Volltextsuche:

BEI DER SANIERUNG DER BEETHOVENHALLE

entwickelt sich neben der Kostenexplosion (53 auf 75 Mio Euro in 18 Monaten) auch der Zeitplan immer offenkundiger zum Lotteriespiel. Planer und Architekten rechnen offenbar mit weiteren Verzögerungen, aber der zuständige Projektleiter Stadtdirektor Fuchs verweigert aber die Auskunft darüber. Ursache für diese Intransparenz ist die wachsende Nervosität, dass die Sanierung nicht zum Beethoven-Jubiläum 2020 beendet ist. Dabei ist eine Mehrzweckhalle mehr oder weniger für Bonns Profil als Beethvoenstadt nicht wichtig.
BEI DER SANIERUNG DER BEETHOVENHALLE

Mehr zum Thema Beethovenhalle finden Sie hier.

Am 10. Januar 2018 tagte der Betriebsausschuss des Städtischen Gebäudemanagements (SGB). Der Projektleiter der Sanierung der Beethovenhalle, Stadtdirektor Fuchs, soll zwar mitgeteilt haben, dass ihm ein neuer Zeitplan für die Fertigstellung der Sanierung der Beethovenhalle (letzter Stand Februar 2019) vorliegt, sich aber zugleich geweigert haben, den offenbar erneut nach hinten geschobenen Fertigstellungstermin mitzuteilen. Begründung: Er werde dem Plan ohnehin widersprechen. Es gäbe einen vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermin. Fuchs wurde entgegengehalten, der nütze wenig, wenn der Termin nur noch ein Wunschtermin sei. So war es auf Facebook unter Bezug auf Sitzungsteilnehmer zu lesen. Offiziell war bisher nichts zu erfahren. Diese neue Geheimniskrämerei läßt aber vermuten, dass die Fertigstellung der Sanierung zum Beethoven-Jubiläum 2020 immer fraglicher wird. Dazu beantwortete Stephan Eisel Fragen des regionalen Online-Magazins bonndirekt.

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

Beethoven ohne Ende? Stephan Eisel am 12. Januar 2018 im Interview mit bonndirekt

Beethoven ohne Ende? Stephan Eisel am 12. Januar 2018  im Interview mit bonndirekt

Dr. Stephan Eisel wurde am 10. Juni 1955 in Landau /Pfalz geboren. Er studierte politi­sche Wis­senschaft, neuere Geschichte und Musikwissenschaft in Marburg und Bonn und promovierte 1985 an der  Bonner Universität Bonn. Es folgten verschiedene Tätigkeiten im politisch-kulturellem Be­reich, u.a. als stellv. Leiter des Kanzlerbüros und Redenschreiber unter Helmut Kohl. Von 2007 - 2009 war als Bonner CDU-Abgeordneter Mitglied des Deut­schen Bundestages. Der ta­lentierte Hobbypianist ist heute u.a. Vorsitzender des Vereins „Bürger für Beetho­ven". In dieser Ei­genschaft stellte ihm BONNDIREKT-Chefredakteur Erwin Ruckes drei Fragen zur gegenwärtigen Renovierung der Beethovenhalle und zu Perspektiven  BEET­HOVEN 2020.

Herr Eisel, was passiert eigentlich, wenn die Renovierung der Beethovenhalle tat­sächlich nicht rechtzeitig zum Beethoven-Jubiläum 2020 fertig wird?

Eisel: Eine Mehrzweckhalle mehr oder weniger ist für die Profilierung Bonns als Beethovenstadt nicht wichtig. Es sind alle gut beraten, sich nicht darauf zu fixieren und davon abhängig zu machen. Die Kostenexplosion - innerhalb der letzten 18 Monate von 53 auf 75 Mio Euro - als auch der Zeitplan, der zur Lotterie geworden ist, zeigt, dass die denkmalgerechte Sanierung der Beethovenhalle eine krasse Fehlentscheidung war. Das gilt umso mehr als eine Verbesserung der Akustik nicht vorgesehen ist. Niemand wird wegen eines Konzertes in dieser Mehrzweckhalle auch nur aus Köln nach Bonn kommen. 

Sind Ihnen irgendwelche alternative Veranstaltungsstätten in Bonn bekannt?

Eisel: International konkurrenzfähig ist nur der Kammermusiksaal im Beetho­ven-Haus. Es wird eben immer deutlicher wie kurzsichtig das kommunalpolitisch verant­wortete Aus für das privat fianzierte Festspielhaus war. Aber mindestens so gut wie die Beethovenhalle  ist eine Vielfalt von Veranstaltungsorten: Von der kleinen Beethovenhalle in Muffendorf, über das WCCB mit dem Plenarsaal, die Oper, die Godesberger Redoute, den Telekom-Dome, das T-Mobile- Forum, das Poppelsdorfer Schloß  usw. usw.. Besonders attraktiv finde ich es auch, immer Sommer den Museumsplatz wieder für Konzerte zu nutzen. Und wie wäre es mit einer Flußbühne am Rheinufer ?  

Kann es sein, dass sich die Diskussion um die Gestaltung des Beethovenfes­tes 2020 in der Bonner Öffentlichkeit hauptsächlich auf bautechnische As­pekte redu­ziert und wo bleibt eigentlich der konkrete Ansatz und das Be­wusstsein, dieses Da­tum auch zu einer nachhaltigen Wertung Bonns als Beethovenstadt und kulturellen Hotspot einzubringen?

Eisel: Inhaltlichen Fragen sind für den Erfolg des Beethoven-Jubiläums in der Tat wesent­lich entscheidender als die Frage, ob oder wie die Sanierung der Beetho­venhalle rechtzeitig fertiggestellt wird.  Es geht auch nicht um ein einmaliges Feuer­werk 2020, sondern um eine Initialzündung für nachhaltige Strukturen. Wir müssen dabei auf das setzen, was Bonn als Alleinstellungsmerkmal zu bieten hat. Das sind z. B. die authentischen Orte, denn Beethoven ist ja nicht nur in Bonn geboren, son­dern hat hier 22 Jahre gelebt und gearbeitet - länger als Mozart in Salzburg. Des­halb ist es gut, dass es endlich zu einem modernen Beethoven-Rundgang kommen wird. Ein weiteres Feld wäre die Nachwuchsarbeit : Beethoven hat seine Prägung eben hier als Jugendlicher und junger Erwachsener erfahren. Was liegt näher als Bonn zum Treffpunkt herausragender musikalischer Talente zu entwickeln. Dafür sind die Meisterkurse des Beethoven-Hauses und der Klavierwettbwerb der Tele­kom gute Ansatzpunkte, die aber nicht punktuell bleiben dürfen. Und in der UN- und Bundes­stadt Bonn bietet es sich doch an, Beethovens Musik mit seinem Profil als Huma­nist zu verbinden. Die kulturelle Verantwortung der Politik und die gesell­schaftliche Verantwortung der Künstler - für diese Debatte ein nachhaltiges Forum zu bieten, würde zu Bonn passen.

 

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

Frühere Artikel

09. Nov 2017

ALS AM 9. NOVEMBER 1989 DIE MAUER FIEL

war ich stv. Leiter des Kanzlerbüros bei Helmut Kohl. Wie wir damals im Kanzleramt den historischen Tag erlebten, können Sie in meinem Text "Wie im Kanzleramt die Mauer fiel" nachlesen. Lesen Sie mehr…
26. Okt 2017

DEN 250. HOCHZEITSTAG VON

Beethovens Eltern am 12. November feiern die BÜRGER FÜR BEETHOVEN um 15 Uhr mit  inem Hochzeitskaffeeschmaus mit Musik und Zeitzeugenberichten im Restaurant Bon(n)gout am Remigiusplatz. Der Eintritt beträgt (incl. Kuchenbuffett) 25 Euro. Lesen Sie mehr…
26. Okt 2017

DIE DEBATTE UM EINEN NEUBAU DER OPER

ist notwendig, denn die Kostenexplosion um die Sanierung der Beethovenhalle hat gezeigt, dass solche Altbau-Sanierungen Wege ins Millionengrab sind. Schon deshalb macht es Sinn, einen integrierten Neubau für Oper, Konzert und Schauspiel ernsthaft zu prüfen, Lesen Sie mehr…
09. Okt 2017

BEETHOVEN VERBRACHTE VOR 225 JAHREN

am 1. November 1792 seinen letzten Abend in Bonn. Die Abscheidsparty fand in seiner Stammkneipe "Zehrgarten" am Marktplatz. Von dort brach er nach Wien auf - mit der festen Absicht, nach Bonn zurückzukehren. Das ist das Thema des Klavierkabaretts "Niemals geht man so ganz" am 1. November 2017 von Stephan Eisel Lesen Sie mehr…
03. Okt 2017

BEI EINEM BEETHOVEN-RUNDGANG AM 8.10.

berichtet der Vorsitzende der BÜRGER FÜR BEETHOVEN Stephan Eisel über die 22 Jahren, die Ludwig van Beethoven in Bonn gelebt und gearbeitet hat. Dabei kommt vor allem zur Sprache, was wenig bekannt ist. So steht z. B. in der Bonngasse nicht nur Beethovens Geburtshaus, sondern dort wohnten auch der Verleger Nikolaus Simrock, der wichtige Musikimpressario Johann Peter Salomon, der den Kontakt zwischen Haydn und Beethoven vermittelt hat, und Beethovens Lehrer Franz Anton Ries. Treffpunkt ist um 15 Uhr das Beethoven-Haus in der Bongasse.  Lesen Sie mehr…
27. Sep 2017

DASS CLAUDIA LÜCKING-MICHEL NICHT

mehr dem Deutschen Bundestag angehört, ist besonders bedauerlich, denn sie war eine hervorragende Abgeordnete für Bonn. Lücking-Michel wurde gleich zweimal dafür bestraft, dass die Union bundesweit 8,3 Prozent der Stimmen verlor. Sie gewann den Wahlkreis nicht und ihr Listenplatz hatte im Unterschied zu 2013 keine Bedeutung. Lesen Sie mehr…
27. Sep 2017

DIE UNION SOLLTE EIN JAMAIKA-BÜNDNIS

mit FDP und Grünen nach ihrem dramatischen Stimmverlust von - 8,3 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 als Chance begreifen, ihr Gestaltungsprofil zu schärfen. Der Ideenwettbewerb in einer solchen Koalition ist eine Herausforderung, aber es ist überfällig, dass CDU und CSU aus dem erfolreichen Finanz-, Euro-, Fukushima-, Flüchtlings- und-so-weiter-Krisenreaktionsmodus in einen durch Ideen zur Zukunftsgestaltung anziehenden politischen Aktionsmodus umschalten. Lesen Sie mehr…
31. Aug 2017

DIE SANIERUNG DER BEETHOVENHALLE

ist im Blick auf Zeitplan, Kostenexplosion und Bürgerbezug ein Desaster mit Offenbarungseid im Triple-Schritt. Die Stadt ist mit hohem Tempo ist eine Sackgasse eingebogen. Jetzt heisst es offiziell, dass „derzeit keine belastbare Terminprognose möglich ist". Lesen Sie mehr…
30. Aug 2017

ONLINE-WAHLEN SCHEITERN AM

Demokratietest, weil sie nicht gleichzeitig das Wahlgeheimnis schützen und Sicherheit vor Manipulation gewährleisten können. Wenn zur Technikfaszination die Demokratiekompetenz kommt, zeigt sich schnell, dass die Urnenwahl der Stimmabgabe im Internet haushoch überlegen ist. Lesen Sie mehr…
22. Aug 2017

WAHLVERSPRECHEN WERDEN VON WÄHLERN

ebenso nachhaltig gefordert wie von Kandidaten bereitwillig gegeben. Dabei hat schon Gotthold Ephrahim Lessing den Beteiligten mit auf den Weg gegeben: "„Beide schaden sich selbst: der, der zu viel verspricht und der, der zu viel erwartet.“ Lesen Sie mehr…
14. Aug 2017

INTERNET UND DEMOKRATIE WAR DAS THEMA

eines ausführlicheren Interviews, das der YouTube-Kanal "Neue Demokraten" mit Stephan Eisel geführt hat. Es ging den verantwortlichen Umgang mit dem Netz: Man muß seine Grenzen kennen, um die Chancen sinnvoll nutzen zu können. Lesen Sie mehr…
08. Aug 2017

KEINESFALLS ENTSCHIEDEN IST DIE

Bundestagswahl 2017, denn neben der nicht wünschenswerten Fortsetzung der Großen Koalition sind Mehrheitsbildungen nur schwer möglich. Dennoch ist weniger als 50 Tage vor der Wahl kaum etwas von Wahlkampfstimmung zu spüren. Das birgt erhebliche Risiken Lesen Sie mehr…
05. Aug 2017

NUR 12 SPENDER UNTERSTÜTZEN

seit Oktober 2016 die aufwendige Sanierung der Beethovenhalle, mehr als 70 Mio Euro werden für die denkmalgerechte Sanierung einer alten Mehrzweckhalle ohne Verbesserung der Akustik verpulvert, die Kostensteigerung beträgt durchschnitztlich 1 Mio Euro im Monat, der Zeitplan ist im Blick auf 2020 unrealistisch - eine Notbremsung bleibt möglich und sinnvoll. Lesen Sie mehr…
09. Jul 2017

AM 15. JULI 2017 FAND AUF DEM BONNER

Marktplatz unter der Schirmherrschaft von OB Sridharan der BEETHOVEN-COUNTDOWN 2017-18-29-BTHVN2020 statt. Auf Einladung der BÜRGER FÜR BEETHOVEN gestalteten über 50 Profi-Musiker ein vielfältiges Musikprogramm unterschiedlicher Stilrichtungen um auf Beethovens 250. Geburtstag 2020 hinzuweisen Lesen Sie mehr…
09. Jul 2017

ZUM KLAREN NEIN ZUR PRIVATGEWALT

gibt es keine Alternative, wenn wir unsere Zivilisation vor dem Rückfall in das Zeitalter des Faustrechts bewahren wollen. Dass es hier keine Kompromisse gegeben darf, haben die brutalen Gewalttätigkeiten gegen den Hamburger G20-Gipfel gezeigt. Lesen Sie mehr…