Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken. Fest.Spiel.Haus.Freunde nehmen Stellung zu den vier Varianten einer Bürgerbefragung Die Fest.Spiel.Haus.Freunde begrüßen die Initiative des Oberbürgermeisters in seinem Newsletter vom 23. März 2010, konkrete Informationen als sachliche Grundlage für die Diskussion um den Bau eines Festspielhauses zu veröffentlichen. Die Konsequenzen für die hier aufgezeigten vier Varianten für eine Bürgerbefragung müssen jedoch deutlich genannt werden: Variante 1: Abriss und Neubau „Das Festspielhaus ersetzt die Beethovenhalle. Die Baukosten liegen bei den Sponsoren. Die Stadt Bonn beteiligt sich an der Herrichtung der Außengeländes und übernimmt einen angemessenen Anteil am laufenden Betrieb des Festspielhauses. Als angemessen kann die Summe gelten, die von der Stadt ohnehin für den Erhalt der Beethovenhalle, ihre anstehende umfängliche Sanierung und ihren laufenden Betrieb aufgebracht werden müsste."
Die Planungen eines neuen Festspielhauses auf dem Gelände der Beethovenhalle wurden im Detail erarbeitet, weil die Stadt Bonn nach sorgfältigen Prüfungen diesen Standort als einzigen für uneingeschränkt geeignet hält. Die Vorteile des Modells „Abriss und Neubau" sind:
Mit dem Bau des Beethoven Festspielhauses kann Bonn sein Profil als Beethovenstadt international schärfen und dieses Thema für sich besetzen, ähnlich wie es Salzburg für Mozart oder Bayreuth für Wagner tun, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der kommenden Jubiläen: 2020 Beethovens 250. Geburtstag, 2027 sein 200. Todestag.
Damit trägt das Festspielhaus auch mittel- und langfristig entscheidend zu Bonns wirtschaftlicher Zukunft bei. Die Attraktivität einer Stadt ist nicht nur für die eigene Bevölkerung wichtig, sondern auch für Touristen, Kongressbesucher, national und international agierende Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen, und sie bringt Impulse für die Stadtentwicklung, für Hotellerie, Gastronomie, Taxigewerbe etc..
Variante 2: Anderer Standort
„Das Festspielhaus wird auf einem anderen Grundstück am Rhein errichtet. Die Baukosten liegen bei den Sponsoren, soweit dort die bisherigen Planungen umgesetzt werden können. Die Stadt Bonn beteiligt sich an der Herrichtung des Außengeländes und übernimmt einen angemessenen Anteil am laufenden Betrieb des Festspielhauses. Da die Beethovenhalle weiterhin unterhalten werden muss, ist diese Lösung nur vorstellbar, wenn andere Spielstätten geschlossen werden oder wenn sich ein weiterer Mäzen für die zu erwartenden höheren Planungs- und Baukosten und für den Betrieb des Festspielhauses findet."
Grundsätzlich ist ein anderer Standort natürlich denkbar - allerdings haben gründliche Prüfungen durch die Stadtverwaltung seit 2007 (erneut im Januar 2010) ergeben, dass kein anderer Standort uneingeschränkt in Frage kommt. Daher ist der Architektenwettbewerb unter Beteiligung der städtischen Fachleute für den Standort Beethovenhalle ausgeschrieben worden.
Welche anderen Spielstätten sollten denn geschlossen werden, um höhere Ausgaben zu decken? Und woher sollte ein Mäzen kommen, der rein kommunale Aufgaben wie den Betrieb von Veranstaltungsstätten fördert? Auf beide Fragen scheint es keine realistische Antwort zu geben.
Wirtschaftlich ist es jedenfalls in der jetzigen Haushaltslage unmöglich, aus dem städtischen Haushalt zwei Hallen zu betreiben und überdies die Beethovenhalle - ohne Sponsor - zu renovieren; dass sie in nächster Zeit umfänglich saniert werden müsste, steht außer Frage.
Zudem bleibt die Frage, welche Veranstaltungen überhaupt den weiteren Betrieb der Beethovenhalle rechtfertigen würden, wenn die Konzerte (also Beethovenorchester, Beethovenfest, Klassische Philharmonie Bonn, Philharmonischer Chor Bonn, Bach-Gemeinschaft, Jazz und U-Musik etc.) ins Festspielhaus umziehen? Angesichts der Probleme mit dem WCCB erscheint es im Übrigen im Interesse des städtischen Haushalts geboten, für eine intensive Auslastung des WCCB mit Veranstaltungen aller Art zu sorgen.
Variante 3: Kombination mit der Oper
„Das Festspielhaus wird auf dem Grundstück der Oper errichtet. Bei dieser Lösung („Modell Salzburg") würde eine neue, zeitaufwändige und kostenintensive Planung erforderlich, die wahrscheinlich von der Stadt Bonn zu übernehmen wäre. In diesem Festspielhaus könnten auch Opern aufgeführt werden, wie etwa Beethovens „Fidelio". Zu erwarten wäre, dass Bund, Land und die Sponsoren die Frage aufwerfen, ob ein solches Festspielhaus „nationale Bedeutung" haben würde. Dem könnte entgegengehalten werden, dass dem Festspielhaus Salzburg durchaus nationale und internationale Bedeutung zugestanden wird."
Der Vergleich mit dem Modell Salzburg hinkt: Dort gibt es zwei unterschiedliche Opernhäuser: Das Landestheater Salzburg, das die städtischen Kulturaufgaben wahrnimmt und ganzjährig vom u.a. Mozarteum Orchester bespielt wird, sowie das das Große Festspielhaus (sowie weitere Säle), das vorrangig zu Festspielzeiten und dann von Gastorchestern wie den Wiener Philharmonikern bespielt wird.
Die Planungen für ein kombiniertes Opern-Konzerthaus müssten komplett neu beginnen. Eine Realisierung wäre erheblich teurer als der Bau eines Konzerthauses, da der Opernbetrieb ganz eigene Anforderungen stellt.
Die drei Sponsoren stehen für diese Lösung nicht zur Verfügung, auch die 39 Mio. Euro vom Bund sind dann in Gefahr, da ein Opernhaus eine kommunale Aufgabe ist und nicht - wie das Erbe Beethovens - auf nationale Förderung zählen kann.
Auch wenn dieser Vorschlag scheinbar für alle akzeptabel erscheint, für Denkmalschützer ebenso wie für Opernfreunde, er ist keine realisierbare Lösung und wird am Ende dazu führen, dass Bonn über eine sanierungsbedürftige Beethovenhalle, eine sanierungsbedürftige Oper und - kein Festspielhaus verfügt.
Variante 4: Ablehnung des Angebotes
„Die Angebote der Sponsoren sowie der öffentlichen Hände werden nicht angenommen. Die anstehenden Kosten für die Sanierung der Beethovenhalle (und der Oper) werden von der Stadt Bonn getragen, sobald dazu entsprechende Mittel zur Verfügung stehen."
Die Ablehnung des Angebotes der Sponsoren bedeutet, dass eine Renovierung der Beethovenhalle auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben würde. Der weltweite Aufbau der Marke „Beethovenstadt Bonn" mit dem Stadtlogo „Freude.Joy.Joie.Bonn" wird im Sande verlaufen, die einmalige Chance zur substanziellen Verbesserung der kulturellen Infrastruktur wird verspielt, es droht der Rückfall in den Status einer kulturellen Provinzstadt. Bonn verabschiedet sich über kurz oder lang von der nationalen und internationalen Bühne als Beethovenstadt und kann auch Beethovens 250. Geburtstag und 200. Todestag nicht image- und wirtschaftsfördernd für sich nutzen. Die einmalige Chance, das Festspielhaus als wirtschaftliches und kulturelles Zukunftsprojekt zu realisieren, wäre verspielt. Beim Bund und in anderen Kommunen wird man mit Unverständnis auf Bonns Entscheidung reagieren.
Fazit:
Die Varianten 2 und 3 scheinen absolut unrealistisch - von den vier Vorschlägen der Stadtverwaltung bleiben aus Sicht der Fest.Spiel.Haus.Freunde nur die Varianten
1 und 4 übrig, also der Bau des Festspielhauses auf dem Gelände der Beethovenhalle, oder die Ablehnung des Angebotes - mit allen Konsequenzen, die eine solch vertane Chance nach sich zöge.