Volltextsuche:

25 JAHRE NACH DEM MAUERFALL

09. Oktober 2014
öffnet sich die West-Ost-Wahlbeteiligungsschere bei Landtagswahlen. Dies ergibt ein Langzeitvergleich. Im Westen zeigt die Beteiligung an Landtagswahlen seit 2007 langsam an, im Osten geht sie seit fünf Jahren deutlich zurück.
25 JAHRE NACH DEM MAUERFALL

 

Den folgenden Text können Sie

Stephan Eisel

25 Jahre nach dem Mauerfall

Die West-Ost-Wahlbeteiligungsschere

Die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg haben die Diskussion um die Wahlbeteiligung in Deutschland wieder neu belebt. In allen drei Ländern nahm nach der Sommerpause 2014 nur etwa die Hälfte der dazu Berechtigten an den Wahlen teil. Allgemein wurde dies als weiteres Indiz für einen kontinuierlichen Rückgang der Wahlbeteiligung gewertet. Ein genauerer Blick ergibt aber insbesondere im Langzeitvergleich ein differenzierteres Bild. 

Landtagswahlen bieten sich besonders für einen solchen Langzeitvergleich im Blick auf Wahlbeteiligungen an, weil sie im Regelfall mehrfach jährlich stattfinden und in der Zusammenschau zugleich landesspezifische Sondereffekte relativiert werden können.1 Für eine genauere Analyse ist es dabei hilfreich, die erheblichen Größenunterschiede zwischen den Bundesländern zu berücksichtigen und auszugleichen. Dies ist möglich, wenn man die Summe der Wahlberechtigten und der Wähler bei allen Landtagswahlen jeweils für ein Jahr in Beziehung zueinander setzt. Daraus lässt sich eine „Jahreswahlbeteiligung“ für Landtagswahlen ermitteln:

(1990 mit den erstmaligen Landtagswahlen in den neuen Bundesländern ist bewusst als Sonderfall im Einheitsjahr nicht berücksichtigt. Ebenso sind die Landtagswahlen als Sonderfälle nicht berücksichtigt, deren Wahltermin mit der Bundestagswahl zusammen fiel.Würde man sie einschließen, läge die Beteiligung in Bundestagswahljahren um durchschnittlich vier Prozent höher. Berlin wurde zu den alten Ländern gezählt, weil der weit überwiegende Teil der Wähler im Westen der Stadt lebt. Es ist auch zu berücksichtigen, dass in den Jahren 1997, 2002, 2007 und 2010 jeweils nur eine Landtagswahl stattfand und deshalb für diese Jahre landesspezifische Besonderheiten nicht ausgeglichen worden sind.)

Dieser länderübergreifende Langzeitvergleich zeigt für die Jahre seit der Wiedervereinigung, dass

  • einem kontinuierlichen wellenförmigen Beteiligungsrückgang von 1998 – 2006 ein langsamer, aber stetiger Beteiligungsanstieg 2006 -2013 folgte.

  • die landesspezifische Spreizung der Wahlbeteiligung außerordentlich groß ist und bei ca. 20 Prozent liegt.1

Das Wahljahr 2014 unterbricht den Trend und brachte einen deutlichen Beteiligungseinbruch: Ausschlaggebend dafür ist, dass 2014 nach 2002 erst das zweite Wahljahr seit der Wiedervereinigung ist, in dem Landtagswahlen ausschließlich in den neuen Bundesländern stattfanden. Eine West-Ost-Differenzierung zeigt nämlich, dass sich ausgerechnet 25 Jahre nach dem Mauerfall die Beteiligung an Landtagswahlen in den neuen und alten Ländern weiter auseinander entwickelt.

(Den Höchststand der Beteiligung an Landtagswahlen nach der Wiedervereinigung erreichte Niedersachsen mit 73,8 Prozent 1994 und 1998, den Negativrekord von 44,4 Prozent verzeichnete 2006 Sachsen-Anhalt. In den allen Bundesländern fällt die jeweils niedrigste Beteiligung an Landtagswahlen seit der Wiedervereinigung ausnahmslos in die Zeit nach dem Jahr 2000.)

Der wachsenden Abstand der Beteiligung an Landtagswahlen in den alten und neuen Bundesländern ist unübersehbar:

  • In drei der fünf neuen Ländern ist die Landtagswahlbeteiligung bereits einmal unter die 50-Prozent-Marke gerutscht (Brandenburg 2014: 47,9; Sachsen 2014: 49,2; Sachsen-Anhalt 2006: 44,4). Bei den 20 Landtagswahlen in den neuen Ländern seit 1991 wurde nur zweimal die 60-Prozent-Marke übertroffen (Sachsen-Anhalt 1998: 71,7 und Sachsen 1999: 61,1) 

  • Den Negativrekord in den alten Bundesländern hält Baden-Württemberg mit 53,4 Prozent (2006). Das ist zugleich bei 58 Landtagswahlen in den alten Bundesländern seit der Wiedervereinigung die einzige Landtagswahl, bei die Wahlbeteiligung unter 55 Prozent gesunken ist. In zehn Fällen lag sie über 70 Prozent, in 34 Fällen zwischen 60 und 70 und in 13 Fällen zwischen 55 und 60 Prozent.

 In den ersten 15 Jahren nach der Wiedervereinigung lag die Landtagswahlbeteiligung in den alten Ländern um durchschnittlich fünf Prozent höher als in den neuen Bundesländern. In den letzten fünf Jahren hat sich dieser Abstand auf über zehn Prozent verdoppelt. Die Wahlbeteiligung geht nicht überall zurück, aber die Wahlbeteiligungsschere öffnet zwischen West und Ost unübersehbar.

RSS

BESTELLUNG MIT KLICK AUF BILD.
Der kurze Überblick zu "Beethoven in Bonn": 128 Seiten (90 Seiten plus engl. Übersetzung), 12,5 x 19 cm, Klappenbroschur, durchgehend farbig bebildert, ISBN: 978-3-96058-342-4, Edition Lempertz, Königswinter 2020 (8,99 €)

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

Frühere Artikel

19. Jan 2020

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für die letzten Wochen. Lesen Sie mehr…
17. Jan 2020

DEMOKRATIE GEGEN EXTREMISTEN ZU

verteidigen, ist ein Kernbestand christlich-demokratischer Identität. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bedrohung der demokratischen Ordnung von rechter  oder linken Extremisten oder religiösen Fanatikern kommt. Darum geht es im 5. Beitrag der Reihe "Was ist christdemkratisch ?" Lesen Sie mehr…
17. Nov 2019

DER SCHUTZ DES LEBENS

ist Kern christdemokratischer Identität und leitet sich direkt aus dem christlichen Menschenbild ab, dem die Menschenwürde als unverfügbar gilt. Darum geht es im 4. Beitrag der Reihe "Was ist christdemkratisch ?" Lesen Sie mehr…
15. Nov 2019

EIGENVERANTWORTUNG DER BISCHÖFE

fordert eine Initiative katholischer Laien in einem veröffentlicht, der sich gegen eine steuerliche Haftung der Laien in der Missbrauchsfrage wendet. Die 19 Erstunterzeichner werben um Unterstützung für einen entsprechenden Brief an die Deutsche Bischofskonferenz. Lesen Sie mehr…
13. Nov 2019

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für die letzten Wochen. Lesen Sie mehr…
09. Nov 2019

ALS AM 9. NOVEMBER 1989 DIE MAUER FIEL

war ich stv. Leiter des Kanzlerbüros bei Helmut Kohl und habe den Tag an meinem Schreibtisch im Kanzleramt verbracht. Helmut Kohl war zum Staatsbesuch bei der ersten freien regierung in Polen. Wie wir damals im Kanzleramt den historischen Tag erlebten, können Sie in hier nachlesen. Lesen Sie mehr…
28. Okt 2019

DIE LANDTAGSWAHLEN IN THÜRINGEN

waren ein Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik, denn erstmals haben die demokartsichen Parteien der Mitte keine Mehrheit mehr, sondern die links- und rechtsaußen Parteien Linke und AfD bestimmen den Landtag. Mit ihnen zu koalieren verbietet die DNA der CDU. Lesen Sie mehr…
27. Okt 2019

UNSER LUDWIG LÄCHELT

ist Thema meines Klavierkabaretts am 1. November um 16.00 Uhr (ausverkauft) und 18 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf in Bonn Poppelsdorf. Es geht dabei um die unbekannte Seiten von Beethoven aus seiner Bonner Zeit, die mit Fingerübungen am Klavier vorgestellt werden. Lesen Sie mehr…
21. Okt 2019

FÜR DAS SCHEITERN DES FESTSPIELHAUSES

für Beethoven in Bonn trägt der damalige OB Nimptsch (SPD) ein erhebliches Maß an Verantwortung. Dass er dafür jetzt Post und Telekom verantwortlich machen will, stellt die Wahrheit auf den Kopf.  Lesen Sie mehr…
02. Okt 2019

AM 3. OKTOBER FEIERN WIR DEN TAG

der Deutschen Einheit. Wie am 23. August 1990 die freigewählten Volkskammer der DDR den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes beschlossen hat, habe ich als Mitarbeiter von Helmut Kohl im Bonner Kanzleramt miterlebt. Lesen Sie mehr…
02. Okt 2019

MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU

politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlüssen verführt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine für das dritte Quartal 2019. Lesen Sie mehr…
01. Okt 2019

KUNST UND PUBLIKUM

brauchen einander und sind zugleich in einem Spannungsverhältnis verbunden. Aber Musik, die keiner hört, ein Buch, das niemand liest, oder ein Bild, das keiner sieht, laufen ins Leere. Nur im Respekt voreinander kommen Kunst und Publikum voran. Lesen Sie mehr…
27. Aug 2019

BEI DER KOMMUNALWAHL 2020

zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, seit sich die grüne Bundestagsabgeordnete Katja Dörner entschlossen hat, den CDU-Oberbürgermeister Ashok Sridharan herauszufordern. Die CDU muss erkennen, dass auch in Bonn die Grünen ihr Hauptkonkurrent sind. Lesen Sie mehr…
25. Aug 2019

EINE HELMUT-KOHL-ALLEE GIBT ES JETZT

in Bonn. Das angesichts der Verdienste des Kanzlers der Einheit und Ehrenbürger Europas um die erste Bundeshauptstadt ebenso folgerichtig wie es beispielhaft sein sollte für viele andere Städte. Die Enthüllung des Straßenschilds an der Museumsmeile nahmen die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und OB Ashok Sridharan vor. Mit dabei waren viele Weggefährten von Helmut Kohl. Der langjährige Kohl-Mitarbeiter Johannes Ludewig hielt eine eindrucksvolle Rede zu seinen Erfahrungen mit Helmut Kohl, die hier dokumentiert wird. Lesen Sie mehr…
14. Aug 2019

AM 14. August 1949 WÄHLTEN DIE BONNER

Konrad Adenauer zu ihrem ersten MdB. Er blieb bis zu seinem Tod 1967 direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Bonn. In meinem Aufsatz "Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter" habe ich mich intensiver mit diesem oft vernachlässigten Teil des Wirkens Adenauers befasst. Lesen Sie mehr…