Volltextsuche:

DASS CLAUDIA LÜCKING-MICHEL NICHT

27. September 2017
mehr dem Deutschen Bundestag angehört, ist besonders bedauerlich, denn sie war eine hervorragende Abgeordnete für Bonn. Lücking-Michel wurde gleich zweimal dafür bestraft, dass die Union bundesweit 8,3 Prozent der Stimmen verlor. Sie gewann den Wahlkreis nicht und ihr Listenplatz hatte im Unterschied zu 2013 keine Bedeutung.
DASS CLAUDIA LÜCKING-MICHEL NICHT

 

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

 

Stephan Eisel

Die Bundestagswahl 2017:
Bonn verliert mit Claudia Lücking-Michel eine ausgezeichnete Abgeordnete 

Dass die Bonner Abgeordnete Claudia Lücking-Michel (CDU) schon nach einer Legislaturperiode wieder aus dem Deutschen Bundestag ausscheiden muss, gehört zu den ungerechtesten Ergebnissen der Bundestagswahl vom 24. September 2017. Sie hat den Bonner Wahlkreis mit viel Engagement und inhaltlicher Substanz in Berlin hervorragend vertreten. Unterstützt wurde sie dabei von einem engagierten Team. Lücking-Michel war im Bundestag gut vernetzt und ihr Wort hatte Gewicht. Im Wahlkreis war sie ständig präsent und ein Vorbild an Bürgernähe. An ihrem Einsatz und ihrer Arbeit hat es sicherlich nicht gelegen, dass sie nicht ins Parlament zurück­kehren kann. 

Gerechtigkeit ist gerade für örtliche Kandidaten bei überregionalen Wahlen kein Kriterium. Sie un­terliegen dem Bundestrend, den man vor Ort allenfalls um 1-2 Prozent korri­gieren kann. Die Union hat im Bundestrend - 8,3 Prozent der Stimmen verloren: Das geht an keinem Wahlkreis spurlos vor­bei. Der SPD-Verlust war ebenfalls dramatisch, lag aber nur bei - 5,2 Pro­zent. 

Hinzu kommt ein spezieller Bonn-Faktor: Seit 1998 tritt die FDP in der Bundesstadt mit Kandi­daten an, die Zugang zu bundesweiten Medien haben und „Talkshow-Reife“ besitzen. Ohne die­sen Prominentheitsfaktor und die „Fernsehtauglichkeit“ erreichen Bundestagskandidaten über die örtli­chen Medien nur etwa 50 prozent der Wahlberechtigten. Dieser Wettbewerbsnachteil ist kaum aus­zugleichen und gibt oft den Ausschlag, wenn es um einen knappen Wahlkreis geht. 

Bonn gehört zu diesen „Wackelwahlkreisen“: Der Abstand zwischen den Kandidaten von CDU und SPD lag seit 1998 höchstens bei 3,3 Prozent (2002) und war 2013 auf sogar 0,7 Prozent zu­sammengeschrumpft. Vor 1998 betrug der Erststim­menvorsprung der CDU immer mindestens 7 Prozent. Das hat sich geändert, seit die FDP in Bonn immer mit besonders prominente und bundes­weit bekannte Kandi­daten aufstellt. Den Wahlkreis können sie nicht gewinnen, aber sie binden überdurchschnittlich viele Stimmen: 

Guido Westerwelle kandidierte in Bonn 2002, 2005 und 2009 als Parteivorsitzender und 2013 als Außenminister. 2017 trat mit Alexander Graf Lambsdorff der bundesweit bekannte (und durch sei­nen Namen gerade in Bonn sicherlich nicht benachteiligte) FDP-Spitzenkandidat der Europawahlen von 2014 an. Im Unterscheid zu Westerwelle warb er nicht of­fensiv um Erststimmen. Damit lag der Splittingfaktor der FDP zum ersten Mal seit 2002 über dem Bundesdurchschnitt, allerdings deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Städte wie Aachen und Münster:

 

FDP-Erststimme

FDP-Zweitstimme

Splittingfaktor

Bonn

10,5

15,7

5,2

Aachen

7,3

14,1

6,8

Münster

7

13,5

6,5

Zugleich unterstützten in Bonn überdurchschnittlich viele grüne Wähler mit der Erststimme den SPD-Bewerber Ulrich Kelber. Das trägt dazu bei, dass der Abstand zwischen Erst- und Zweitstim­men zugunsten der SPD in Bonn besonders hoch ist. Ohne Zweifel trug auch die durch zwanzigjäh­rige Parlaments­zugehörigkeit ständig steigende Bekanntheit von Kelber zu seinem Wahler­folg bei. Außerdem konnte er bei dieser Wahl mit der Funktion des Parlamentarischen Staatssekretärs punk­ten und führte mit außergewöhnlich vielen Großflächenplakaten eine zwar kostspielige, aber profes­sionelle Wahlkampagne durch. 

Kelber hat für sich auch mit dem Argument um Erststimmen geworben, dass er im Unterschied zu Lücking-Michel nicht auf der Landesliste seiner Partei abgesichert sei. Das erwies sich als Trug­schluss. Das schlechte Bundesergebnis der CDU bestrafte Claudia Lücking-Michel gleich zweimal: Ihr blieb deswegen der Erfolg im Wahlkreis versagt und die Liste spielte keine Rolle mehr. Da die CDU wesentlich mehr Direktmandate gewann als ihr prozentual an Sitzen zu­stand, zogen in Nord­rhein-Westfalen nur vier CDU-Bewerber über die Landesliste in den Bundes­tag ein. So wenige wa­ren es noch nie gewesen. Es gibt für Lücking-Michel leider auch keine Nachrücker-Chance. 

Wahlniederlagen sind bitter. Aber wer kandidiert, weiß auch, dass er verlieren kann. Claudia Lücking-Michel hat sich nichts vorzuwerfen, der Verlust des Man­dats war nicht ihre Schuld. Sie trägt diese Niederlage mit Anstand und Würde ohne Vorwürfe gegen andere. Diese Haltung zeich­net sie aus – und auch deshalb ist es so schade, dass sie im Deutschen Bundestag nicht mehr dabei ist. Für Bonn tragen jetzt die drei gewählten Bonner Abgeordneten Ulrich Kelber (SPD), Alexan­der Graf Lambsdorff (FDP) und Katja Dörner (Grüne) eine besondere Verantwortung. Mit dem Glückwunsch für ihre Wahl ist der Wunsch verbunden, dass sie dabei erfolgreich sind.

RSS

BUCHTIPP: 2. Auflage

BUCHTIPP: 2. Auflage

Die Presse zum Buch:
"
unbedingt lesenswert" + "verfasst von einem Mann mit genauem Blick in die Kulissen der Macht" + "ausgewogen" + "anschaulich" + "persönlich, direkt, ganz nah dran" + "schildert Kohls Charakter-züge" + "spannende Hinter-gründe" + "keine undifferen-zierte Schwärmerei"
Ausführliche Pressestimmen zum Buch finden Sie hier

EIN KLICK AUF DAS BILD BRINGT ZU WEITEREN INFORMATIONEN

Frühere Artikel

06. Sep 2018

SCHONUNGSLOS WIRD TRUMP

von einem führenden Mitglied seiner eigenen Administration in einem Beitrag für die New York Times beschreiben. Dabei handelt es sich entweder um ein Kabinettsmitglied oder einen von Trump ernannten hochrangigen hohen Regierungsbeamten. Der Bericht bestätigt die schlimmsten Befürchtungen über diesen US-Präsidenten und könnte zugleich ein historisches Dokument des Anfangs vom Ende sein. Deshalb wird er hier vollständig dokumentiert. Lesen Sie mehr…
03. Sep 2018

NUR 0,15 PROZENT DER SANIERUNGSKOSTEN

der maroden Beethovenhalle werden durch Spenden finanziert. Die Bonner haben aber längst gezeigt, was sie von der überteuerten Luxussanierung halten: NICHTS. Der Bau des von der Kommunalpolitik verhinderten Beethoven-Festspielhauses wäre übrigens zu 100 Prozent privat finanziert worden ! Lesen Sie mehr…
14. Aug 2018

AM 14. August 1949 WÄHLTEN DIE BONNER

Konrad Adenauer zu ihrem ersten MdB. Er blieb bis zu seinem Tod 1967 direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Bonn. In meinem Aufsatz "Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter" habe ich mich intensiver mit diesem oft vernachlässigten Teil des Wirkens Adenauers befasst. Lesen Sie mehr…
10. Aug 2018

DIE BEETHOVENHALLE WERDE ICH NICHT

mit Spenden unterstützen und kann das auch nicht empfehlen: der Ratsbeschluss, in dem dazu aufgerufen wird, ist nicht seriös, weil er – wie es im Text wörtlich heisst - „vor Abschluss der Entwurfsplanung und Prüfung der Kostenberech­nung“ erfolgte. Hier tut sich ein Millionengrab auf. Lesen Sie mehr…
24. Jul 2018

GERADE IN DIESEN UNRUHIGEN ZEITEN

kommt es in der Politik auf Bekenntnismut und Differenzierungskraft als zweiten Seiten der gleichen Medaille an. Grundsätze wie Menschlichkeit als entscheidender politischer Maßstab und die Ablehnung nationalistischer Sonderwege müssen energisch verteidigt werden. Lesen Sie mehr…
20. Jul 2018

EINEN ZWEITEN BÜRGERENTSCHEID

haben die Gegner der Lösung der jahrelang blockierten Bonner Bäderfrage durchgesetzt. Obwohl sie im letzten Jahr bereits eine Abstimmung verloren haben, wollen sie jetzt erneut den Bau eines neuen Bades verhindern. Wie beim Viktoriakaree wäre damit wieder einmal Stillstand für Bonns Entwicklung vorprogrammiert. Wer will, dass Bonn zukunftsfähig bleibt, sollte bei diesem Bürgerentscheid mit NEIN stimmen. Lesen Sie mehr…
20. Jun 2018

ERNEUT HAT DIE BONNER STADTVERWALTUNG

eine Kostensteigerung bei der überflüssigen Luxus-Sanierung der Beethovenhalle bekannt gegeben. Für die marode Mehrzweckhalle werden nach aktuellem Stand 87,2 Mio Euro ausgegeben. Seit dem Sanierungsbeschluss vor 26 Monaten ist das eine Kostensteigerung von mehr als einer Million Euro monatlich.  Lesen Sie mehr…
17. Jun 2018

AM 5. JULI 2018 UNTERSTÜTZTE ICH MIT

einem Benefiz-Klavier-Kabarett den Ambulanten Palliativdienst am Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg, der seinen 25 Geburtstag feiert.  Die Veranstaltung fand in der Cafeteria des Malteser Krankenhaus statt. Lesen Sie mehr…
13. Jun 2018

AM 16. JUNI 2017 IST HELMUT KOHL

verstorben. Dass in Bonn ein Platz seinen Namen erhalten wird, ist angesichts der Verdienste des Kanzlers der Einheit und Ehrenbürger Europas um die erste Bundeshauptstadt ebenso folgerichtig wie es beispielhaft sein sollte für viele andere Städte. Gerade Bonn hat Kohl viel zu verdanken. Lesen Sie mehr…
23. Mai 2018

WAS IST CHRISTLICH-DEMOKRATISCH

ist eine wesentlich spannendere Frage als die Frage "Was ist konservativ?". Eine kleine Serie beschreibt christdemokratische Eckpunkte. Teil 1 befasste sich mit dem christlichen Menschenbild. Im Teil 2 geht es um  Subsidiarität. Lesen Sie mehr…
10. Mai 2018

NACH TAHITI, GRÖNLAND UND CALCUTTA

wollte Ludwig van Beethoven den Druck seiner Hammerklaviersonate schicken lassen - das jedenfalls ließ er seinen Verleger wissen als der Streit um die Gestaltung des Titelblatts kein Ende nehmen wollte. Stephan Eisel widmet sich dem Thema in seinem Klavierkabarett am 10. Juni um 16 Uhr in der Stiftung Pfennigsdorf, Poppelsdorfer Allee 108, 53115 Bonn.  Lesen Sie mehr…
22. Apr 2018

DIE BONNER JAMAIKA-KOALITION IST

schädlich für die Gestaltung der Bonner Zukunft. Die auf Druck der Grünen beschlossene Vertagung des Votums zu einem Investitionsvorhaben der Post in Höhe von 100 Mio Euro für 2500 Arbeitsplätze ist wie ein Weckruf. "Tod durch Vertagung" das kennen die Bonner vom Beethoven-Festspielhaus und dem Viktoriakarree. Gestaltungskraft für die Zukunft sieht anders aus. Lesen Sie mehr…
22. Apr 2018

"WAS IST CHRISTLICH-DEMOKRATISCH?"

ist eine wesentlich spannendere Frage als die Frage "Was ist konservativ?". Eine kleine Serie beschreibt christdemokratische Eckpunkte. Teil 1 befasst sich mit dem christlichen Menschenbild. Demnächst folgt Teil 2 zur Subsidiarität. Lesen Sie mehr…
25. Mrz 2018

DER SCHUTZ CHRISTLICHER FEIERTAGE

wird immer wieder in Frage gestellt. Aber das Grundgesetz und das Bundesverfassungsgericht machen hier eindeutige Vorgaben, weil es um die ungestörte Religionsausübung für die Bevölkerungsmehrheit geht. Das gilt es wieder offensiver zu vertreten. Lesen Sie mehr…
18. Mrz 2018

NUR ALS EINEN DREIKLANG IN MOLL

kann man das bezeichnen, was es zur Sanierung der Beethovenhalle zu berichten gibt: Erstens ist der Bauzustand katastrophal, zweitens explodieren die Kosten und drittens schadet das Thema Bonn über die Stadtgrenzen hinaus. Lesen Sie mehr…