Volltextsuche:

95 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE

08. September 2018
sollte Anlaß genug sein, aus dem Desaster dieser Sanierung im Bestand zu lernen: Dieser Weg ins Millionengrab sollte sich bei der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Oper nicht wiederholen. Der Neubau eines integrierten Opern- und Konzerthauses ist nicht nur sinnvoll, sondern auch erheblicher kostengünstiger als eine Sanierung im Bestand.
95 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken


Stephan Eisel

Aus dem Desaster der Beethovenhalle lernen:

Bei der Oper neu bauen statt im Be­stand zu sanieren 

Bei der denkmalgerechten Luxussanierung der maroden Beethovenhalle hat sich im Blick auf die unaufhörliche Kostenexplosion längst Resignation in Bonn breit gemacht. Noch im Januar 2015 hat die Verwaltung 15 Mio Euro für die Sanierung der Beethovenhalle eingeplant. Selbst für einen Um­bau (der garnicht stattfindet, da denkmalgerecht saniert wird) waren damals nur 30 Mio Euro vorge­sehen. Jetzt liegen die Kosten bereits bei netto 94 Mio Euro (brutto mehr als 95 Mio) und steigen weiter: Die Kostenexplosion beträgt mehr als eine Million Euro monatlich: 

Diese enormen Summe wurden vom Rat ohne  solide Entscheidungsgrundlagen beschlossen

Der General-Anzeiger berichtete dazu am 2. Oktober 2015: „Während Bonns künftiger Oberbürger­meister Ashok Sridharan eine aufwendige Sanierung der Beethovenhalle ablehnt, will Stadtdirektor Wolfgang Fuchs richtig investieren.“ Leider setzte sich die Vorstellung des Stadtdirektors am 10. Dezember 2015 mit einer knappe Ratsmehrheit (43:35 Stimmen) durch, obwohl die dafür vorgeleg­te Verwaltungsvorlage ausdrücklich einen Be­schluss „schon vor Abschluss der Entwurfsplanung und Prüfung der Kostenberechnung“ verlangte. Die Entscheidung auf einer sol­chen Grundlage zu treffen, war vom Rat ebenso fahrlässig wie es von der Verwaltung unverantwortlich war, dem Rat auf dieser Grundlage über­haupt eine solche Entscheidung vorzuschlagen.

Jetzt stellt sich die Frage, ob Rat und Verwaltung aus dem Desaster bei der Beethovenhalle lernen, denn es steht die Entscheidung an, was mit Oper und Schauspiel geschieht. Die Verwaltung pro­gnostiziert z. Zt. für eine Sanierung 100 Mio Euro an Kosten (75 für Oper und 25 für Kammerspie­le). Das entspricht der Prognose von 15 bzw. 30 Mio Euro für Beethovenhalle im Januar 2015. Aus den Erfahrungen der Beethovenhalle kann man lernen, dass sich diese Summe bis zur Beschlussfas­sung verdoppeln und bis zur Fertigstellung mindestens verdreifachen wird. Man muss also bei Oper und Schauspiel für die Sanierung im Bestand von mindestens 300 Mio Euro ausgehen.

Ein entsprechender Neubau wäre deutlich günstiger. Zuletzt wurde für 150 Mio Euro 2014 in Flo­renz ein neues Opern­haus als kombiniertes Konzert- und Opernhaus eröffnet. Es hat für Oper und Konzert einen großen Saal 1.800 Plätze) und für Schauspiel und Kammermusik einen kleinen Saal (1000 Plätze) und bietet sogar noch eine Freiluftbühne mit 2000 Plätzen. 

Ein solcher Neubau hätte auch für Bonn entscheidende Vorteile, denn er würde 

  • den tatsächlichen künstlerischen Bedürfnissen in Bonn angepasst werden können,
  • Betriebskosten von nur einem und nicht mehreren Gebäude verursachen,
  • verlässlicher zu planen sein als Sanierungen im Bestand,
  • dem neuesten technischen Standard entsprechen und so u. a. Energiekosten sparen,
  • den in Bonn schmerzlich vermissten Konzertsaal ermöglichen. 
  • Als Standort käme sowohl der jetzige Opernstandort als auch das Gelände der Godesberger Stadt­halle in Frage. Dort könnten bereits jetzt geschätzte Kosten in Höhe von 20 Mio Euro für die Sa­nierung der Godesberger Stadthalle gespart werden, zumal auch diese erfahrungsgemäß erheblich steigen werden (Sanierung im Bestand!)

In jedem Fall würde ein integriertes Opern- und Konzerthaus, das es auch z. B. in Baden-Baden und Bregenz gibt, die immer deutlicher sichtbarere Lücke eines fehlenden Konzertsaales als großes Hin­dernis für die Profilierung Bonns zur Beethovenstadt endlich schließen. Mit der Beetho­venhalle als Mehrzwecksaal ist dies nicht möglich, zumal durch die Entscheidung für eine aufwendige denkmal­gerechte Sanierung eine Verbesserung der Akustik für Kon­zertbesucher ausgeschlossen wurde. 

Für den Fall eines Neubaus am jetzigen Standort könnte die Beethovenhalle als Übergangsspielstät­te für die Oper genutzt werden. Das in Köln seit 2012 als Übergangsspielstätte genutzte Staatenhaus bietet wesentlich schlechtere Voraussetzungen. Im Fall des Godesberger Stadtortes könnte die alte Oper bis zur Fertigstellung eine Neubaus bespielt und das attraktive Gelände an der Kennedybrücke dann anderweitig genutzt oder vermarktet werden.

Die Standortfrage sollte nicht der Anfangspunkt der notwendigen Debatte um Neubau oder Sanie­rung sein, sondern deren Endpunkt. Die unterschiedlichen Optionen müssen ernsthaft geprüft werden, um eine belastungsfähige Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Dazu gehört im Blick auf die Godesberger Stadthalle auch das Wissen darum, dass es in Bonn eine Überkapazität von großen Mehrzwecksälen gibt - Beethovenhalle (bis zu 2000 Plätze), Godesberger Stadthalle (1000), Brückenforum (900), Telekom Basketshalle (5000), Telekom-Fo­rum(1300), Maritim (2800) , Kameha (2000) und WCCB (unterschiedliche Säälen von 300 – 4200 Plätze). Außerdem wollen private Investoren mit Unterstützung der Stadt auf dem ehemaligen Schlachthofgelände zwei Hallen zwei Hallen mit 1750 bzw. 500 Plätzen für Rock- und Popkonzerte er­richten.

Mit dem kommunalpolitisch verursachten Ende des Festspielhauses, dem durch die Entschlusslosig­keit des Rates herbeigeführten Verfall des Viktoriacarrés, der durch einen Bürgerentscheid verhin­derten Neuordnung der veralteten Bonner Bäderlandschaft wurde in der Bonner Kommunalpolitik in den letzten Jahren viel zerredet und Zukunftsoptionen zerstört.

Die Stadt sollte sich endlich die Offenheit für Neues gönnen und einen mutigen Zu­kunftsschritt wagen. Das Desaster bei der Beethovenhalle zeigt, dass zumindest im baulichen Bereich dabei der Weg in die Vergangenheit direkt ins Millionengrab führt.

 

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

EIN KLICK AUF DAS BILD BRINGT ZU WEITEREN INFORMATIONEN

Frühere Artikel

09. Feb 2019

LUDWIG ALAAF WAR DAS MOTTO

des Klavierprogramms von Stephan Eisel in der Evangelische Trinitatiskirchengemeinde in Bonn-EndenichDas Kaleidoskop des kurzweiligen Programms mit Fingerübungen auf 88 Tasten reichte von Beethovens Bonner Liebschaften bis zum Nachweis, dass Beethoven alle wichtigen rheinischen Karnevalslieder komponiert hat. Über 150 Besucher waren gekommen und das Bonner Prinzenpaar stattete dem Konzert einen Besuch ab. Lesen Sie mehr…
30. Jan 2019

100 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE,

also für die Sanierung einer alten Mehrzweckhalle sind zum Jahranfang 2019 erreicht: Die Kostensteigerung beträgt seit drei Jahren mehr als eine Mio Euro monatlich - eine unverantwortliche Steuerverschwendung ! Dabei wird die marode Mehrzweckhalle "denkmalgerecht" auf den Stand der 50er Jahre zurückversetzt - ohne jede Verbesserung der Akustik. Lesen Sie mehr…
19. Jan 2019

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für Dezember 2018 und Januar 2019. Lesen Sie mehr…
09. Dez 2018

DIE CDU DARF NICHT BELIEBIG SEIN

- so lautete der Kernsatz in der Bewerbungsrede von Annegret Kramp-Karrenbauer um den Vorsitz der CDU. Stephan Eisel analysiert die Wahl in einem Beitrag für den Internet-Blog kreuz-und-quer.de (Politischen Handeln aus christlicher Verantwortung). Lesen Sie mehr…
08. Dez 2018

UM BEETHOVEN GING ES IM DEZEMBER

gleich dreimal: am 7. Dezember 2018 wurden die BÜRGER FÜR BEETHOVEN als größter ehrenamtlich geführter Verein in Bonn und der Region 25 Jahre alt. Am 5. Dezember fand in der Bundeskunsthalle der Wirtschaftstalk zum Thema Beethoven statt und am 9. Dezember gab die Bürgeraktion UNSER LUDWIG einen neuen Stand zu den Patenschaften für die Beethoven-Statuen von Ottmar Hörl bekannt. Lesen Sie mehr…
08. Dez 2018

ÜBER NEUBAU ODER SANIERUNG BEI

der Bonner Oper möchte der Rat nicht selbst entscheiden, sondern versteckt sich lieber hinter einem 200.000 Euro teuren Verfahren der angeblichen Bürgerbeteiligung, in dem 40 zufällig ausgewählte Bürger die Aufgabe des Bonner Rates übernehmen sollen. So kastriert sich der Rat selbst. Lesen Sie mehr…
21. Nov 2018

DER 10JÄHRIGE LUDWIG VAN BEETHOVEN

machte mit seinem Vater 1781 eine Reise zu Musikfreunden in der Region Bonn. Eine der Stationen war Ahrweiler. Mein Beitrag für die Zeitschrift "Haus&Grund Aktuell" befasst sich mit der Frage, was damals dort passiert ist und wo Beethoven tatsächlich war. Für die Auswahl der Besuchten war entscheidend, ob sie ein Klavier hatten. Lesen Sie mehr…
18. Nov 2018

BEI FAST 97 MIO EURO SIND

die Kosten bei der Sanierung der maroden Beethovenhalle inzwischen angekommen. Die Verwaltung kündigt zusätzliche Kosten an, “die zum heutigen Zeit­punkt auf­grund der unklaren Bausituation noch nicht beziffert werden können." So entwicklet sich das Millionengrab vom Trauerspiel zur Tragödie. Lesen Sie mehr…
11. Nov 2018

WER CDU-VORSITZENDER WERDEN WILL,

muss die Frage beanworten "Was ist christdemokratisch". Im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz wird erfolgreich sein, wer am besten auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes Antworten auf die Fragen des Tages mit Gestaltungsmut für die Zukunft verknüpfen kann.
Lesen Sie mehr…
10. Nov 2018

EINE NIEDERLAGE HAT DONALD TRUMP

bei den amerikanischen Midterm-Elections erfahren als die Wähler erstmals seit der Präsidentschafts-wahl 2016 an der Urne ihr Urteil über den damals gewählten Präsidentn abgeben durften. Die Demokraten verzeichneten deutliche Stimmengewinne und konnten vor allem die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen. Lesen Sie mehr…
05. Nov 2018

INTRANSPARENZ PAART SICH BEI DER

Beethovenhalle mit Geldverschwendung. Ganz unauffällig kam es im September wieder zu einer Kostensteigerung um 2,1 Mio Euro auf jetzt 96 Mio Euro: Da der Rat der Verwaltung freie Hand bei „Planungs- und Baunachträgen bis zu 100.000 Euro„ gegeben hat, wurde dem Rat eine Liste mit 90 Positionen jeweils unter 100.000 Euro mitgeteilt, die sich insgesamt auf 2,1 Mio Euro addieren. Lesen Sie mehr…
02. Nov 2018

MIT DER BÜRGERAKTION UNSER LUDWIG

bereiten der Zusammenschluß von Bonner Geschäftsleuten city-marketing-bonn e.V. und die BÜRGER FÜR BEETHOVEN einen besonderes Geschenk zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven vor. Mit einem "lächelnden Ludwig", der der renommierte Bildhauer und Konzeptkünstler Ottmar Hörl gestaltet hat, soll aus Bonn ein neues Beethovenbild in die Welt getragen werden. Dafür werden mindestens 500 Paten gesucht. Lesen Sie mehr…
15. Okt 2018

DIE HERBE CSU-NIEDERLAGE BEI DEN

bayerischen Landtagswahlen 2018 ist hausgemacht. Wer die politische Mitte preisgibt, steht schnell am Abgrund. Mit ihren rechtspopulistischen Anwandlungen und einer Dauerkonfrontation mit Angela Merkel hat die Partei unter der Führung von Horst Seehofer diejenigen vor den Kopf gestoßen, die in Bayern bisher CSU gewählt haben, um die CDU zu unterstützen.  Lesen Sie mehr…
12. Okt 2018

BEETHOVEN VERBRACHTE VOR 225 JAHREN

am 1. November 1792 seinen letzten Abend in Bonn. Die Abschiedsparty fand in seiner Stammkneipe "Zehrgarten" am Marktplatz. Von dort brach er nach Wien auf - mit der festen Absicht, nach Bonn zurückzukehren. Das ist das Thema des Klavierkabaretts "Niemals geht man so ganz" am 1. November 2018 von Stephan Eisel Lesen Sie mehr…
11. Okt 2018

EIN BÜRGERZENTRUM FÜR KULTUR

könnte verwirklicht werden, wenn Bonn statt einer finanziell sehr risikoreichen Sanierung des alten Opernhauses den Zukunftentwurf eines Neubaus wagen würde - mit Oper und Konzertsaal, für Schauspiel und Jazz sowie als Forum für viele weitere kulturelle Angebote insbesondere auch für junge Leute. Florenz hat es 2014 vorgemacht. Lesen Sie mehr…