Volltextsuche:

DIE SANIERUNG DER BEETHOVENHALLE

ist im Blick auf Zeitplan, Kostenexplosion und Bürgerbezug ein Desaster mit Offenbarungseid im Triple-Schritt. Die Stadt ist mit hohem Tempo ist eine Sackgasse eingebogen. Jetzt heisst es offiziell, dass „derzeit keine belastbare Terminprognose möglich ist".
DIE SANIERUNG DER  BEETHOVENHALLE

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

 

Die Alternative zur Sanierung der alten Beethovenhalle finden Sie hier.

 

Stephan Eisel

Beethovenhalle: Offenbarungseid im Triple-Schritt 

Der Beschluss des Bonner Rates vom Dezember 2015, die marode Beethovenhalle aufwendig zu sa­nieren statt abzureißen, war von Anfang im Grundsatz unsinnig:

  • Da es in der alten Mehrzweckhalle wird es keine Verbesserung der alten Akustik geben wird, leistet das Vorhaben keinen Beitrag zur Profilierung Bonns als Beethovenstadt.

  • Da es in Bonn eine Überkapazität an Mehrzweckhallen gibt, fehlt ein Betriebskonzept für die künftige Nutzung.

  • Da die Bonner Bürger das Projekt für unüberlegt und völlig überteuert halten, bleiben die vom Rat erhofften Spenden völlig aus. 

Bei der Abwicklung des Vorhabens vergeht kein Monat ohne neue Katastrophenmeldung, Wer sich die Mühe macht, die entsprechenden Verwaltungsmitteilungen zu lesen, kann nur verzweifeln. Jüngstes Beispiel die „Mitteilungsvorlage Nr. 1712507“ vom 28. August 2017 zum Zeitplan, in der es wörtlich heisst, dass „derzeit keine belastbare Terminprognose möglich ist.“ 

1. Der illusorische Zeitplan 

Ursprünglich war von der Stadtverwaltung im Blick auf das Beethoven-Jubiläum 2020 als Fertig­stellungstermin der Baumaßnahmen immer der 2. November 2018 genannt worden. Bisher nannte der Stadtdirektor als verantwortlich Projektleiter das beschönigend einen „engen und ambitionierten Zeitplan“. Jetzt heißt es in der Mitteilungsvorlage der Verwaltung am 28. August 2017 wörtlich:

  • „Zur Vorbereitung und Durchführung der Vergaben werden die Ausschreibungsunterlagen erstellt und veröffentlicht sowie anschließend geprüft und beauftragt. Hierbei sind terminli­che Verzüge bei der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen im Zuständigkeitsbereich des Architekten anzutreffen, die Auswirkungen auf den Bauablauf haben. Einige Vergaben be­finden sich auf dem zeitkritischen Weg. Gegensteuerungsmaßnahmen wurden durch den Ar­chitekten bislang nicht im vorgeschlagenen Umfang angenommen. Die Verzüge nehmen ak­tuell zu. Die konkreten Auswirkungen auf die Bauausführung und den Fertigstellungstermin sind derzeit infolge der ausbleibenden Vorlage eines aktualisierten Terminplans durch den Architekten nicht erkennbar.“ 

  • „Bei Überprüfung der Terminplanung des Architekten wurden erneut fachliche und techni­sche Fehler erkannt, die die Ursache für die unzutreffenden Terminprognosen des Bauteils Studio darstellten. Weiterhin berücksichtigt der am 18.07.2017 durch den Architekten vor­gelegte Terminplan nicht die Terminverzüge aus verspäteten Ausschreibungen von Bautä­tigkeiten im fachlichen Zuständigkeitsbereich des Architekten und deren Auswirkungen auf den Bauablauf.“ 

  • „Ferner gab der Architekt bekannt, dass die Vorgänge der Bautätigkeiten in den Freian­lagen im Bauzeitenplan unvollständig und nicht mit dem Freianlagenplaner abge­stimmt sei­en und insofern als unzutreffend gelten.“

Das ernüchternde Fazit der Verwaltung gegenüber dem Rat lautet: 

„Vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass der Architekt trotz umfangreicher Un­ter­stützung durch Fachplaner und Projektsteuerung keinen korrekten und mit den übrigen an der Planung fachlich Beteiligten abgestimmten Terminplan vorgelegt hat und somit derzeit kei­ne belastbare Terminprognose möglich ist.“ 

2. Die katastrophale Kostensteigerung 

Zugleich kommen fast im Wochentakt immer neue Meldungen über eine sich beschleunigende Kos­tenexplosion: Ohne dass substantielle Baumaßnahmen begonnen hätten, stiegen die prognostizier­ten Kosten seit dem Sanierungsbeschluss um durchschnittlich eine Mio Euro monatlich:

  • 07.04.2016 (Drs. 161 1089): 53,4 Mio Euro
  • 22.09.2016 (Drs. 161 2370): 59,9 Mio Euro
  • 19.01.2017 (Drs. 171 0337): 61,5 Mio Euro
  • 26.05.2017 (Drs. 1711685): 64,0 Mio Euro
  • 15.06.2017 (Stadtdir. Fuchs im GA): 66,5 Mio Euro
  • 27.062017 (Drs. 1711685ST2): 70,6 Mio Euro

Kaum hatte der Rat in seiner Sitzung am 7. Juli 2017 die letzte Kostensteigerung ohne nennenswer­te Gegenwehr zur Kenntnis genommen, meldete die Presse am 8. Juli, dass eine einzige Spezialtief­baufirma weitere Zusatzkosten verursacht: Sie erhält den Auftrag, obwohl er um etwa 1,2 Mio Euro über dem von der Verwaltung geschätzten Angebotsvolumen liegt. Die Beethovenhal­le hat sich finanziell als Faß ohne Boden längst zum Millionengrab entwickelt. 

3. Die kalte Schulter der Bonner 

Verschweigen wird von der Verwaltung bisher, dass die mit erheblichem Aufwand betriebene Spendenkampagne für die Beethovenhalle bisher ein völliges Desaster ist. Im Dezember 2015 hatte der Rat die Bonner Bevölkerung aufgerufen, für die Hallensanierung 10 Mio Euro zu spenden. Di­ser Aufruf verhallte ungehört. Ins­gesamt haben sich in den fast zwei Jahren seit Dezember 2015 nur 179 Spender (Stand 31.8.2017) gemeldet. Alle von der Stadt subventionierten Plakataktionen haben seit Oktober 2016 zu sage und schreibe 12 (in Worten zwölf !) neuen Spendern geführt. Die auf die­sem Weg ein­gesammelte Summe dürfte bei weniger als 0,5 Prozent der erhofften Summe liegen. Es spricht Bände, dass die Spendensumme nicht veröffentlicht wird. Der Rat ist längst von seinem Be­schluß abgewichen, bestimmte Sanierungsmaßnahme nur nach Spendeneingang freizugeben und belastet stattdessen still und heimlich die Bonner Steuerzahler zusätzlich. 

Die Bonner Bürger haben sich längst von der Beethovenhalle abgewandt. Die alte Mehrzweckhalle wird von kaum jemanden vermisst: Private Investoren wollen mit Unterstützung der Stadt auf dem ehemaligen Schlachthofgeläde für Rock- und Popkonzerte zwei Hallen mit 1750 bzw. 500 Plätzen er­richten, das WCCB und verschiedene Hotels bieten Veranstal­tungsräume unter­schiedlichster Grö­ße an, das Beethoven Orchester Bonn spielt demnächst in der Oper, die tradi­tionellen Karnevalsver­anstaltungen haben längst im Maritim eine neue Heimat gefunden und in der Kategorie „Mehr­zweckhalle“ gibt es zudem das städti­sche Angebot des Brückenforums und der Go­desberger Stadthalle. Mit der aufwendigen Sanierung der Beethovenhalle ist Bonn mit hohem Tempo in eine Sackgasse eingebogen.

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

Frühere Artikel

01. Mai 2017

LUDWIG UND DIE DAMENWELT IST THEMA

meines Klavier-Kabaretts am 11. Juni um 16 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf (Poppelsdorfe Allee 108, Bonn). Der Eintritt ist frei. Lesen Sie mehr…
27. Apr 2017

MIT AUSSCHLIESSLICHER BRIEFWAHL WURDE

in Bonn erstmals in einer größeren Stadt ein Bürgerentscheid durchgeführt. Trotzdem blieb die Beteiligung an dem plebiszitären Verfahren um 17,5 Prozent unter der Beteiligung an den letzten Kommunalwahlen. Wer Bürgerbeteiligung erst nimmt, darf über diese Plebiszit-Distanz der Bürger nicht hinwegsehen. Lesen Sie mehr…
21. Apr 2017

TRUMPS ERSTE 100 AMTSTAGE ALS

Präsident haben die amerikanische Gesellschaft weiter gespalten. Noch nie hat ein Präsident zu diesem früheren Zeitpunkt seiner Regierungszeit mehr Ablehnung als Zustimmung erfahren. Die Mehrheit der Amerikaner hält ihren Präsidenten für unfähig und unehrlich und lehnt seine Politik ab.  Lesen Sie mehr…
18. Apr 2017

VERABSCHIEDET VON EUROPA HAT SICH

der türkische Präsident Erdogan mit Verfassungsänderungen, die ihm praktisch unkontrollierte Macht geben. Trotz erheblicher Wahlmanipulationen durch die Verhaftung von Abgeordneten und Journalisten folgte ihm bei einem Referendum aber nur ein äußerst knappe Mehrheit der Türken.  Lesen Sie mehr…
29. Mrz 2017

DER ANSTIEG DER WAHLBETEILIGUNG BEI

den letzten Landtagswahlen lenkte den Blick auf eines der am meisten verbreiteten Klischees über Wahlen in Deutschland: das Mantra der Behauptung einer ständig zurückgehenden Wahlbeteiligung. Diese These hält sich ebenso hartnäckig wie sie falsch ist. Lesen Sie mehr…
29. Mrz 2017

KONRAD ADENAUER WAR FÜR BONN

von 1959 bis zu seinem Tod 1967 direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Anlässlich seines 50. Todestages am 19. April 2017 lohnt ein genauerer Blick auf dieses in der Adenauer-Forschung bisher völlig vernachlässigte Tätigkeitsfeld. Adenauers Beziehung zu Bonn gründet in einer langen Familiengeschichte. Der Adenauer-Biograph Hans-Peter Schwarz sieht einen eindeutigen Befund: "Konrad Adenauer ist nur ein Neu-Kölner, genealogisch kann ihn Bonn viel eher für sich reklamieren." Lesen Sie mehr…
24. Mrz 2017

EIN NEIN BEIM BÜRGERENTSCHEID ZUM

Kurfürstenbad ist ein JA zur Zukunftsgestaltung für Bonn. Wo Einzelinteressen dominieren, geht nichts voran. Bonn kann sich solchen Stillstand weder im Städtewettbewerb noch im Blick auf die Lebensqualität seiner Einwohner leisten. Bis zum 21. April kann abgestimmt werden. Lesen Sie mehr…
22. Mrz 2017

WARUM SOLLTE 2020

der 250. Geburtstag Beethovens überhaupt gefeiert werden ? Mit dieser Frage muss man sich vor allem in der Geburtstadt des Komponisten befassen, zumal er 22 Jahre in Bonn gelebt und gearbeitet hat - länger als Mozart in Salzburg. Heute in 1000 Tagen beginnt weltweit das Jubiläumsjahr. Lesen Sie mehr…
12. Mrz 2017

FÜR EUROPA DEMONSTRIEREN DIE BONNER

bis zur französischen Präsidentschaftswahl immer sonntags um 14 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus.Initiator ist die Gruppe PULSE OF EUROPE mit zeitgleichen Europa-Demos in über 40 Städten. Zum Bonner Auftakt kamen weit über Menschen. Ich bin mit Überzeugung dabei. Lesen Sie mehr…
05. Mrz 2017

OHNE MODERNEN BEETHOVEN-RUNDGANG

bleibt Bonns Profilierung als Beethovenstadt ein Torso. Es darf nicht so bleiben, dass man im Stadtbild nicht merkt, dass man in der Stadt ist, in der Beethoven nicht nur geboren ist, sondern 22 Jahre gelebt und gearbeitet hat - länger als Mozart in Salzburg oder Wagner in Bayreuth. Lesen Sie mehr…
03. Mrz 2017

E-PETITIONEN BEIM DEUTSCHEN BUNDESTAG

kann man seit 2009 einreichen. Eine erste systematische Auswertung zeigt, dass es sich entegegen ursprünglicher Annahmen um Angebot mit sehr begrenzter Reichweite handelt. Lesen Sie mehr…
15. Feb 2017

JEDEN MONAT EINE MILLION ZUSÄTZLICH

kostet die "denkmalgerechte Sanierung" der alten Beethovenhalle. Diese Kostensteigerung schon vor Baubeginn hat jetzt eine Verwaltungsvorlage offenbart: Im Januar 2017 liegt die Schätzung - mit vielen Risiken - bei 61,5 Mio Euro. Das sind 8,5 Mio Euro mehr als im April 2016: das Millionengrab wird zum Faß ohne Boden. Lesen Sie mehr…
13. Jan 2017

KREUZ-UND-QUER.DE HEISST

der Internet-Blog zum politischen Handeln aus christlicher Verantwortung. Herausgeber sind u. a. Norbert Lammert, Alois Glück, Bernhard Vogel und Thomas Sternberg. Über 100 Autoren behandeln in wöchentlichen Beiträgen unterschiedliche polutische und gesellschaftliche Themen. Die Artikel lassen sich unter kreuz-und-quer.de kostenlos abonnieren. Lesen Sie mehr…
08. Dez 2016

ANGELA MERKEL WURDE BEIM CDU-PARTEITAG

Anfang Dezember 2016 in Essen zum neuten Mal als Bundesvorsitzende wiedergewählt. Wer  die 89,1 Prozent Ja-Stimmen, die für sie abgegeben wurden, richtig einordnen will, sollte ein Blick auf alle bisherigen Wahlen zum CDU-Vorsitz werfen. Lesen Sie mehr…
03. Dez 2016

WIE INTERNET DEMOKRATIE BEEINFLUSST

ist Thema eines Aufsatzes, in dem ich vier Orientierungspunkte für demokratisches Handeln im digitalen Zeitalter darlege:
1) 
In der Demokratie darf es keine Bevorzugung oder Ausschließlichkeit der digitalen Welt geben. 
2) Auch im Internet muss der Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung gelten. 
3) Ohne Innovationskraft kann Demokratie den Stresstest der Internet-Dynamik nicht bestehen. 
4) Zur Technikfaszination muss Demokratie-kompetenz kommen. Lesen Sie mehr…