 um 20 Uhr im Contra-Kreis-Theater (Am Hof 3-5, 53113 Bonn) statt. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten und Platzreservierung wird empfohlen. Lesen Sie mehr…
03. Mai 2019

117,4 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE

ist die neue Prognose der Verwaltung für die Sanierung. Sie findet sich versteckt auf Seite 16 der 17seitigen Mitteilung 1911188ST2 vom 2. Mai 2019 an den „Projektbeirat Beethovenhalle“. Das sind vier Millionen mehr als noch Mitte März!!! Ausserdem enthält das Paper zwei grundsätzliche Aussagen, die bei jedem Ratsmitglied Widerspruch auslösen sollten. Lesen Sie mehr…
30. Apr 2019

BEI DER EUROPAWAHL GEHT ES DARUM,

dass wir Europa stärken - durch die Teilnahme an der Wahl und eine pro-europäische Stimmabgabe. Das Brexit-Referendum mit dem folgenden Chaos zeigt, was geschieht, wenn man anderen das Heft des Handelns überlässt. Wir sind gefragt, denn es geht um Europas Tagesordnung der Zukunft. Lesen Sie mehr…
30. Apr 2019

WER BESIEGT TRUMP ?

ist die entscheidende Frage für die Demokraten in den USA. Es gibt dort 22 Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur. In einigen Monaten beginnen die Vorwahlen, in einem Jahr steht der Heruasforderer fest. Ein erster Überblick lohnt. Lesen Sie mehr…