Volltextsuche:

DASS CLAUDIA LÜCKING-MICHEL NICHT

mehr dem Deutschen Bundestag angehört, ist besonders bedauerlich, denn sie war eine hervorragende Abgeordnete für Bonn. Lücking-Michel wurde gleich zweimal dafür bestraft, dass die Union bundesweit 8,3 Prozent der Stimmen verlor. Sie gewann den Wahlkreis nicht und ihr Listenplatz hatte im Unterschied zu 2013 keine Bedeutung.
DASS CLAUDIA LÜCKING-MICHEL NICHT

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

 

Stephan Eisel

Die Bundestagswahl 2017:
Bonn verliert mit Claudia Lücking-Michel eine ausgezeichnete Abgeordnete 

Dass die Bonner Abgeordnete Claudia Lücking-Michel (CDU) schon nach einer Legislaturperiode wieder aus dem Deutschen Bundestag ausscheiden muss, gehört zu den ungerechtesten Ergebnissen der Bundestagswahl vom 24. September 2017. Sie hat den Bonner Wahlkreis mit viel Engagement und inhaltlicher Substanz in Berlin hervorragend vertreten. Unterstützt wurde sie dabei von einem engagierten Team. Lücking-Michel war im Bundestag gut vernetzt und ihr Wort hatte Gewicht. Im Wahlkreis war sie ständig präsent und ein Vorbild an Bürgernähe. An ihrem Einsatz und ihrer Arbeit hat es sicherlich nicht gelegen, dass sie nicht ins Parlament zurück­kehren kann. 

Gerechtigkeit ist gerade für örtliche Kandidaten bei überregionalen Wahlen kein Kriterium. Sie un­terliegen dem Bundestrend, den man vor Ort allenfalls um 1-2 Prozent korri­gieren kann. Die Union hat im Bundestrend - 8,3 Prozent der Stimmen verloren: Das geht an keinem Wahlkreis spurlos vor­bei. Der SPD-Verlust war ebenfalls dramatisch, lag aber nur bei - 5,2 Pro­zent. 

Hinzu kommt ein spezieller Bonn-Faktor: Seit 1998 tritt die FDP in der Bundesstadt mit Kandi­daten an, die Zugang zu bundesweiten Medien haben und „Talkshow-Reife“ besitzen. Ohne die­sen Prominentheitsfaktor und die „Fernsehtauglichkeit“ erreichen Bundestagskandidaten über die örtli­chen Medien nur etwa 50 prozent der Wahlberechtigten. Dieser Wettbewerbsnachteil ist kaum aus­zugleichen und gibt oft den Ausschlag, wenn es um einen knappen Wahlkreis geht. 

Bonn gehört zu diesen „Wackelwahlkreisen“: Der Abstand zwischen den Kandidaten von CDU und SPD lag seit 1998 höchstens bei 3,3 Prozent (2002) und war 2013 auf sogar 0,7 Prozent zu­sammengeschrumpft. Vor 1998 betrug der Erststim­menvorsprung der CDU immer mindestens 7 Prozent. Das hat sich geändert, seit die FDP in Bonn immer mit besonders prominente und bundes­weit bekannte Kandi­daten aufstellt. Den Wahlkreis können sie nicht gewinnen, aber sie binden überdurchschnittlich viele Stimmen: 

Guido Westerwelle kandidierte in Bonn 2002, 2005 und 2009 als Parteivorsitzender und 2013 als Außenminister. 2017 trat mit Alexander Graf Lambsdorff der bundesweit bekannte (und durch sei­nen Namen gerade in Bonn sicherlich nicht benachteiligte) FDP-Spitzenkandidat der Europawahlen von 2014 an. Im Unterscheid zu Westerwelle warb er nicht of­fensiv um Erststimmen. Damit lag der Splittingfaktor der FDP zum ersten Mal seit 2002 über dem Bundesdurchschnitt, allerdings deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Städte wie Aachen und Münster:

 

FDP-Erststimme

FDP-Zweitstimme

Splittingfaktor

Bonn

10,5

15,7

5,2

Aachen

7,3

14,1

6,8

Münster

7

13,5

6,5

Zugleich unterstützten in Bonn überdurchschnittlich viele grüne Wähler mit der Erststimme den SPD-Bewerber Ulrich Kelber. Das trägt dazu bei, dass der Abstand zwischen Erst- und Zweitstim­men zugunsten der SPD in Bonn besonders hoch ist. Ohne Zweifel trug auch die durch zwanzigjäh­rige Parlaments­zugehörigkeit ständig steigende Bekanntheit von Kelber zu seinem Wahler­folg bei. Außerdem konnte er bei dieser Wahl mit der Funktion des Parlamentarischen Staatssekretärs punk­ten und führte mit außergewöhnlich vielen Großflächenplakaten eine zwar kostspielige, aber profes­sionelle Wahlkampagne durch. 

Kelber hat für sich auch mit dem Argument um Erststimmen geworben, dass er im Unterschied zu Lücking-Michel nicht auf der Landesliste seiner Partei abgesichert sei. Das erwies sich als Trug­schluss. Das schlechte Bundesergebnis der CDU bestrafte Claudia Lücking-Michel gleich zweimal: Ihr blieb deswegen der Erfolg im Wahlkreis versagt und die Liste spielte keine Rolle mehr. Da die CDU wesentlich mehr Direktmandate gewann als ihr prozentual an Sitzen zu­stand, zogen in Nord­rhein-Westfalen nur vier CDU-Bewerber über die Landesliste in den Bundes­tag ein. So wenige wa­ren es noch nie gewesen. Es gibt für Lücking-Michel leider auch keine Nachrücker-Chance. 

Wahlniederlagen sind bitter. Aber wer kandidiert, weiß auch, dass er verlieren kann. Claudia Lücking-Michel hat sich nichts vorzuwerfen, der Verlust des Man­dats war nicht ihre Schuld. Sie trägt diese Niederlage mit Anstand und Würde ohne Vorwürfe gegen andere. Diese Haltung zeich­net sie aus – und auch deshalb ist es so schade, dass sie im Deutschen Bundestag nicht mehr dabei ist. Für Bonn tragen jetzt die drei gewählten Bonner Abgeordneten Ulrich Kelber (SPD), Alexan­der Graf Lambsdorff (FDP) und Katja Dörner (Grüne) eine besondere Verantwortung. Mit dem Glückwunsch für ihre Wahl ist der Wunsch verbunden, dass sie dabei erfolgreich sind.

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

EIN KLICK AUF DAS BILD BRINGT ZU WEITEREN INFORMATIONEN

Frühere Artikel

09. Okt 2018

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU AKTUELLEN

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Lesen Sie mehr…
05. Okt 2018

DIE BONNER BÜRGERENTSCHEIDE

zur Zukunft der Bäderlandschaft haben erneut verdeutlich, dass Plebiszite außerordentlich  problematische Entscheidungswege sind. In nur 15 Monaten kamen zwei widersprüchliche Entscheidungen zu zustande. Insgeamt führen Plebiszite nicht zu mehr, sondern zu weniger Demokratie. Lesen Sie mehr…
03. Okt 2018

DIE MAUER IST INZWISCHEN

länger gefallen als sie stand. Heute sehen sich zwar alle als Väter und Mütter der deutschen Einheit darstellen, damals aber im Unterschied zu Helmut Kohl sehr viele der Wiedervereinigung skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden. Es lohnt sich, nachzulesen, was 1989/1990 so alles von wem gesagt und geschrieben wurde. Lesen Sie mehr…
21. Sep 2018

SANIERUNG ODER NEUBAU BEI DER OPER

- eine von der Stadt Bonn in Auftrag gegebene Untersuchung der Beratungsfirma actori kommt zum Ergebnis, dass diese Alternativen im Blick auf die Finanzen ähnlich zu bewerten sind. Bei der "nicht-monetären Bewertung" liegen allerdings die Neubau-Varianten eindeutig vorne.  Lesen Sie mehr…
19. Sep 2018

DIE BONNER LESEGESELLSCHAFT UND

Ludwig van Beethoven sind besonders verbunden: Viele Freunde, Förderer und Kollegen Beethovens gehörten der Lesegesellschaft an - er selbst konnte kein Mitglied sein - und förderten so seine Auseinderasetzung mit dem Gedankengut der Aufklärung. Diesem Thema widme ich auf Einladung der Lesegesellschaft mein Klavierkabarett am 24. September um 18 Uhr Lesen Sie mehr…
11. Sep 2018

IN EINEM LESERBRIEF HABE ICH MICH

zu den Lehren aus der Kostenexplosion bei der Beethovenhalle geäußert. Da im General-Anzeiger nur eine gekürzte Fassung gekürzt abgedruckt wurde, ist für alle Interessierten hier der volle Wortlaut zu lesen. Lesen Sie mehr…
10. Sep 2018

AM 17. SEPTEMBER UNTERSTÜTZE ICH

mit meinem Klavier-Kabarett "Ludwig an Rhein und Sieg" um 19.00 im Gymnasium Alleestraße in Siegburg  ein Afrika-Projekt der Stiftung "Hoffnung 1-Plus - CARE für Kinder in Slums", für das auch die Schule bei ihrem Projekttag für Afrika gesammelt hat. Schirmherr ist der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel. Der Eintritt ist frei, Spenden sehr willkommen. Lesen Sie mehr…
08. Sep 2018

95 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE

sollte Anlaß genug sein, aus dem Desaster dieser Sanierung im Bestand zu lernen: Dieser Weg ins Millionengrab sollte sich bei der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Oper nicht wiederholen. Der Neubau eines integrierten Opern- und Konzerthauses ist nicht nur sinnvoll, sondern auch erheblicher kostengünstiger als eine Sanierung im Bestand. Lesen Sie mehr…
06. Sep 2018

SCHONUNGSLOS WIRD TRUMP

von einem führenden Mitglied seiner eigenen Administration in einem Beitrag für die New York Times beschreiben. Dabei handelt es sich entweder um ein Kabinettsmitglied oder einen von Trump ernannten hochrangigen hohen Regierungsbeamten. Der Bericht bestätigt die schlimmsten Befürchtungen über diesen US-Präsidenten und könnte zugleich ein historisches Dokument des Anfangs vom Ende sein. Deshalb wird er hier vollständig dokumentiert. Lesen Sie mehr…
03. Sep 2018

NUR 0,15 PROZENT DER SANIERUNGSKOSTEN

der maroden Beethovenhalle werden durch Spenden finanziert. Die Bonner haben aber längst gezeigt, was sie von der überteuerten Luxussanierung halten: NICHTS. Der Bau des von der Kommunalpolitik verhinderten Beethoven-Festspielhauses wäre übrigens zu 100 Prozent privat finanziert worden ! Lesen Sie mehr…
14. Aug 2018

AM 14. August 1949 WÄHLTEN DIE BONNER

Konrad Adenauer zu ihrem ersten MdB. Er blieb bis zu seinem Tod 1967 direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Bonn. In meinem Aufsatz "Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter" habe ich mich intensiver mit diesem oft vernachlässigten Teil des Wirkens Adenauers befasst. Lesen Sie mehr…
10. Aug 2018

DIE BEETHOVENHALLE WERDE ICH NICHT

mit Spenden unterstützen und kann das auch nicht empfehlen: der Ratsbeschluss, in dem dazu aufgerufen wird, ist nicht seriös, weil er – wie es im Text wörtlich heisst - „vor Abschluss der Entwurfsplanung und Prüfung der Kostenberech­nung“ erfolgte. Hier tut sich ein Millionengrab auf. Lesen Sie mehr…
24. Jul 2018

GERADE IN DIESEN UNRUHIGEN ZEITEN

kommt es in der Politik auf Bekenntnismut und Differenzierungskraft als zweiten Seiten der gleichen Medaille an. Grundsätze wie Menschlichkeit als entscheidender politischer Maßstab und die Ablehnung nationalistischer Sonderwege müssen energisch verteidigt werden. Lesen Sie mehr…
20. Jul 2018

EINEN ZWEITEN BÜRGERENTSCHEID

haben die Gegner der Lösung der jahrelang blockierten Bonner Bäderfrage durchgesetzt. Obwohl sie im letzten Jahr bereits eine Abstimmung verloren haben, wollen sie jetzt erneut den Bau eines neuen Bades verhindern. Wie beim Viktoriakaree wäre damit wieder einmal Stillstand für Bonns Entwicklung vorprogrammiert. Wer will, dass Bonn zukunftsfähig bleibt, sollte bei diesem Bürgerentscheid mit NEIN stimmen. Lesen Sie mehr…
20. Jun 2018

ERNEUT HAT DIE BONNER STADTVERWALTUNG

eine Kostensteigerung bei der überflüssigen Luxus-Sanierung der Beethovenhalle bekannt gegeben. Für die marode Mehrzweckhalle werden nach aktuellem Stand 87,2 Mio Euro ausgegeben. Seit dem Sanierungsbeschluss vor 26 Monaten ist das eine Kostensteigerung von mehr als einer Million Euro monatlich.  Lesen Sie mehr…