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DAS BONNER BEETHOVEN-DENKMAL

wurde vor 175 Jahren am 12. August 1845 enthüllt. Es wurde bald das überall auf der Welt bekannte Wahrzeichen Bonns. Die Vorgeschichte war freilich kompliziert. Ohne nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement und den Einsatz von Robert Schumann und Franz Liszt wäre das Vorhaben nicht verwirklicht worden.
DAS BONNER BEETHOVEN-DENKMAL

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Wenn Sie mehr über Beethoven in Bonn erfahren wollen:

Im März 2020 ist von Stephan Eisel das "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer Übersetzung) erschienen, im Sommer 2020 erscheint von ihm das "große" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (über 550 Seiten).

 

Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubiläumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen: 

 

 

Stephan Eisel

"Bedenkt, daß das Denkmal Euer eigenes sein wird"

Wie ein elektrischer Schlag traf der Anblick des Werkes die Menge, und entlud sich in lautem, lange forthallendem Jubelruf“ – so beschrieb Gottfried Kinkel, damals Bonner Korrespondent der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ und später Bonner Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus, den Moment der Enthüllung des Beethoven-Denkmals in Bonn um die Mittagszeit des 12. August 1845.

Dieses Denkmal, dessen 175. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, wurde bald das überall auf der Welt bekannte Wahrzeichen Bonns. Die Vorgeschichte war freilich kompliziert. Am 5. Juli 1832 – fünf Jahre nach dem Tod des größten Sohns der Stadt – hatte das „Bonner Wochenblatt“ den Aufruf eines anonymen Einsenders abgedruckt, dass Beethoven „in seiner Vaterstadt, in der er ja auch einen Theil seiner Bildung erhielt, ein öffentlich ehrendes Denkmahl erhalten“ solle: „Die Anschauung von Beethovens Bild würde vielleicht den Sinn für Kunst überhaupt, für Musik insbesondere, ganz vorzüglich aber den Sinn für seine unsterblichen Meisterwerke auch unter uns immer mehr nähren und fördern (...)“

Zunächst tat sich nichts, aber drei Jahre später erfolgte am 23. September 1835 die behördliche Zulassung des „Bonner Vereins für Beethovens Monument“. Mitinitiator und treibende Kraft war der aus Hessen stammende Musikwissenschaftler Heinrich Karl Breidenstein. Er war 1822 im Alter von 26 Jahren Musikdirektor an der Bonner Universität geworden und wurde dort 1826 als außerordentlicher Professor Inhaber des ersten musikwissenschaftlichen Lehrstuhls in der deutschen Universitätsgeschichte. Ihm kommt das große Verdienst zu, Beethovens Musik in seiner Heimatstadt wieder ins Rampenlicht gerückt zu haben.

Als erster Präsident des Denkmal-Komitees konnte der bekannte Literaturhistoriker August Wilhelm von Schlegel gewonnen werden. Die Mitglieder waren vornehmlich Professoren und Honoratioren. Am 17. Dezember 1835 veröffentlichte der Verein zum 65. Geburtstag des Komponisten einen „Aufruf an die Verehrer Beethovens“. Darin heißt es: „Selten hat ein Künstler so bedeutsam, so denkwürdig gewirkt, wie Beethoven. (...) Eine so äußerst seltene, wohlthätige und weithin wirkende Erscheinung verdient es, auf eine seltene und außerordentliche Weise gefeiert zu werden, nämlich durch ein plastisches, möglichst großartiges Monument. Ueber den dazu geeignetsten Ort kann kein Zweifel sein. Die Stadt Bonn am Rheine, in welcher der unsterbliche Künstler das Licht der Welt erblickte, (...) scheint zu dem Unternehmen in gleicher Weise berechtigt, wie verpflichtet.“

Mit dieser Erklärung war ein Spendenaufruf verbunden, und Zeitungen in ganz Europa wurden um Veröffentlichung gebeten. Dazu kam es aber – selbst in den Bonner Zeitungen – erst vier Monate später. Vorreiter war der große Beethoven-Verehrer Robert Schumann, der am 8. April 1836 in der von ihm herausgegebenen „Neuen Zeitschrift für Musik“ als erster überhaupt den Aufruf veröffentlichte. Leidenschaftlich warb er für das Vorhaben: „(...) erhebt euch einmal, laßt ab von eurem Phlegma und bedenkt, daß das Denkmal euer eignes sein wird!“ Bonn sei dafür der richtige Platz, denn Beethoven stehe zwar in Bonn und Wien in den Kirchenbüchern, aber die Geburt sei doch das eindeutig erfreulichere Ereignis gewesen.

Der erste Spender war der in Düsseldorf lebende und als Kunstmäzen bekannte Prinz Friedrich von Preußen. Eine ganze Reihe von Künstlern gab Benefizkonzerte. Aber insgesamt kamen das Spendensammeln nur schleppend voran, so dass das Denkmalkomitee im November 1838 einen zweiten Spendenaufruf veröffentlichte.

Nun trat Franz Liszt auf den Plan. Er hatte 1822/23 schon als Elfjähriger die ersten Beethoven-Kompositionen im Unterricht bei dem Beethoven-Schüler Carl Czerny kennengelernt. Damals ist er wohl auch Beethoven begegnet. Der in ganz Europa gefeierte Virtuose Liszt hatte seit 1836 Benefiz-Konzerte für das Denkmal gegeben und bot am 3. Oktober 1839 in einem Schreiben an das Denkmalkomitee an, „die zur Errichtung des Denkmals noch erforderliche Summe aus meinen Mitteln zu vervollständigen und verlange dafür kein anderes Vorrecht als das, den Künstler bezeichnen zu dürfen, welchem die Ausführung der Arbeit übertragen wird“.

Eine solche Festlegung lehnte das Denkmalkomitee allerdings ab. Als Franz Liszt – seit 1839 war er Ehrenmitglied des Denkmalkomitees – im Spätsommer 1840 nach Bonn kam, erklärte ihm Heinrich Breidenstein, der 1838 Vorsitzender des Komitees geworden war, dass es nicht möglich sei „die Ausführung des Unternehmens einem fremden ausländischen Künstler zu übertragen, da Deutschland in dieser Kunst Männer von europäischem Ruf aufzuweisen habe.“ Liszt nahm daraufhin „sogleich“ von seinem Vorschlag Abstand.

Breidenstein überzeugte Liszt auch, dass sein Angebot, die gesamte noch fehlende Summe für das Denkmal zu übernehmen, zwar ehrenhaft sei, aber auch Irritationen auslösen könne. Es sei besser, er würde einen konkreten Betrag nennen. Liszt sagte daraufhin 10 000 Franken – also 2666 Taler – zu und versprach, diese Summe bei Bedarf zu erhöhen. Wie sich Breidenstein später erinnerte, stellte Liszt gleich am nächsten Tag „bei Gelegenheit einer mit dem Comité unternommenen Lustfahrt nach Godesberg“ den entsprechenden Scheck aus.

Mit dieser Zusage von Liszt konnte das Denkmalkomitee im Oktober 1840 einen Wettbewerb mit einem Kostenrahmen von 13 000 Talern ausschreiben. Insgesamt wurden 25 Entwürfe, teils als Zeichnungen und teils als Gipsmodelle, eingereicht und von einer Jury aus sechs Sachverständigen begutachtet. Die endgültige Entscheidung fiel dann zwischen den Entwürfen des Berliners Gustav Hermann Bläser und des Dresdners Ernst Julius Hähnel. Bläser hatte Beethoven mit Leier und Schriftrolle mit klassischem Überwurf in der Art einer antiken Apollo-Statue dargestellt. Die Kommission entschied sich aber für den realistischen Entwurf von Hähnel, bei dem der Komponist zeitgenössische Kleidung trug.

Gottfried Kinkel schrieb zu dieser „großen Streitfrage unsrer bildenden Künste nach idealer oder realer Auffassung, die allerdings so schwer zu entscheiden ist“, dass „das moderne Costüm auch ohne Verletzung des Schönheitsgefühls bei Statuen anwendbar ist“. Seine Frau Johanna – eine begnadete Pianistin und Beethoven-Interpretin – sah das ganz anders und meinte später zu Bläsers Entwurf: „Es ist ganz empörend, daß ein solches geniales Kunstwerk dieser Philisterstatue Hähnels hat weichen müssen. Man begreift einen solchen Unsinn gar nicht.“

Letztlich erhielt Hähnel auch den Zuschlag, weil er mit seinem Entwurf im Unterschied zu seinem Konkurrenten im vorgegebenen Kostenrahmen geblieben war. Mit ihm wurde im Februar 1842 der Vertrag zur Erstellung des Beethoven-Denkmals geschlossen, das dann in der Nürnberger Kunstgießerei von Jacob Daniel Burgschmiet fertiggestellt wurde.

Nach Liszt war mit 1000 Talern der Wiener Hofkammerpräsident Peter Joseph von Eichhoff, Sohn des Bonner Beethoven-Freundes und späteren Bonner Bürgermeisters Johann Joseph von Eichhoff, zweitgrößter Spender. Von zehn verschiedenen Fürsten – darunter der spätere preußische König Friedrich Wilhelm IV. – wurden jeweils 611 Taler gespendet. Der Beethoven-Vertraute und gefeierte Pianist sowie Komponist Ferdinand Ries steuerte 550 Taler bei.

Etwa zehn Prozent der Gesamt summe sammelte das Denkmalkomitee in Bonn ein. Darunter waren die größten Einzelspender der Kölner Mäzen Franz Egon Graf von Fürstenberg-Stammheim mit 100 Talern und mit jeweils 50 Talern der Jura-Professor und spätere Begründer des Evangelischen Kirchentages sowie preußische Kultusminister August von Bethmann-Hollweg, der Bonner Weinhändler Louis Mertens, August Wilhelm von Schlegel sowie der Verleger Peter-Joseph Simrock, Sohn des Beethoven-Freundes Nikolaus Simrock.

Die Stadt beteiligte sich an der Finanzierung ihres heutigen Wahrzeichens nicht. Bonns damals erster hauptamtlicher Oberbürgermeister Karl Edmund Joseph Oppenhoff und der Rat verhielten sich dem Vorhaben eines Beethoven-Denkmals und der Durchführung eines ersten Beethovenfestes gegenüber so abweisend, dass von Franz Liszt die erboste Äußerung überliefert ist: „Eine kleine Stadt kann das Glück haben, daß ein großer Mann in ihr das Licht der Welt erblickte, aber kleinstädtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden!“

Abgesehen von den Finanzierungsfragen gab es auch Schwierigkeiten im Hinblick auf den Standort des Denkmals. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. lehnte es ab, bedeutende Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft durch Statuen auf öffentlichen Plätzen zu ehren. Das sollte Herrschern vorbehalten bleiben. So verwundert es nicht, dass Karl Friedrich Schinkel als Leiter der preußischen Oberbaudeputation dem „Bonner Verein für Beet hovens Monument“ 1837 schrieb, man solle nicht mit einer Zustimmung des Königs zu einem Denkmal im öffentlichen Raum rechnen und stattdessen als Standort den Kreuzgang des Münsters ins Auge fassen. Als der neue König Friedrich Wilhelm IV. im Juni 1840 sein Amt antrat, machte er jedoch schnell den Weg dafür frei, die Beethoven-Statue auf einem öffentlichen Platz aufzustellen.

Aber jetzt kam es in Bonn zu einer Diskussion, wo der richtige Standort wäre. So hat man in einer Leserzuschrift an die „Kölner Zeitung“ „den großen Rasenplatz im Hofgarten“ vorgeschlagen. Dagegen argumentierte das „Bonner Wochenblatt“: „Wie winzig klein würde sich hier ein Monument von 14 bis 15 Fuß Höhe ausnehmen!“ Stattdessen soll man sich für den Münsterplatz entscheiden, weil „man glauben möchte, der Platz sei des Monumentes wegen so eingerichtet. Diese Baumgruppen, die schöne Münsterkirche, das V. Fürstenbergische Hotel, und andere hübsche Häuser – was bilden sie nicht von allen Seiten für herrliche Hintergründe!“ Außerdem sei der Platz stets belebt und „sehr bewohnt, kein Quartierchen steht leer. Hier ist die rechte Stelle für Beethovens Monument!“ Auf dem Münsterplatz in Bonn wurde das Beethoven-Denkmal dann im Jahr 1845 übrigens zum ersten freistehenden Musiker-Denkmal im öffentlichen Raum in ganz Preußen.

Der Tag der Enthüllung am 12. August 1845 bildete den Mittelpunkt des von Franz Liszt initiierten ersten Beethovenfestes und folgte einer besonderen Choreographie: Zunächst gab es einen Festzug vom Rathaus zum Münster, dem ein Festgottesdienst mit Beethovens C-Dur-Messe op. 86 folgte, bevor danach das Denkmal auf dem Münsterplatz enthüllt wurde. Schließlich fand ein Konzert mit Werken von Beethoven im Festspielhaus statt. Schon vor dem Gottesdienst kam es zu chaotischen Zuständen. Der für das Münster zuständige Pfarrer hatte nämlich den freien Zugang zur Kirche für alle zur ausdrücklichen Bedingung für die Überlassung des Münsters gemacht.

So drängten sich viele Menschen in den Festzug, den Gottfried Kinkel als „wirbelndes Chaos“ beschrieb: „Sobald die Kirche aufging, strudelte die Masse, eingekeilt in das dort längst harrende Volk, durch die Thüre herein: ein Gendarm musste durch Ausschlagen seines Pferdes dicht vor der geweihten Stätte Raum schaffen, und mit Lebensgefahr wurde alles die Treppenstufen in die niedriger gebühnte Kirche hinabgestürzt. (...) in unerträglicher Enge schoben sich die Massen gegen den Hochaltar vor.“ Im gleichen Tenor heißt es bei Hector Berlioz, der ebenfalls Zeitzeuge war: „Es war unmöglich, zu den Kirchentüren zu gelangen; die Menge versperrte alle Zugänge; man erdrückte einander ohne Scheu.“

Auch bei der folgenden Denkmalenthüllung lief nicht alles glatt. Bei großer Hitze warteten Tausende zunächst über eine Stunde, bis endlich die britische Königin Victoria und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. verspätet eintrafen. Ihnen musste dann zunächst die lange Urkunde vorgelesen werden, die in den Sockel des Denkmals eingelassen wurde, denn der König hatte gesagt: „Ich unterschreibe nichts, was ich nicht gelesen habe.“ Der eigentliche Festakt begann mit der Ouvertüre zur Oper Fidelio, die ein Infantrie-Musikkorps spielte.

Es folgte die Festrede von Heinrich Breidenstein und nach der Enthüllung eine von ihm komponierte Kantate. Allerdings gingen die musikalischen Darbietungen ebenso wie die Festrede im allgemeinen Lärm unter. Breidenstein bezeichnete sein eigenes Werk als „dieses unbedeutende, durch Aufführung im Freien unter lärmendem Geschrei von Tausenden und dem Geflatter von 40 von starkem Wind bewegten Fahnen ohnehin zum Opfertod bestimmte Stück“. Breidensteins Festrede stellte Beethovens „urkräftige Selbstständigkeit“ in den Mittelpunkt und betonte „dieses Bahnbrechen durch bis dahin unbekannte Regionen, diese unablässige Selbsterneuerung des schaffenden Vermögens, diesen Drang nirgends zu rasten, nirgends auch nur zweimal des Geistes Wohnung aufzuschlagen, das ist es, worin Beethoven fast einzig dasteht.“

Hector Berlioz schilderte die folgende Szene mit den Worten: „Das plötzliche Abbrechen der sehr lebhaften Unterhaltungen zwischen den nichthörenden Zuhörern kündigte das Ende der Reden und Kantaten an, und jeder merkte auf, um zu sehen, wie man das Denkmal von seiner Hülle befreite. Als es sichtbar wurde, brach das Beifallklatschen, Hurrarufen, Fanfarenblasen, Trommelschlagen, Gewehrabfeuern, Kanonenschießen und Glockengeläute, kurz, all der Bewunderungsspektakel, der bei den zivilisierten Völkern die Stimme des Ruhmes ist, von neuem los und begrüßte das Bildnis des großen Komponisten.“ Der Komponist und Musikschriftsteller Ferdinand Simon Gassner – ebenfalls ein Zeitzeuge – meinte zur jetzt für alle sichtbaren Statue: „Wahr ist es: »Freundlich ansprechend ist der Anblick nicht!« Idealisiert ist eben so wenig: aber Alle, die Beethoven kannten, sprachen sich über die entschiedene Aehnlichkeit aus.“

Erst 20 Jahre später wurde in den Erinnerungen des Bonner Jura-Professors und Komitee-Mitglieds Ferdinand Walter jener Umstand öffentlich geschildert, der heute untrennbar mit der Denkmalenthüllung verbunden wird: „Die Hülle fiel, und – die hohen Herrschaften sahen vom Balcon auf die dicken Falten des schweren Mantels und auf die struppigen Haare! Eine der Hofdamen schlug ein Gelächter auf, das bis unten gehört wurde. Der König rief mit seiner hellen Stimme: »Ei, der kehrt uns ja den Rücken!« Herr von Humboldt, der in der Nähe stand, sagte ruhig: »Ja, er ist auch schon in seinem Leben immer ein grober Kerl gewesen.« Die wohlangebrachte Erheiterung machte möglichst vieles gut.“

Nur einmal in seiner 175-jährigen Geschichte musste das Beethoven-Denkmal seinen Standort verlassen: Als 1963 bis 1965 die Münsterplatz-Garage gebaut wurde, musste die Statue restauriert und vor allem die durch Korrosion zerstörte Verankerung des Sockels durch ein neues Stahlgestell stabilisiert werden. Zuvor hatte sich indes ein kleines Wunder ereignet: Die Bombardierung Bonns am 18. Oktober 1944 überstand das Denkmal unbeschadet.

Während der Restaurierung flammte erneut eine Diskussion auf, ob die Statue wieder auf dem Münsterplatz aufgestellt werden solle oder an einem anderen Standort. In den Leserbriefspalten reichten die Vorschläge vom Kaiserplatz bis – erneut – zum Innenhof des Münsters. Der Bonner Kunstschmiedemeister Karl König, in dessen Betrieb das Denkmal restauriert wurde, inszenierte sich daraufhin beim Rosenmontagszug am 10. Februar 1964 auf einem umjubelten Karnevalswagen als lebendes Beet hoven-Denkmal unter dem Motto „Ich well zoröck zum Münsterplatz.“ Dieser Wunsch ging dann am 28. April 1965 in Erfüllung. Kurz darauf erwies im Mai 1965 nach ihrer Ur-Ur-Großmutter Victoria mit Elizabeth II. wieder eine britische Königin Beethoven die Reverenz und legte am Denkmal Rosen nieder.

Erst sehr viel später wurden im 20. und 21. Jahrhundert in Bonn im öffentlichen Raum weitere Denkmäler aufgestellt, die an den größten Sohn der Stadt erinnern: Im Garten des Beethoven-Hauses wurde am 17. Dezember 1905 die Beethoven-Büste des aus Lettland stammenden Bildhauers Naum Aronson enthüllt – ein Bronzeguss auf einem Granitsockel. Aronson hatte im Sommer 1905 die Konzerte des siebten Bonner Kammermusikfestes besucht und seine Plastik unter dem unmittelbaren Eindruck der dort aufgeführten Musik gestaltet. 1938 wurde am Alten Zoll in Bonn ein ursprünglich für Berlin vorgesehenes, von Peter Christian Breuer entworfenes und von seinem Mit arbeiter Friedrich Diederich in Granit ausgeführtes Beethoven-Denkmal aufgestellt. Es wurde dort 1949 entfernt und befindet sich seit 1977 in der Bonner Rheinaue.

1952 erhielt Bonn anlässlich des ersten deutsch-französischen Kulturabkommens als Geschenk eine BeethovenBüste des französischen Bildhauers Émile-Antoine Bourdelle, die später ihren Platz im Foyer der Beethovenhalle erhielt. 1960 wurde im Park an der Godesberger Redoute auf einer Natursteinsäule ein Bronzekopf von Beethoven aufgestellt, den der in Ungarn geborene Franz Rotter modelliert hatte. Heute ist dort ein Neuguss aus dem Jahr 1968 zu sehen, da die ursprüngliche Plastik nicht mehr auffindbar war. Als Beitrag zur Ausstellung „Mythos Beethoven“ anlässlich des Beethovenfestes 1986 schuf Klaus Kammerichs die Betonskulptur „Beethon“ vor der Beethovenhalle. Von Markus Lüpertz stammt die viel diskutierte Bronzeskulptur „Hommage an Beethoven“, die seit 2014 am Alten Zoll steht.

Die Wiener haben übrigens mit der Skulptur von Caspar von Zumbusch erst am 1. Mai 1880 – 35 Jahre nach den Bonnern – ein Beethoven-Denkmal im öffentlichen Raum enthüllt.

 

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