Volltextsuche:

ALS WARNSCHUSS SOLLTE DIE CDU

das Ergebnis der Landtagswahlen in Niedersachsen begreifen. Es war die letzte Wahl vor der Bundestagswahl 2013. Dann wird sich die Koalition aus CDU, CSU und FDP dem Wählervotum stellen. 2009 betrug ihr Vorsprung nur 2,4 Prozent. Esd wird im Herbst wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben.

  Den folgenden Text können
  Sie hier ausdrucken.

 

  Zur Landtagswahl in Niedersachsen
  Der Warnschuss aus Hannover 

Das Ergebnis der Landtagswahl in Niedersachsen vom 20. Januar 2013 ist ein deutlicher Warn­schuss für die Koalition aus CDU, CSU und FDP, die sich im September dem Wählervotum stellen muss. 2009 hatte die schwarz-gelbe Koalition vor dem linken Lager lediglich einen Vorsprung von 2,4 Prozent vor dem linken Lager. Die Bundestagswahl 2013 wird wieder ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen bringen. Dabei gibt die Niedersachsen-Wahl wichtige Hinweise, denn sie hat als wichtige Land­tagswahl vor die Bundestagswahl eine besonders nachhaltige Wirkung. 

  1. Umfragen ersetzen keine Wahlen
    Es ist Mode geworden, Umfragezahlen für tatsächliche Wahlergebnisse zu halten, obwohl die Wähler dies regelmäßig widerlegen. Entscheidender Bezugspunkt für die Bewertungen von Wahlen bleiben aber die letzten Wahlergebnisse. Niedersachsen hat wieder gezeigt: Man kann Wahlen gegenüber Umfragedaten gewinnen, tatsächlich aber verlieren. Im Ver­gleich zur Land­tagswahl 2008 heißen die Verlierer CDU (-6,5), und Linke ( -4,0) und die Gewinner Grüne (+5,7), SPD (2,3) und FDP (+1,7). Ernsthafte Wahlanalysen legen diesen Vergleich zugrunde.
  2. Parteien sind wichtiger als Personen
    Trotz des hohen Beliebtheitsgrades von Ministerpräsident David McAllister hat der Oppositio­nsführer die Wahl gewonnen. Überheblichkeit der Union angesichts der hohen Beliebtheit von Angela Merkel und des Fehlstarts von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück wäre also völ­lig fehl am Platz. Nicht wenige Wähler schätzen die Bundeskanzlerin, wählen aber trotzdem SPD und Grüne. Die meisten Wähler treffen mit ihrer Stimme eine politische Grundsatzent­scheidung: Personen können einen Unterschied machen, aber selten den Trend umkehren.
  3. Krisenbewältigung ist kein Politikersatz
    Für die CDU reicht es nicht aus, für jedes Problem eine handwerklich so­lide Lösung vorzu­schlagen. Seriöses Krisenmanagement ist zwar unverzichtbar, wird aber gerad­e von der Union als selbstverständlich erwartet. Sie muss mehr bieten:  Die Menschen wollen gerade von einer “C”-Partei wissen, warum welches Werteverständnis ihr politisches Handeln trägt. Sie wollen wissen, wie es nach der Krise weitergeht und welche Zukunfts­konzepte die Union hat. Dabei muss die CDU besser erklären, warum sie sich nicht nur in den Ergebnissen ihrer Politik, son­dern auch in deren Herleitung von ihren Konkurrenten un­terscheidet. Der Pragmatismus des Tages gibt für sich genommen zu wenig Auskunft über den Kompass des Handelns.
  4. FDP punktet mit dem „Totenglöcklein“
    In Niedersachsen hat die FDP nach Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zum drit­ten Mal einen Wahlerfolg durch die ständige Berichterstattung über ihren Untergang erzielt. Damit wird eine Strategie wiederbelebt, die schon Hans-Dietrich Genscher zu Perfektion entwickelt hat: Der vermeintliche Kampf mit der 5-Prozent-Hürde hat immer wieder so viele Wähler der jeweiligen Koalitionspartner für die FDP mobilisiert, dass diese Hürde sicher ge­nommen wer­den konnte. Die FDP wird auch bei der Bundestagswahl 2013 auf diese be­währte Strategie set­zen.
  5. Leihstimmen schaden der CDU mehr als sie der FDP helfen
    Es führt in eine Sackgasse, die Schwäche der FDP auf Kosten der Stärke der CDU überwin­den zu wollen: Die CDU hat in Niedersachsen bei den Zweitstimmen 6,5 Prozent verloren, die FDP nur 1,7 Prozent gewonnen. Selbst bei den Erststimmen, wo die FDP 2,3 Prozent verlor, gab es Verluste der CDU (- 1,7 Prozent). Erneut zeigte sich: Weder erreicht die FDP alle Wähler, die sich von der Union abwenden, noch landen enttäuschte FDP-Wähler automatisch bei der Uni­on. Es bleibt auch nicht ohne Folgen, dass nur noch zwei (Bayern und Hessen) der sechs von der Union geführten Landesregierungen Koalitionen mit der FDP sind.
  6. Die CDU schwächelt in der Fläche
    Es ist über viele Jahrzehnte eine allgemeine Erfahrung, dass Koalitionen auf Bundesebene bei Landtagswahlen eher verlieren. Die Wähler setzen auf Machtbalance und wollen in den Län­dern auch ein Gegengewicht zum Bund. Daraus kann aber auch die Vorbereitung eines Macht­wechsels entstehen: Zum Ende der Regierung Helmut Kohl 1998 stellten CDU/CSU nur noch sechs von 16 Regierungschefs in den Ländern, zum Ende der Regierungszeit von Gerhard Schröder 2005 waren es elf und zur Bundestagswahl 2013 sind es wieder nur sechs. Die Union stellt heute auch nur noch rund ein Drittel aller Landtagsabgeordneten in Deutschland. So weni­ge waren es noch nie. Außerdem sind manche Landesverbände nach Wahlniederlagen zu lange mit sich selbst beschäftigt. Das darf der Bundespartei nicht gleichgültig sein.
  7. Wahlbeteiligungen sinken nicht generell
    Immer wieder wird fälschlicherweise unterstellt, es gebe einen anhaltenden Trend zurückge­hender Wahlbeteiligungen.  In Niedersachsen ist die Wahlbeteiligung um 2,3 Prozent gestie­gen. Tatsächlich sind nämlich  Schwankungen in der Wahlbeteiligung zu beobachten. Das zei­gen die Landtagswahlen seit der Bundestagswahl 2009: Zuwächsen bei der Wahlbeteili­gung in Baden-Württemberg (+12,8), Sachsen-Anhalt (+6,8), Rheinland-Pfalz (+3,6), Nie­dersachsen (+2,3) und Berlin (+2,2) stehen Rückgänge in Schleswig-Holstein (-13,5), Mecklenburg-Vorp­ommern (-7,4), dem Saarland (-6), Hamburg (-5,2), Nordrhein-Westfalen (-3,7) und Bremen (-3) gegenüber. Auch die bei der Bundestagswahl 2009 mit 70,8 Prozent außergewöhnlich niedri­ge Wahlbeteiligung wird angesichts des erwarteten knappen Wahl­ausgangs mit hoher Wahr­scheinlichkeit steigen.
  8. Die Strategie der „asymetrischen Demobilisierung“ gehört auf den Prüfstand
    Wer eigene Stellungnahmen zu kontroversen Themen vermeidet, um potentiellen Wähler des politischen Gegners nicht zu mobilisieren, geht ein großes Risiko ein: Er verzichtet auch dar­auf, den eigenen Anhängern durch ein deutliches Profil zu signalisieren, dass es wichtig ist, zur Wahl zu gehen. Bei der Bundestagswahl 2009 hat dies vordergründig zu einem Sieg der schwarz-gelben Koalition geführt. Aber bei einem Absinken der Wahlbeteiligung um fast sieben Prozent hatte nicht nur die SPD massive Einbrüche, sondern auch die Union zwei Millionen Wähler weniger. In Niedersachsen hat die CDU trotz gesunkener Wahlbeteiligung fast 200.000 Stimmen verloren.  Bei Wahlen haben die Bürger einen Anspruch auch zwi­schen unterscheid­baren politischen Konzepten wählen zu können und sie müssen spüren, dass es auf jede Stimme ankommt.
  9. Die Piraten-Hysterie ist vorbei
    Vor einem Jahr hat die Piratenpartei noch alle Schlagzeilen bestimmt, bei der Niedersach­sen-Wahl spielte sie mit 2,1 Prozent weniger als eine Randrolle. Der Abstieg der Piraten ist ebenso dramatisch wie ihr Aufstieg und ein faszinierendes Beispiel der Schnelllebigkeit un­serer Me­diengesellschaft. Aber Technikfaszination und führt ohne Demokratiekompetenz in eine Sack­gasse. Exotisches Auftreten kann die Wähler auf Dauer nicht von mangelnder in­haltlicher Sub­stanz ablenken. Das ist eine gute Nachricht.
  10. Extremisten von links und rechts scheitern
    Die in Niedersachsen besonders linksextrem ausgerichtete Linke verlor über die Hälfte ihrer Stimmen. Nach Bayern, NRW, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Baden-Württem­berg hat sie damit mit nur 3,1 Prozent im sechsten westdeutschen Flächenland den Einzug ins Parla­ment verpasst. Auch die NPD hat die Hälfte ihrer Stimmen verloren und ist mit 0,8 Prozent in der Bedeutungslosigkeit versunken. Das ist ein Reifezeugnis für unsere Demokra­tie.

Niedersachsenwahl 2013

RSS

BESTELLUNG: KLICK AUF BILD

BESTELLUNG: KLICK AUF BILD
Dreimal "Beethoven in Bonn" von Stephan Eisel:
Ausführlich: Beethoven - Die 22 Bonner Jahre (Hardcover, 550 Seiten, bebildert, 2020) 34,90 €
Im Überblick: Beethoven in Bonn (Taschenbuch, 128 Seiten bebildert (90 Seiten plus engl. Übersetzung, 2020) 8,99 €
Aktuell: Bonn und Beethovens Neunte (Taschenbuch, 166 Seiten bebildert (106 Seiten plus. engl. Übersetzung, 2024) 12,99€

BUCHTIPP: 3. Auflage

BUCHTIPP: 3. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

Frühere Artikel

18. Jan 2026

DASS WIR EINE EUROPAARMEE

brauchen wird immer deutlicher: Die skrupellose Aggression Putins gegen seine europäischen Nachbarn und die Abwendung Trumps von Europa machen auf dramatische Weise deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Sonntagsreden reichen nicht mehr aus, gefragt ist kraftvolles Handeln. Als Europapartei steht hier die CDU in einer besonderen Pflicht. Lesen Sie mehr…
16. Jan 2026

EINIGE GEDANKENANSTÖSSE SOLLEN

Themen sollen zum Innehalten einladen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie einige Kommentare im Dezember 2025 / Januar 2026. Lesen Sie mehr…
03. Jan 2026

150 JAHRE WÄRE KONRAD ADENAUER

am 5. Januar 2026 geworden. Die herausragenden politischen Verdienste des ersten Bundeskanzlers wurden und werden vielfach gewürdigt. Dabei fällt oft unter den Tisch, dass Konrad Adenauer von 1949 bis zu seinem Tod 1967 direkt gewählter Bonner Bundestagsabgeodneter war. Diesem Thema widmet sich ein Aufsatz von Stephan Eisel. Lesen Sie mehr…
14. Dez 2025

MIT GLAMOUR WURDE DIE BEETHOVENHALLE

nach zehnjähriger Bauzeit und einer Explosion der Baukosten auf 221 Mio € wieder eröffnet. Erfreulich ist dabei, dass das Beethoven Orchester wieder eine Heimat hat. Aber die grundlegenden Probleme der Halle z. B. wegen exorbitanter Mietkosten bleiben bestehen Lesen Sie mehr…
15. Nov 2025

DAMIT DIE GESICHERT RECHTSEXTREME AfD

im Bonner Stadtrat nicht zum Zünglein an der Waage wird, müssen sich die demokratischen Parteien einigen: Demokraten fassen und (!) blockieren keine Beschlüsse, wenn das nur mit AfD-Stimmen geht. In diesem Fall hilft unter den Demokraten die Minderheit der Mehrheit. Die von CDU, SPD und FDP angestrebte Kooperation schafft dafür die Voraussetzung. Lesen Sie mehr…
14. Nov 2025

STEPHAN EISEL HAT IN EINEM INTERVIEW

mit der Kölnischen Runschau am 14. November 2025 erläutert, warum er die Plattform Compass Mitte unterstützt, die das "C"als Fundament der Politik der CDU hervorhebt. Er erinnerte dabei auch daran, dass das christliche Menschenbild für die Gründung der CDU entscheidend war, gerade weil der Nationalsozialismus dessen Werte brutal bekämpft und total negiert hatte. Lesen Sie mehr…
11. Nov 2025

WEIL DAS "C" FÜR CDU UND CSU

nicht nur in Sonntagsreden gelten darf, hat sich eine Gruppe von Mitgliedern in der Plattform COMPASS MITTE zusammengefunden. Stephan Eisel hat sich angeschlossen, weil er für eine CDU steht, die soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Vernunft und menschliche Verantwortung vereint. Lesen Sie mehr…
30. Okt 2025

PETER HERBOLZHEIMER WIRD MIT EINEM

besonderen Konzert am 9. November gefeiert, denn 2025 er wäre 90 Jahre alt geworden. Der großartige Bigband-Leader hat auf Initiative von Helmut Kohl über 20 Jahre das Bundesjugend-jazzorchester (BuJazzO) geleitet. So kam es auch zur Freundschaft von Peter Herbolzheimer mit Stephan Eisel, der im Auftrag von Kohl das BuJazzO seit 1987 begleitete. Lesen Sie mehr…
11. Okt 2025

NACH IHRER WAHLNIEDERLAGE SOLLTEN SICH

die Bonner Grünen in der Opposition erneuern. Sie haben in den letzten Jahren als Teil der Ratsmehrheit die Kommunalpolitik in der Bundesstadt wesentlich geprägt und sind dabei immer mehr zu kompromisslosen Vorstellungen abgedriftet, die die Stadtgesellschaft vor allem in den letzten fünf polarisiert haben als sie auch die Oberbürgermeisterin gestellt haben. Der Partei und der Stadt würde eine Umkehr guttun. Lesen Sie mehr…
11. Okt 2025

DER NEUE BONNER OB GUIDO DEUS STEHT

als Verwaltungschef vor schwierigen Herausforderungen: Die Stadtverwaltung muss das Pro und Contra ihrer Vorschläge transparent zu machen, und diesen Vorschlägen nicht Wunschdenken, sondern die Realität in der Stadt zugrunde legen. Dafür  Adenauerallee und der Beethovenhalle zwei typische Beispiele. Lesen Sie mehr…
29. Sep 2025

DIE KLARE WAHL VON GUIDO DEUS

von der CDU zum neuen Bonner Oberbürgermeister war in erheblichem Maß eine Abwahl der bisherigen Amtsinhaberin Katja Dörner von den Grünen. Mit ihrer monothematischen und kompromisslosen Politik gepaart mit der Anmutung moralischer Überlegenheit verlor sie in fünf Jahren zehn Prozent der Stimmen und Guide Deus siegte mit dem Rekordergebnis von 54 Prozent. Lesen Sie mehr…
26. Sep 2025

VERSÄUMNISSE VON STADTDIREKTOR FUCHS

als Wahlleiter bei der Bonner OB-Wahl 2020 wurden wurden vom NRW-Innenministerium bestätigt. In einer Antwort an den Bonner Ex-MdB Eisel, der eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht hatte heisst es, dass „die Stadt Bonn ihrer Pflicht – zeitgerechte Übersendung von Briefwahlunterlagen – nicht ausreichendem Maße nachgekommen" sei. Jetzt wiederholt sich das gleiche Chaos 2025.
Lesen Sie mehr…
26. Sep 2025

DAS DESASTER UM DIE BEETHOVENHALLE

wollen besonders die Bonner Grünen vergessen machen. Sie sind wesentlich dafür verantwortlich, dass es zu einem Millionengrab von 221 Mio € für die "denkmalgerechte Sanierung" der Mehrzweckhalle kam. Wer aber Fehler  verdrängt, kann aus ihnen nicht lernen. Lesen Sie mehr…
25. Sep 2025

DER BLICK AUF DEN KERN

christdemokratischer Politik ist wesentlich spannender als die oft gestellt Frage, was konsersativ sei - denn die CDU ist keine konservative Partei. Sie muss allerdings selbst ihre Idendität als christdemokratische Union stärker verdeutlichen. Lesen Sie mehr…
15. Sep 2025

DIE BONNER KOMMUNALWAHLEN AM

14. September 2025 haben ein klares Ergebnis: Die von den Grünen geführte Ratskoalition hat keine Mehrheit mehr, die CDU ist klar stärkste Fraktion und in die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters startet Guido Deus (CDU) mit 39 Prozent aus der Pole-Position und gegen die im 1. Wahlgang geschlagene Amtsinhaberin Dörner (Grüne) mit 33 Prozent. Lesen Sie mehr…