Volltextsuche:

DAS BEETHOVEN-DENKMAL IN BONN

06. August 2012
wurde am 12. August 1845 in Bonn eingeweiht, aber der Jahrestag spielt im städtischen Kalender keine Rolle. Auch vor 167 Jahren hat sich die Stadt nicht für das weltweit erste Beethoven-Denkmal interessiert. Die Initiative hatten zehn Jahre davor zum 65. Geburtstag des großen Komponsten Bonner Bürger ergriffen. Robert Schumann und Franz Liszt halfen tatkräftig mit.
DAS BEETHOVEN-DENKMAL IN BONN
Einweihung des Beethoven-Denkmals (Heinrich Joseph Schneberger. Farbiges Klebebild um 1845)

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken

 

„...und dass, wenn nicht einmal der Anfang gemacht wird, sich eine Dekade auf die Trägheit der anderen berufen wird.“

Robert Schumann in seinem Aufruf für ein Beethoven-Denkmal 1836

Am 12. August jährt die Einweihung des Beethoven-Denkmals auf dem Bonner Münsterplatz. Längst ist es ein Wahrzeichen Bonns geworden. Aber es gehört zu den Merkwürdigkeiten in der Ge­burtsstadt Beethovens, dass der Jahrestag der Denkmal-Enthüllung am 12. August 1845 im städti­schen Kalender keine Rolle spielt. 

Aber die Initiative für ein Beethoven-Denkmal hatte auch nicht das offizielle Bonn ergriffen – da­mals amtierte Karl Edmund Joseph Oppenhoff als erster hauptamtlicher Bonner Oberbürgermeister -, son­dern Bonner Bürger gaben den Anstoß. Sie gründeten zum 65. Geburtstag Beethovens am 17. Dezem­ber 1835 einen „Bonner Verein für Beethovens Monument“. Präsident war der Literaturhis­toriker Au­gust Wilhelm von Schlegel. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. der königliche Domänenrat Franz Bernhard Wilhelm de Claer und der Geologe Johann Jacob Nöggerath, wie von Schlegel seit 1818 Professor an der Bonner Universität und 1826 deren Rektor. 

Der Spendenaufruf des Vereins wurde am 8. April 1836 in der von Robert Schumann herausgege­ben „Neuen Zeitschrift für Neue Musik“ veröffentlicht und fand dadurch größere Verbreitung. In dem Auf­ruf heißt es: „Selten hat ein Künstler so bedeutsam, so denkwürdig gewirkt, wie Beethoven ... Eine so äußerst seltene, wohltätige und weithin wirkende Erscheinung verdient es, auf eine selte­ne und außeror­dentliche Weise gefeiert zu werden, nämlich durch ein plastisches, möglichst großar­tiges Monument. Ueber den dazu geeigneten Ort kann kein Zweifel sein. Die Stadt Bonn am Rhei­ne, in welcher der uns­terbliche Künstler das Licht der Welt erblickte ... scheint zu dem Unterneh­men in gleicher Weise be­rechtigt wie verpflichtet...“ 

Robert Schumann gehörte fortan zu den besonders engagierten Unterstützern des Projektes. Am 24. Juni 1836 beleuchtete er in seiner Zeitschrift unter der Überschrift „Monument für Beethoven“ die Idee aus verschiedenen Blickwinkeln. Seine Vision war dabei sehr konkret. „Das Mausoleum zu­künftigen Andenkens steht schon leibhaftig vor mir – ein leidlich hoher Quader, eine Lyra darauf mit Geburts- und Sterbejahr, darüber der Himmel, daneben einige Bäume.“

Die Geburtsstadt Beethovens schien Schumann der naheliegende Standort für ein solches Beetho­ven-Denkmal für Beethoven, „in riesenhafter Form ... damit, wie er schon im Leben that, er über Berg und Berg schauen könne – und wenn die Rheinschiffe vorbeifliegen und die Fremdlinge fra­gen: was der Riese bedeute, so kann jedes Kind antworten: Beethoven ist das ...“ Und Schumann fügte hinzu: „Denn gesetzt, die Wiener fühlten Eifersucht auf die Bonner und bestünden auch auf eins, welcher Spaß, wie man sich dann fragen würde: welches nun eigentlich das rechte ? Beide ha­ben ein Recht, er steht in bei­den Kirchenbüchern; der Rhein nennt sich die Wiege, die Donau (der Ruhm ist freilich traurig) seinen Sarg.“ Auch Leipzig komme in Frage als „Mittelhafen deutscher Bildung, mit dem besonderen Ver­dienst, ... sich für Beethovensche Composition am ersten interes­siert zu haben.“

Leidenschaftlich mahnt Schumann, „dass, wenn nicht einmal der Anfang gemacht wird, sich eine Dekade auf die Trägheit der anderen berufen wird... Vereinigt Euch also! In allen deutschen Landen möchten aber Sammlungen von Hand zu Hand, Akademien, Concerte, Operndarstellungen. Kir­chenaufführungen veranstaltet werden; auch scheint es nicht unpassend, bei größeren Musik- und Gesangsfes­ten um eine Gabe anzusprechen.“

Franz Liszt, ebenfalls ein großer Beethoven-Verehrer , hatte schon 1836 begonnen, für ein Beetho­ven-Denkmal Geld dafür zu sammeln. Für Robert Schumann war dies wiederum im gleichen Jahr Anlass zur Komposition seiner Klavier-Fantasie C-Dur op. 17, die er Liszt widmete und mit der er das Beetho­ven-Denkmal unterstützte. In den folgenden Jahren folgten viele Benefizkonzerte, zum Beispiel schon 1836 ein „Beethoven-Monument-Concert in Frankfurt“, bei dem Ferdinand Ries über tausend Gulden eingespielt hat. Der in Bonn geborene Ferdinand Ries, war in Wien Beetho­vens Klavierschüler gewesen und fungierte für ihn als eine Art Sekretär. Sein Vater Franz Anton Ries hatte Beethoven in Bonn Vio­linunterricht gegeben und mit ihm im kurkölnischen Orchester musiziert. Immer mehr engagierten sich führende Köpfe auch außerhalb der Musikwelt für ein Beethoven-Denkmal, darunter auch Heinrich Heine, der am 23. April 1841 ein Denkmal-Benefiz­konzert von Franz Liszt und Hector Berlioz besuch­te. Bereits 1840 war Liszt dem Bonner Denkmal-Komitee als Ehrenmitglied beigetreten. 

Die politische Welt blieb zögerlich. Der preußische König Friedrich Wilhelm III, der bis 1840 re­gierte, hatte die Genehmigung eines Denkmals für einen „Bürgerlichen“ auf dem Münsterplatz noch verwei­gert. Solche öffentlichen Monumente sollten Fürsten und Heerführern vorbehalten bleiben. Sein Sohn Friedrich-Wilhelm IV. Widersetzte sich dann nicht mehr. So wurde das Bonner Beetho­ven-Denkmal auf preußischem Boden das erste seiner Art, in Deutschland insgesamt nach dem Lu­ther-Denkmal in Wittenberg (1821) das zweite. 

Bonns erster hauptamtlicher Oberbürgermeister Oppenhoff und der Rat verhielten sich dem Vorha­ben eines Beethoven-Denkmals und der Durchführung eines ersten Beethovenfestes gegenüber so abwei­send, dass Franz Liszt 1845 erbost ausrief: „Eine kleine Stadt kann das Glück haben, dass ein großer Mann in ihr das Licht der Welt erblickt; aber kleinstädtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden.“ Da die von Bonner Bürgern eingesammelten Spenden nicht ausreichten, konnte das Denk­mal schließ­lich nur realisiert werden, weil Liszt ein Fünftel der Kosten aus seiner Privatschatulle übernahm. Die Stadt beteiligte sich an der Finanzierung ihres heutigen Wahrzeichens nicht.

Zu Enthüllung des Denkmals am 12. August 1845 kamen die politischen Würdenträger dann in großer Zahl. Unter den Gästen waren die englische Königin Victoria, der preußische König Fried­rich Wilhelm IV., Alexander von Humboldt, viele Größen den internationalen Musiklebens  und na­türlich Franz Liszt, der gleichzeitig das 1. Beethovenfest initiierte. August Wilhelm von Schlegel konnte als Initiator und Präsident des „Bonner Verein für Beethovens Monument“ die Realisierung seines Traumes nicht mehr erleben, denn er war am 12. Mai 1845 verstorben. 

Robert Schumann hatte seine Teilnahme an der Enthüllung des Denkmals und dem ersten Beetho­venfest schon angekündigt, musste aber aus Gesundheitsgründen kurzfristig absagen. Als er dann 1851 zum ersten Mal nach Bonn kam, führte ihn sein erster Weg auf den Münsterplatz. Dorthin kam er – unter an­derem auch gemeinsam mit dem jungen Johannes Brahms – in seiner letzten Le­bensjahren in Bonn im­mer wieder, wenn sein Gesundheitszustand Spaziergänge erlaubte. Heute ge­hört der Besuch des Beethoven-Denkmals zum Programm fast jedes Bonn-Besuchers. 

Nur einmal hat Beethoven den Münsterplatz seitdem verlassen - als 1965 dort die Tiefgarage gebaut wurde. Die notwendige Restaurierung des Denkmals übernahm die Bonner Kunstschmiede Karl König. Zur Wiedereröffnung war mit Elisabeth II wieder eine englische Königin zugegen. Am Rande sei vermerkt, dass es die Wiener erst 1880 schafften, ein Beethoven-Denkmal zu errich­ten...

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

EIN KLICK AUF DAS BILD BRINGT ZU WEITEREN INFORMATIONEN

Frühere Artikel

27. Mai 2019

GESTÄRKT WURDE EUROPA BEI DER WAHL

des Europaparlaments am 26. Mai 2019. Zwei Drittel der Bürger stimmten für pro-europäische Parteien, die Gegner Europas bleiben deutlich in der Minderheit. Wer die Wahl bewerten will, darf dabei nicht die nationale Brille aufsetzen, sondern muss das europäische Gesamtbild betrachten. Lesen Sie mehr…
26. Mai 2019

EIN GROSSER ERFOLG FÜR BEETHOVEN

die große Kunstinstallation „Ludwig van Beethoven – Ode an Freude“ auf dem Bonner Münsterplatz statt.  Veranstalter ist die Bürgeraktion UNSER LUDWIG, die die BÜRGER FÜR BEETHOVEN und und city-marketing-bonn tragen. Noch bis zum 1. Juni ist die Installation zu sehen, die großes Aufsehen erregt.
Lesen Sie mehr…
14. Mai 2019

FÜR DAS EURO THEATER CENTRAL

in Bonn setzen sich die BÜRGER FÜR BEETHOVEN mit einem Benefizkonzert ein. Stephan Eisel hat sein Klavierkabarett unter das Motto UNSER LUDWIG MACHT THEATER gestellt. Die Veranstaltung findet am 20. Mai 2019 um 20 Uhr im Contra-Kreis-Theater (Am Hof 3-5, 53113 Bonn) statt. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten und Platzreservierung wird empfohlen. Lesen Sie mehr…
03. Mai 2019

117,4 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE

ist die neue Prognose der Verwaltung für die Sanierung. Sie findet sich versteckt auf Seite 16 der 17seitigen Mitteilung 1911188ST2 vom 2. Mai 2019 an den „Projektbeirat Beethovenhalle“. Das sind vier Millionen mehr als noch Mitte März!!! Ausserdem enthält das Paper zwei grundsätzliche Aussagen, die bei jedem Ratsmitglied Widerspruch auslösen sollten. Lesen Sie mehr…
30. Apr 2019

BEI DER EUROPAWAHL GEHT ES DARUM,

dass wir Europa stärken - durch die Teilnahme an der Wahl und eine pro-europäische Stimmabgabe. Das Brexit-Referendum mit dem folgenden Chaos zeigt, was geschieht, wenn man anderen das Heft des Handelns überlässt. Wir sind gefragt, denn es geht um Europas Tagesordnung der Zukunft. Lesen Sie mehr…
30. Apr 2019

WER BESIEGT TRUMP ?

ist die entscheidende Frage für die Demokraten in den USA. Es gibt dort 22 Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur. In einigen Monaten beginnen die Vorwahlen, in einem Jahr steht der Heruasforderer fest. Ein erster Überblick lohnt. Lesen Sie mehr…
16. Apr 2019

12 FRAGEN HAT MIR DIE ZEITUNG

“Die Wirtschaft“ der IHK Bonn-Rhein-Sieg gestellt. Dabei ging es um Beethoven, den Standort Bonn und Persönliches. Die Antworten finden Sie hier. Lesen Sie mehr…
14. Apr 2019

EINE SPEKTAKULÄRE KUNSTINSTALLATION

auf dem Bonner Münsterplatz ist der erste Höhepunkt des Beethoven-Jubiläumsjahres 2020. Über 700 Beethoven-Statuen des renommierten Konzeptkünstlers Ottmar Hörl werden vor dem Beethoven-Denkmal zur Kunstinstallation „Ludwig van Beethoven - Ode an die Freude“. Veranstalter sind die BÜRGER FÜR BEETHOVEN mit city-marketing-bonn e. V.  und über 700 Paten für die Beethoven-Statuen. Sie können sich noch anschließen. Weitere Informationen finden Sie unter www.unser-ludwig.de Lesen Sie mehr…
19. Mrz 2019

UNFASSBAR IST BEI DER BEETHOVENHALLE

die Unbelehrbarkeit derer, die 2015 die Luxussanierung beschlossen haben. Die Sondersitzung des Rates offenbarte eine weitere Kostensteigerung um 11 Mio Euro (+10 Prozent in einem Monat !) und einen Offenbarungseid der Verwaltung, es sei keine seriöse Prognose zu Kosten und Zeitplan möglich. Lesen Sie mehr…
01. Mrz 2019

DAS BEETHOVENHALLE-DESASTER

beschleunigt sich immer mehr: Jetzt wurde bekannt, dass es sich um eine "mindestens 100-Mio-Euro-Baustelle bis mindestens 2022" handelt. Vor vier Jahren waren noch 30 Mio Euro mit einer Fertigstellung bis 2019 versprochen worden. Jetzt herrscht Chaos, Täuschung,  und Verantwortungsflucht bei der Luxussanierung der maroden Merkzweckhalle. Lesen Sie mehr…
28. Feb 2019

DIE BÜRGERAKTION "UNSER LUDWIG"

zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven stößt nach wie vor auf große Resonanz. Es haben sich bereits über 700 Paten für den "lächelnden Ludwig" gemeldet. Vom 17. Mai bis 2. Juni wird auf dem Münsterplatz eine große Installation mit über 700 der etwa einen Meter großen Beethoven-Statuen stattfinden. Bis dahin kann man die Statue noch zum Vorzugspreis erwerben. Lesen Sie mehr…
24. Feb 2019

"WAS IST CHRISTDEMOKRATISCH?"

ist eine wesentlich spannendere Frage als die Frage "Was ist konservativ?". Eine kleine Serie beschreibt christdemokratische Eckpunkte. Teil 1 befasste sich mit dem christlichen Menschenbild, Teil 2 mit Subsidiarität und im Teil 3 geht es um die CDU-Wurzeln "christlich-sozial - konservativ - liberal". Lesen Sie mehr…
23. Feb 2019

BEI INZWISCHEN ÜBER 102 MIO EURO

sind die Kosten der Sanierung der Beethovenhalle nach Auskunft der Bonner Stadtverwaltung angekommen. Zur Erinnerung: beim Festspielhaus wären es für den Bau 75 Mio Euro ausschließlich aus privater Hand gewesen. Im Unterschied zum Festspielhaus liegt auch für die Beethovenhalle kein Businessplan vor. Wer die Halle nutzen wird, steht in den Sternen.  Lesen Sie mehr…
09. Feb 2019

LUDWIG ALAAF WAR DAS MOTTO

des Klavierprogramms von Stephan Eisel in der Evangelische Trinitatiskirchengemeinde in Bonn-EndenichDas Kaleidoskop des kurzweiligen Programms mit Fingerübungen auf 88 Tasten reichte von Beethovens Bonner Liebschaften bis zum Nachweis, dass Beethoven alle wichtigen rheinischen Karnevalslieder komponiert hat. Über 150 Besucher waren gekommen und das Bonner Prinzenpaar stattete dem Konzert einen Besuch ab. Lesen Sie mehr…
30. Jan 2019

100 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE,

also für die Sanierung einer alten Mehrzweckhalle sind zum Jahranfang 2019 erreicht: Die Kostensteigerung beträgt seit drei Jahren mehr als eine Mio Euro monatlich - eine unverantwortliche Steuerverschwendung ! Dabei wird die marode Mehrzweckhalle "denkmalgerecht" auf den Stand der 50er Jahre zurückversetzt - ohne jede Verbesserung der Akustik. Lesen Sie mehr…