Volltextsuche:

EIN JAHR IST ASHOK SRIDHARAN ALS BONNER

23. Oktober 2016
Oberbürgermeister im Amt - und seine erstes Jahresbilanz ist bemerkenswert. Als Mitbürger sucht er nicht die Bühne des Staatsschauspielers, sondern fühlt sich im Publikum wohl. Als Krisen-manager hat er auch unvorhersehbare Heraus-forderungen souverän bewältigt. Als Gestalter hat er wichtige Zukunftsprojekte auf den Weg gebracht. Problem bleibt für ihn ein Rat, in dem allzu oft die Grünen den Takt angeben und mit ihrer Blockade-haltung Zukunftsentscheidungen verhindern.
EIN JAHR IST ASHOK SRIDHARAN ALS BONNER

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken

 

Stephan Eisel

Erfolgreicher Start für den Bonner Oberbürgermeister:

Ein Jahr Ashok Sridharan

„Wenn Ihr einmal überwintert habt, bekommt Ihr eine Ahnung davon, wo´s lang geht“, pflegte ein erfahrener Seelsor­ger jungen Paaren zu sagen, die sich verlobten, um sich auf den Weg zur Ehe zu machen. Diese Lebens­weisheit gilt auch im politischen Amt, denn im ersten Jahr erlebt man praktisch alles zum ersten Mal. Das gilt umso mehr, wenn man wie der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan zum ersten Mal in ein politisches Amt gewählt wurde. Am 21. Oktober 2015 trat er sein Amt an. Seine erste Jahresbilanz ist bemerkenswert: 

Der Mitbürger 

Sridharans Amtsvorgänger war als Verlegenheitskandidat mit 41 Prozent der Stimmen 2009 ins Amt ge­rutscht – gerade einmal fünf Prozent mehr als sein stärkster Mitbewerber. Zum Zeitpunkt seiner Nominierung konnte er nicht damit rechnen, gewählt zu werden. Man konnte sich nie des Eindrucks erwehren, dass er sich im Amt nicht wirklich wohl fühlte und vor allem keine Gestaltungsvorstellung hatte. 

Ashok Sridharan hat das Amt des Bonner Oberbürgermeisters bewußt angestrebt und wurde im September 2015 mit 50,1 Prozent der Stimmen gewählt – einem Vorsprung von 27 Prozent vor seinem stärksten Mitbe­werber. Ausgestattet mit diesem starken Mandat – das teilweise auch eine virtuelle Abwahl seines nicht mehr antretenden Vorgängers war – trat Sridharan sein Amt mit einem klaren Gestaltungsanspruch an. 

Von Anfang an suchte Ashok Sridharan nicht die Bühne des Staatsschauspielers, sondern fühlte sich im Publi­kum am wohlsten. Ohne Allüren ist er erster Bürger der Stadt, aber eben vor allem Mitbürger. Bis zum Wahl­kampf An­fang 2015 in Bonn weitgehend unbekannt ist es ein Phänomen, wie selbstverständlich Ashok Sridha­ran inzwi­schen „einer von uns“ ist. Sein „Geheimnis“ ist, dass er sich auch im Amt „normal“ verhält. Die Bon­ner genie­ßen diese unkomplizierte Art. Mit vielen auf „Du und Du“ zu stehen, bedeutet allerdings nicht, dass man im politischen Amt auch alle Wünsche erfüllen kann. Das ist ein beidseitiger Lernprozess. 

Der Krisenmanager 

Dass Ashok Sridharan viel Verwaltungserfahrung mitbringt, hat zu seinem Wahlerfolg beitragen. Aber im poli­tischen Amt ist Entscheidungsmut auch außerhalb eingeübter Verwaltungsverfahren gefragt. Ashok Sridha­ran hat schon im ersten Amtsjahr bewiesen, dass er diese Fähigkeit und den Willen zu politi­scher Füh­rung hat: 

  • Bewährungsprobe „Flüchtlingskrise“ bestanden

    Kaum war Ashok Sridharan im Amt mussten unvorhergesehen ca. 3.800 Flüchtlinge in der Stadt un­tergebracht und dafür sechs Turnhallen zu Notunterkünften umfunktioniert werden. Sridharan scheute nicht davor zurück, diese un­populäre Maßnahme frühzeitig anzukündigen und mit seinem persönlichen Prestige auch gegen An­feindungen umzusetzen. 

  • Unklarheiten beim Thema Bonn-Berlin beseitigt

    Die Bonner Position war durch unüberlegte Alleingänge seines Vorgängers geschwächt worden. Dieser hatte ohne Abstimmung in der Region öffentlich darüber sinniert, man könne das Bonn-Berlin-Gesetz für einen Staatsvertrag ungewissen Inhalts aufgeben. Sridharan hat hier wieder für Klarheit und politi­schen Konsens gesorgt: Bonn kann auf das Gesetz und den dort fest­geschriebenen Regierungssitz nicht verzichten, denn daran hängen 27.000 Arbeitsplätze und viele Institutionen. 

  • Den Standort Bonn für das Pantheon gesichert

    Eigentlich sollte die Aushandlung eines Vertrages für den notwendige Umzug des bundesweiten re­nommierten Pantheon-Theaters in eine städtische Liegenschaft eine Routinevorgang auf Dezernen­ten-Ebene sein. Als es dort aber hakte, griff Sirdharan entschlossen ein – wohlwissend, dass diese Art der Standortsicherung für Bonns Zukunft entscheidend ist. Mit Haribo oder der Züricher Versicherung haben zuletzt zu viele auch überregional beachtete Player Bonn verlassen. 

Der Gestalter 

Ashok Sridharan hat bei wichtigen Themen den Stillstand überwunden, der so gefährlich ist für Bonn. Er hat als Verwaltungschef den Rat mit konkreten Gestaltungsvorschlägen konfrontiert: 

  • Beethoven zur Chefsache gemacht

    Nach dem von seinem Vorgänger durch Unentschlossenheit wesentlich mitverursachten Festspielhaus-Debakel drohte auch die Vorbereitung auf das Beethoven-Jubiläum 2020 im Nirwana des Verwaltungs­alltags unterzugehen. Sridharan erkannte, dass hier die entscheidende Chance der nachhaltigen Profilie­rung Bonns zur Beethovenstadt liegt. Immerhin hat Beethoven mit 22 Jahren länger in Bonn gelebt als Mozart in Salzburg. Das zeigt auch das wirtschaftliche Potenti­al des Themas. Durch den persönlichen Einsatz von Sridharan konnte endlich mit Bund, Land und Rhein-Sieg-Kreis die Beethoven-Jubiläums GmbH gegründet, die zentralen Beethoven-Akteure an ei­nem „Runden Beethoventisch“ sowie die Stadtgesellschaft in einem gesamtstädtischen Projektbeirat zu­sammengeführt und die Krise bei der Su­che nach einem neuen Chef des Beethoven Orchester gelöst werden. Es gibt hier bis 2020 noch viel zu tun und viel Zeit bleibt nicht. Aber Ashok Sridharan hat die Bedeutung des Themas erkannt und han­delt entschlossen. 

  • Die Bäderfrage mit einem mutigen Vorschlag gelöst

    Im jahr­zehn­te­lan­gen Streit um die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft wurde endlich eine Grund­satzentscheidung getroffen: es wird ein neues Hallenbad gebaut anstatt alte Bäder mit einem viel höhe­ren Kostenaufwand zu sanieren. Geschickt band Sridharan dabei die Stadtwerke ein, die am neuen Bä­derstandort schon heute ein Heizkraftwerk betreiben. Nicht jedem gefällt die Entscheidung, aber die Fortsetzung der Entscheidungslosigkeit wäre die schlechteste Lösung gewesen. 

  • Den Stillstand am Hauptbahnhof aufgebrochen

    Ähnliches gilt für die Situation am Hauptbahnhof, wo Sridharan endlich alle Investoren an einen Tisch gebracht hat und die nö­ti­gen Be­schluss­vor­la­gen sei­ner Ver­wal­tung eine brei­te Mehr­hei­t im Rat fanden. Jetzt kann die seit vielen Jahren überfällige Neugestaltung dieses, zentralen Bonner Bereichs beginnen. 

Niederlagen und Herausforderungen 

Auch Niederlagen blieben Ashok Sridharan im ersten Amtsjahr nicht erspart. So lehnte der Rat seinen Vor­schlag ab, bei der Beethovenhalle mit maßvollen Investitionen die Betriebssicherheit zu erhalten. Stattdessen wurde eine aufwendige Sa­nierung beschlossen, die die Stadtkasse mit mehr als 60 Mio Euro belasten wird. Der Rat lehnte auch das von der Verwaltung unterstützte Angebot eines privaten Investors für das marode Viktoria­karree ab. In beiden Fällen setzten sich die Grünen ge­gen den Oberbürgermeister durch: bei der Beethovenhal­le mit dem größeren Teils der CDU und der FDP, beim Viktoriakarree mit Hilfe der SPD. 

Dass die Grünen mit ihrer Blockadehaltung den Takt angeben, ist eines der größten Bonner Probleme – und da­mit auch eine Herausforderung für den Oberbürgermeister. Man denke nur an die Zukunftsfrage Verkehrspoli­tik. CDU und FDP geben den Kurs der Jamaika-Koalition selten mit eigenen Initiativen vor, son­dern sind meist in einer reaktiven Position. Seit für Grüne, CDU und FDP das gemeinsame Feindbild eines SPD-Oberbürger­meisters entfallen ist, werden auch die Risse im Bündnis deutlicher:
Schon 2015 hatte die Mitgliederversammlung der Grünen dem Koalitionsvertrag die Zu­stimmung verweigert. Geduldet von CDU und FDP verhin­derten sie auch das privat und vom Bund finanzierte Beethoven-Festspiel­haus. Immer wieder stimmen die Grünen im Rat ge­gen ihre Koalitionspartner CDU und FDP: sei es beim Rechtsschutz für städtische Mitarbeiter im Zusammenhang mit dem WCCB, bei der Abgabe von Cannabispro­dukten oder um die Zusammenarbeit Bonns mit einem von der Bundesregierung initiierten Beratungsunterneh­men für öffentliche Auftraggeber zur Förderung Öffentlich-Pri­vater Partnerschaf­ten zu ver­hindern.

Zugleich öffnet die SPD öffnet die Türen zum eigentlich notwendigen Koalitions­wechsel nicht, so lange sie in der Schmollecke der Opposition verharrt und grüne Blockadebeschlüsse wie beim Viktoriakarree unterstützt.

Nach dem erfolgreichen Wechsel im Amt des Oberbürgermeisters braucht Bonn auch im Rat eine echte Ge­staltungsmehrheit. Um weitere Blockaden aufzubrechen,gehören CDU, SPD und FDP dringend an einen Tisch.

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

Frühere Artikel

08. Aug 2017

KEINESFALLS ENTSCHIEDEN IST DIE

Bundestagswahl 2017, denn neben der nicht wünschenswerten Fortsetzung der Großen Koalition sind Mehrheitsbildungen nur schwer möglich. Dennoch ist weniger als 50 Tage vor der Wahl kaum etwas von Wahlkampfstimmung zu spüren. Das birgt erhebliche Risiken Lesen Sie mehr…
05. Aug 2017

NUR 12 SPENDER UNTERSTÜTZEN

seit Oktober 2016 die aufwendige Sanierung der Beethovenhalle, mehr als 70 Mio Euro werden für die denkmalgerechte Sanierung einer alten Mehrzweckhalle ohne Verbesserung der Akustik verpulvert, die Kostensteigerung beträgt durchschnitztlich 1 Mio Euro im Monat, der Zeitplan ist im Blick auf 2020 unrealistisch - eine Notbremsung bleibt möglich und sinnvoll. Lesen Sie mehr…
09. Jul 2017

AM 15. JULI 2017 FAND AUF DEM BONNER

Marktplatz unter der Schirmherrschaft von OB Sridharan der BEETHOVEN-COUNTDOWN 2017-18-29-BTHVN2020 statt. Auf Einladung der BÜRGER FÜR BEETHOVEN gestalteten über 50 Profi-Musiker ein vielfältiges Musikprogramm unterschiedlicher Stilrichtungen um auf Beethovens 250. Geburtstag 2020 hinzuweisen Lesen Sie mehr…
09. Jul 2017

ZUM KLAREN NEIN ZUR PRIVATGEWALT

gibt es keine Alternative, wenn wir unsere Zivilisation vor dem Rückfall in das Zeitalter des Faustrechts bewahren wollen. Dass es hier keine Kompromisse gegeben darf, haben die brutalen Gewalttätigkeiten gegen den Hamburger G20-Gipfel gezeigt. Lesen Sie mehr…
07. Jul 2017

DIE NOTBREMSE BEI DER BEETHOVENHALLE

ist die einzige verantwortbare Entscheidung, denn die Luxussanierung ist aus dem Ruder gelaufen bevor sie wirklich begonnen hat: Die Kosten explodieren, der Zeitplan wackelt und die Bürger haben sich längst abgewandt. Lesen Sie mehr…
02. Jul 2017

EUROPAS TRAUERAKT FÜR HELMUT KOHL

war eine bewegende Würdigung der politischen Leistungen des europäischen Ehrenbürgers, Kanzlers der einheit und überzeugten Christdemokraten. Insbesondere Bill Clinton, Jean-Claude Juncker und Angela Merkel hielten bewegende Reden. Als Studiogast von N24 habe ich die Liveübertragung des Trauerakts begleitet. Lesen Sie mehr…
17. Jun 2017

BEI HELMUT KOHL WUSSTE MAN, WORAN

man ist. Er hatte einen klaren Wertekompaß. Wolfgang Schäuble hat es in einem bemerkenswerten Nachruf so ausgedrückt: "Die Bundesrepublik hat mit ihren Kanzlern zumeist Glück gehabt. Manche mussten sich erst korrigieren, um bedeutend zu werden. Helmut Kohl war es vom Anfang bis zum Ende." Lesen Sie mehr…
15. Jun 2017

BEI DER BEETHOVENHALLE EXPLODIEREN

die Kosten der Luxussanierung immer schneller. Kaum hat die Verwaltung am 26. Mai 2017 Mehrkosten von 2,5 Mio Euro mitgeteilt, legt Stadtdirektor Fuchs als Projektleiter im General-Anzeiger nach und kündigt weitere Mehrkosten von 2,5 Mio Euro an. Schon am 27. Juni war das überholt.. Lesen Sie mehr…
31. Mai 2017

OPER UND KONZERT IN EINEM HAUS WÄRE

in Bonn sinnvoller als 150 Mio Euro in zwei Altbauten zu stecken, die auch nach einer Sanierung heutigen Ansprüchen nicht genügen. Bei der Neuordnung der Bäderlandschaft – ein moderner Neubau statt der Sanierung zweier alter Schwimmbäder (!) - hatte der Rat den Mut für eine solche Zukunftsentscheidung und erhielt dafür sogar die Rückdeckung der Mehrheit bei einem Bürgerentscheid erhalten. Das sollte für die Beteiligten eine Ermutigung sein, auch bei den Kulturgebäuden Mut zur Zukunft zu zeigen. Lesen Sie mehr…
30. Mai 2017

WIR BRAUCHEN MEHR EUROPA

und nicht weniger. Wir haben als Deutsche und Europäer nur eine Chance, uns in der zsammenwachsenden Welt zu behaupten, wenn wir noch enger zusmmenrücken - und zwar nicht nur wegen der "America-First"-Ideololgie des US-Präsidenten Trump. Lesen Sie mehr…
22. Mai 2017

FÜR EINEN BEETHOVEN-RUNDGANG

in Bonn setzen sich seit langem die BÜRGER FÜR BEETHOVEN seit langem ein. 2006 hat der Verein mit Hilfe verschiedener Sponsoren eine provisorische Lösung initiiert, die den Anforderung längst nicht mehr genügt. Ein profilierter Rundgang ist aber für die Profilierung Bonns zur Beethovenstadt von zentraler Bedeutung.  Die BÜRGER FÜR BEETHOVEN haben ein Konzept zur Realisierung vorgelegt. Lesen Sie mehr…
15. Mai 2017

NACH DER ERFOLGREICHEN NRW-WAHL

kommt es für die CDU darauf an, im Blick auf die Bundestagswahl nicht in Übermut zu verfallen. Noch vier Wochen vor der NRW-Wahl hätte man Sieg der CDU nicht vorhergesagt und bis zur Bundestagswahl sind es noch vier Monate. Die Unstetigkeit der Wähler nimmt und deshalb gilt: "Wer sich zu früh freut, den bestraft das Leben." Der Bundestagswahlkampf wird spannend werden. Lesen Sie mehr…
14. Mai 2017

GUIDO DEUS UND CHRISTOS KATZIDIS

sind die beiden neuen Landtagsabgeordneten für Bonn. Sie haben bei der Landtagswahl am 14. Mai der SPD beide Wahlkreis abgejagt. Dazu gratuliere ich den beiden, die ich im Wahlkampf gerne unterstützt habe, herzlich. Lesen Sie mehr…
01. Mai 2017

LUDWIG UND DIE DAMENWELT IST THEMA

meines Klavier-Kabaretts am 11. Juni um 16 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf (Poppelsdorfe Allee 108, Bonn). Der Eintritt ist frei. Lesen Sie mehr…
27. Apr 2017

MIT AUSSCHLIESSLICHER BRIEFWAHL WURDE

in Bonn erstmals in einer größeren Stadt ein Bürgerentscheid durchgeführt. Trotzdem blieb die Beteiligung an dem plebiszitären Verfahren um 17,5 Prozent unter der Beteiligung an den letzten Kommunalwahlen. Wer Bürgerbeteiligung erst nimmt, darf über diese Plebiszit-Distanz der Bürger nicht hinwegsehen. Lesen Sie mehr…